Kinderbibelcamp 2012: Keine Macht für niemand

Wie kriegen wir jetzt die große Matratze in das kleine Zelt? (Foto: Ellen Tietz)
 
Wir bauen eine Mauer aus Schuhkartons
Triptis: Gemeindezentrum St. Florian | 20 Mädchen und Jungs aus dem Raum Pößneck, Neustadt und Triptis toben durch den Pfarrgarten in Triptis. Auf der einen Wiese stehen große und kleine Zelte, auf der andern ist Platz zum Fußball und Fangen spielen. Abends wird es dort gemütlich am Lagerfeuer.

Das hat man gesehen, wenn man vom 06. bis 08. Juli 2012 im Pfarrgarten in Triptis vorbeigeschaut hat. Es war ein buntes und munteres Treiben. Und von den paar kleinen Regentröpchen am Samstag Vormittag hat sich niemand die Stimmung verderben lassen.

Los ging’s allerdings am Freitag Nachtmittag. Ein großes Hallo für alle, die sich aus den andern Camps schon kannten und ein vorsichtiges Herantasten für die, die zum ersten Mal dabei waren. Doch bald waren alle Berührungsängste verflogen. Die Zelte wurden zusammen aufgebaut, und im Anschluss daran stärkten sich alle beim gemeinsamen Abendbrot.

Und schon ging’s ab, mitten hinein ins Thema: “Keine Macht für niemand” nach dem gleichnamigen Lied von Rio Reiser und den “Scherben”. Denn die Bestimmer, die immer sagen wollen, wo’s lang geht und was gemacht wird, die kennt jedes Kind, aber auch jeder Erwachsene. Also überlegten die Kinder: “Dürfen eben diese Bestimmer tun und lassen, was sie wollen, ohne Rücksicht zu nehmen auf die andern?” und “Müssen sich die andern immer alles gefallen lassen?” Sie stellten fest: auch die großen Bestimmer in der Bibel, in der Weltgeschichte und in ihrem eigenen Alltag müssen sich an bestimmte Regeln halten.

Dass es aber gar nicht so einfach ist, der große “Bestimmer” zu sein, erlebten die Kinder am Samstag Morgen bei einem einfachen Spiel: aufgeteilt in zwei Gruppen sollten sie aus Schuhkartons eine Mauer bauen. Hört sich einfach an, war aber schwierig. Denn eine Gruppe durfte nur die Anweisungen geben aber nicht mit bauen. Die andere Gruppe bekam die Augen verbunden und musste nach den Anweisungen der anderen die Mauer bauen. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten kam doch noch eine ganz ansehnliche Mauer zustande. Die Kinder aus beiden Gruppen bemerkten allerdings: Es ist zum einen gar nicht so einfach, anderen zu sagen, was sie tun sollen. Denn Anweisungen müssen ganz klar und deutlich ausgesprochen werden, Seiten und Richtungen müssen aus der Sicht des Tätigen angegeben werden und und und ... Aber zum andern ist es auch nicht so einfach, das zu tun, was andere sagen. Denn woher soll man denn wissen, wer etwas tun soll, wenn man nicht mit Namen angesprochen wird. Kommunikation macht hier viel aus und bringt beide Gruppen wieder auf eine Ebene, sodass die “Bestimmer” nicht länger über denen stehen, die die Anweisungen ausführen sollen.

Den Nachmittag verbrachten die Mädchen und Jungs mit Spiel und Spaß erst im Stadtpark auf dem wunderschönen Abenteuerspielplatz und dann bei einer Wasserschlacht im Pfarrgarten. Dazu noch eine große Portion Eis und wir haben den fast perfekten Sommernachmittag.

Aber der Tag war ja noch nicht rum. Für den Gottesdienst am Sonntag wurde nun eine kleine Theaterszene vorbereitet, in der es darum ging, Nein sagen zu lernen: Nein zum Machtmissbrauch durch die sogenannten Bestimmer und Nein zu blödsinnigen Mutproben, nur weil man dazugehören will. Konkret wurde das in der Predigt am Beispiel von König David, der strahlende Held und König aus dem Alten Testament. Aber auch er hat einmal seine Macht missbraucht und sich die Frau eines anderen genommen. Ihren Mann ließ er an vorderster Front umbringen. Und David meinte, weil er der König war, merkt das sowieso keiner. Aber Gott, der ihn als König auserwählt hatte, lässt ihm das nicht einfach so durchgehen. Auch ein König darf nicht alles tun, was er will. Denn er trägt Verantwortung für die Menschen in seinem Land. Nein, ein König darf sich nicht einfach alles und jeden nehmen, der oder die ihm gefällt, nur weil er der König ist. Denn er ist König, weil er für sein Volk Sorge tragen soll. Auch ein König muss lernen, Nein zu sagen oder ein Nein zu akzeptieren. Und auch ein König oder ein Bestimmer macht Fehler, aber er muss auch die Größe besitzen, zu seinen Fehlern zu stehen, sich zu entschuldigen und sie wieder gut zu machen.

Am Sonntag Mittag nach einem bunten, nachdenklichen aber auch feierlichen Gottesdienst mit Taufe ging für die 20 Mädchen und Jungs ein tolles gemeinsames Wochenende zu Ende. Viele fiebern schon dem nächsten Projekt oder Camp entgegen, weil sie hier Freunde gefunden haben.
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