Simson-Fans im Südharz: Verein pflegt Mopeds mit Geschichte

Vereinschef Ken Schütze mit seiner S 70 Comfort.
„Hoffentlich springt sie an.“ Ken Schütze hat leichte Zweifel. Lange hatte seine gute alte Simson S 70 in der Garage in Neustadt gestanden. Jetzt rückt er sie zum Fototermin ins Freie und tritt den Kickstarter. Einmal, zweimal, dreimal. Und schon summt der Motor vertraut. Die kleine Ausfahrt kann beginnen.

Ken Schütze ist der Vorsitzende des Vereins „MZ- und Simson-Freunde Südharz“ und mit seiner Begeisterung für diese alten Zweiradmarken nicht allein. Einmal im Jahr veranstaltet der Verein ein Treffen für Moped- und Motorrad-Fans, die aus einem Umkreis von 100 Kilometern in den Südharz reisen.

Sicher gibt es anderswo, zum Beispiel in Zwickau, weitaus größere Treffen. Doch auch im Südharz haben die Zweiräder treue Fans. Ken Schütze weiß warum: „An den Maschinen kann man noch alles selbst reparieren. Und sie fahren schneller als die ­Mopeds aus ­Westproduktion.“ Der Hintergrund: Alle bis 1992 zugelassenen Fahrzeuge dürfen bis zu 60 km/h fahren. Ein Ergebnis des Einigungsvertrags. Für alle anderen Zweiräder zwischen 50 bis 70 Kubikzentimeter gilt ein Limit von maximal 45 Kilometer pro Stunde. Das macht die motorisierten Zweiräder der Suhler DDR-Marke auch im Westen der Republik beliebt.

Hierzulande aber hängt an der Marke immer auch ein Stück Erinnerung. Ken Schütze erzählt: „Ich war 14, als mir der Nachbar sein altes Simson-Mofa in der Scheune zeigte. Er sagte: ‚Das fährt sowieso nicht mehr‘. Zwei Tage habe ich gebraucht, dann war es wieder in Schuss.“ Mit 16 bekam er vom Vater seine eigene Simson.

Die Freude an den mittlerweile betagten Gefährten hält bis heute an. Auch, wenn der 30-jährige Neustädter längst weitaus mehr PS bewegt – als Lokführer, Autofahrer und beim Enduro auf einer KTM. Gleich vier Simson-­Modelle haben ihren Ehrenplatz in der Garage gefunden – eine Schwalbe, eine S 50, S 51 und natürlich die S 70. Nicht alle waren beim Kauf so gut in Form wie ­heute. „Die Schwalbe bestand nur aus Einzelteilen, verbeult und verrostet. Jeder andere hätte sie weggeschmissen“, erzählt der passionierte Schrauber. Jetzt glänzt ihr Lack tiefblau. „Es fehlen nur noch der Motor und ein Kindersitz, dann können wir sogar zu dritt fahren.“ Dem Familienvater gehen die Ideen nicht aus.

(Das Treffen 2013 fand am 26./27. Juli statt.)
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