Ich bin doch kein Hase

Gerade einmal ein Jahr alt, hat es der luxfarbige Zwergwidder aus Rodishain schon zu Ehren gebracht.
  Harzungen: Gerhard Becker |

Der luxfarbige Zwergwidder aus Rodishain ist ein Siegertyp und „Deutscher Meister“ – Die Eierei zu Ostern aber geht ihm auf die Löffel

Der Frühling ist lecker. Mümmel, mümmel. Jedes Löwenzahnblatt ein Genuss. Zwergwidder 4321 hat sich die Köstlichkeit verdient. Nach seiner Liason mit zwei Häsinnen liegen jetzt sechs Junge im Nest. Eines schöner als das andere.

Was kümmert es ihn, dass der schwarz-weiße Rammler drei Buchten weiter sogar sechs Häsinnen beglücken darf. Geschenkt. Er würde niemals tauschen wollen, denn unter den rund 40 Farbschlägen bei Zwergwiddern ist er noch eine Seltenheit. Unter der Deckfarbe seines Fells, ­einem silbrig glänzenden Blau, schimmert eine zarte braunrote Tönung hindurch. Züchter nennen das luxfarbig. Und er – Zwergwidder 4321 aus Rodishain in Nordthüringen – ist ein besonders attraktives Exemplar davon. Mehr noch: Er ist der Schönste im ganzen Land. Zur Bundes­kaninchenschau in Karlsruhe im vergangenen Dezember gab‘s den Titel „Deutscher Meister“.

Aber reckt ein ­Kaninchen deshalb gleich die Stups­nase in die Höhe oder besteht gar auf einen Namen? ­Natürlich nicht. Namen sind ­Menschenkram. Ein Kerl wie er trägt Tätowierungen in den Ohren. Rechts die Nummer des Zuchtvereins Steigerthal T 334, links die 4321. Sie verrät, dass der Champion im April 2013 als Kaninchen Nummer 21 ins Leben purzelte. Direkt in einen Stall von Gerhard Becker.

Ohne menschliches Zutun gibt es keine Karriere – das muss selbst ein halbstarker Vierbeiner mit süßen Hänge­ohren zugeben. Zehn Kreismeister- und zwei Landesmeistertitel hat sein Züchter, der zugleich Vorsitzender des Thüringer Widderclubs ( http://www.widder-ag.de/ ) ist, bereits mit seinen Schwarzgrannen und schwarz-weißen Schecken geholt. Das spricht für Können und Erfahrung. Schließlich zaubert man ­Siegerkaninchen nicht aus dem Hut.

Mit ihm, dem Luxfarbigen, gelang der bisher größte Erfolg. Bundesweit gibt es erst ein halbes Dutzend Züchter, die sich dieser Farbe widmen. Entsprechend groß ist das Interesse auf Ausstellungen und Kaninchenschauen. ­Eigens dafür lässt sich 4321 die ­Krallen schneiden und Laufsohlen putzen. Dann kommt der Preisrichter im weißen Kittel, wiegt ihn, begutachtet das Fell und befühlt den Körperbau. Soll er nur. Einen coolen Rammler bringt das noch lange nicht aus der Ruhe.

Nur dieses ganze Oster-Brimbamborium geht ihm gehörig auf die Löffel. Jetzt lauert sie wieder überall, diese falsche Erwartungshaltung. Dabei bringt er ganz gewiss keine Eier. Ich bin doch kein Hase, schnuffelt er sich in den ­Kaninchenbart. Seine Nase wackelt dabei rasend schnell. Das tut sie immer, wenn er aufgeregt ist. Schade eigentlich, dass Menschen kein solches Stimmungsbarometer besitzen.

Aber Zweibeiner sollten schon wissen, wie der Hase läuft. Meister Lampe allein hält die Kontakte zu Eierlieferanten. Er kann die Oster­überraschungen ohnehin viel schneller verstecken, hoppelt mit seinen langen, kräftigen Hinterläufen bis zu 60 Kilometer in der Stunde. Und er hat den Kopf frei, muss sich nicht um die Jungen kümmern. Sehend und mit Fell geboren, flüchten diese sofort aus dem Nest. Anders bei den Kaninchen. Ihre Winzlinge kommen nackt und blind zur Welt, entpuppen sich als Nesthocker. Erst mit drei Wochen stecken sie die Ohren aus dem wärmenden Unterschlupf.

Der Nachwuchs des Widder-Champions hält sich nur noch kurze Zeit versteckt. Dann wird sich zeigen, welches Potenzial in ihm steckt. Die Gene des Kaninchen­papas sind vielversprechend.
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