Aus den Tagebüchern von Klaus Renft – bewegende Lesung mit Musik in Neustadt/Orla

Heike Stephan (Foto: Mario Keim)
 
Bei der Lesung (Foto: Mario Keim)
Neustadt an der Orla: Stadtbibliothek | .

Von Mario Keim

Zu einer Konzertlesung mit Auszügen aus Renft-Tagebüchern hatte die Stadtbibliothek Neustadt an der Orla eingeladen und zahlreiche Interessenten kamen.

Wer war Klaus Renft (geboren 1942 in Jena – gestorben 2006 in Löhma)? Als Mensch und als Musiker? Eine Antwortsuche gibt es in den Tagebüchern von 1968 bis 1997, die am 7. April unter dem Titel „Die Bewaffnung der Nachtigall“ im Berliner BuschFunk Musikverlag auf 232 Seiten in Auszügen erstmals erscheinen. Renft gehörte zweifellos zu den prägendsten Gestalten der Rockmusik in Deutschland insgesamt, war er doch maßgeblich an der Etablierung und Ausformung einer eigenständigen Rockmusik mit deutschen Texten beteiligt.

Eine Manuskriptlesung mit Auszügen aus den Tagebüchern gab es am Montag (16. März 2015) in der Stadtbibliothek Neustadt an der Orla mit der Witwe des Musikers und Mitherausgeberin des Buches, Heike Stephan, sowie dem Musiker Andreas Schirneck, einst Weggefährte der ostdeutschen Rocklegende. Der Löhmaer Schirneck tourt außerdem derzeit mit dem Konzertprogramm „Liebe & Leid – Hommage an Klaus Renft“, in dem unter anderem ausgewählte Stücke aus dem Programm, mit dem beide Musiker über Jahre hinweg als Duo durch die Lande zogen, erklingen.

„Eigentlich wollten wir ja heute einen großen Büchertisch mit der Neuerscheinung aufbauen“, warb der Musiker für das Buch, das verspätet nun am Dienstag nach Ostern erscheint. Die beiden Herausgeberinnen sind die Dresdner Lyrikern und Schriftstellerin Undine Materni sowie Heike Stephan, Musikerwitwe und Bildende Künstlerin aus Löhma.

„Es gab durchaus Überraschendes, was ich nicht kannte, wie seine Zeit in Westberlin. Da wusste ich wenig darüber, auch nicht über seine Reisen. Aber so richtig hatte es ihm nicht im Westen gefallen. Er hatte immer auch ein Stück die DDR vermisst“, sagte Stephan über die Tagebücher, die aus dem Nachlass des Musikers stammen und die sie erst sieben Jahre nach dessem Tod das erste Mal las.

Überrascht habe sie auch, dass in den sechs Tagebüchern Texte von Klaus niedergeschrieben sind, die er selbst geschrieben hat, die aber nie in Liedform veröffentlicht worden sind. „Es waren nicht alle dafür“, sagte sie an die Adresse der ehemaligen Bandkollegen. „Die Tagebücher sind in einem Klaus-Deutsch verfasst. Eben sehr literarisch“, sagte sie im Gespräch mit dem „Allgemeinen Anzeiger“. „Manchmal hat er gut, manchmal weniger gut geschrieben.“

In den Büchern leben der Mythos Renft und die gleichnamige Band wieder auf. „Er war nicht nur ein engagierter Rockmusiker, sondern stets ein politischer Akteur, wenn auch wider Willen“, beschreibt es Heike Stephan.

Dreimal wurde Renft (bürgerlich: Klaus Jentzsch) mit Berufsverbots belegt. Nachdem er zuletzt 1975 die Zulassung durch das Kulturministerium der DDR verlor, reiste er 1976 nach Westberlin aus, arbeitete später beim Rundfunksender RIAS und beim Theater. 1990 gab es nach der politischen Wende einen Neuanfang im Osten.

In der Nacht zum 9. Oktober 2006 verstarb der Künstler infolge eines Krebsleidens auf dem Weg in die Klinik. Im Haus der Geschichte erinnert eine Bassgitarre von ihm an den Musiker und Menschen Klaus Renft, der schon zu Lebzeiten eine Legende war, doch dessen Renft Combo heute trotz des Kult-Status so gut wie nie im Radio zu hören ist.

„Wenn mehr deutschsprachige Musik im Radio läuft, und es gab da ja mal so eine Art Bewegung, dann bedeutet das noch lange nicht, dass sie die Renft Combo spielen, sondern vielmehr Bands wie Juli oder Silbermond“, beklagt auch Andreas Schirneck das Fehlen seiner Idole im Rundfunk als Mangelerscheinung der Politik der Musiksender.
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