Neulinge auf der Scholle - Junge Leute zieht es in Schrebergarten-Kolonien

Von wegen Spießeridylle: Adriana fegt alte Vorurteile über Schrebergärtner weg. Foto: Axel Heyder (Foto: Axel Heyder)
Grinsende Gartenzwerge, schnurgerade Pflanzreihen, zwanghaftes Rasenmähen - das sind Schrebergarten-Klischees von gestern. Denn es tut sich was in den Kolonien. Jetzt drängen zunehmend junge Leute in Thüringer Kleingartenanlagen. Auch Familie Friese erlebt das erste Frühjahr im eigenen Schrebergarten und erzählt von der Lust und Last der Laubenpieper.

„Unsere erste Anschaffung war ein stabiler Spaten. Robust genug, um das Stück Unland wieder urbar zu machen“, erzählt Markus Friese. Zugewuchert und zugemüllt hatte der Vorpächter die Parzelle verlassen, die er und seine Frau Babette vor einem Monat in der Erfurter Kleingartenanlage „Reseda“ übernahmen. Doch Großstadtgewächse, die vom grünen Glück und der eigenen Ernte träumen, lassen sich nicht so leicht entmutigen. „Mit Hilfe unserer Freunde haben wir inzwischen vier Tonnen Schutt herausgeholt“, berichtet der Junggärtner. In neu angelegten Beeten wachsen bereits Tomaten, Kohl­rabi, Erdbeeren und Paprika.

Beträgt das Durchschnittsalter der Thüringer Schreber­gärtner auch 60 Jahre, sind die Frieses längst kein Einzelfall. Vor allem in den Städten registriert Udo-Bernd Schröter, Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen der Gartenfreunde, eine erfreuliche Tendenz: „Seit zwei, drei Jahren drängen zunehmend jüngere Leute in die Kleingartenanlagen.“ Viele der neu verpachteten Parzellen werden von Familien mit Kleinkindern beackert.

„Für Kinder ist ein ­Garten ideal“, davon ist auch Babette Friese überzeugt. Sie streicht sich über den Babybauch. Kind Nummer zwei kommt Anfang Juni auf die Welt. Wenn nicht jetzt ein Garten, wann dann? „Hier können die Kleinen gefahrlos spielen, kommen mit der Natur in Berührung und lernen, wo Obst und Gemüse wachsen.“ Töchterchen Emmely liebt vor allem die Tiere. Geht es nach der Sechsjährigen, bekommt jede Schnecke einen Namen – und ein Salatblatt als Futter.

Dass an Gartenkolonien das Image von Spießer­idylle und Ordnungswahn haftet, kann Markus Friese nicht nachvollziehen. „Klar gibt es eine Satzung, da stehen aber auch sehr viel sinnvolle Sachen drin.“ Und über die Nachbarn wissen die Frieses nur Gutes zu sagen. Der Philologe und die Masseurin holen sich als Gartenneulinge oft Rat über den Gartenzaun.

Für die 322 Quadrat­meter Grün zahlt die Familie rund 100 Euro Jahrespacht. Ein erschwingliches Paradies, nur fünf Minuten von der Wohnung entfernt. Ob darin jemals ein Gartenzwerg stehen wird? Nie! – Es sei denn, Emmely bringt ihn mit.
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7 Kommentare
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 15.06.2011 | 19:17  
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andrea krämer aus Sömmerda | 20.06.2011 | 21:50  
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 20.06.2011 | 22:09  
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andrea krämer aus Sömmerda | 20.06.2011 | 22:17  
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 20.06.2011 | 22:23  
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 22.06.2011 | 01:01  
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