Was haben Harry Potter und Goethe gemeinsam? - Einen Platz im neuen Stadtgeschichtsmuseum Pößneck

Dr. Julia Dünkel zeigt, dass die Litfasssäule auch heute noch begehbar ist.
 
Ein ungewöhnlicher Zeitstrahl führt Besucher durch Pößnecks Jahrhunderte.
Pößneck: ... |

In Zeiten, in denen Museen hierzulande eher geschlossen denn eröffnet werden, grenzt es schon an ein Wunder, dass in Pößneck www.poessneck.de ein nagelneues Museum für Stadtgeschichte entstand - finden Dr. Julia Dünkel, Fachbereichsleiterin für Finanzen und Kultur bei der Stadt Pößneck, und ich.

Seine Existenz verdankt das Museum am Klosterplatz schließlich vielen engagierten Pößneckern und einem Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2008. Ende 2015 wurde das Museum eröffnet. Ich besuchte es und fand eine Menge gute Gründe, es zu empfehlen. 17 will ich hier aufzählen. Eines steht unumstößlich fest: Heute reicht es nicht mehr aus, Besuchern ein paar Vitrinen zu präsentieren. Unterhaltsame Interaktion ist gefragt.

1. Ein lustiger Kater empfängt die Besucher in einem kleinen Vorführraum und berichtet einige Minuten über die Stadtgeschichte Pößnecks. So sind die Neugierigen auf das Bevorstehende eingestimmt.

2. Die Häuser sind aus bauhistorischer Sicht bedeutsam - man fand Reste aus klösterlichen Zeiten um 1315, die entsprechend aufgearbeitet wurden. Die Zweckbauten wurden mehrfach umgebaut und weisen daher verschiedene Baustile auf. Es waren aber immer Nutzungsbauten - unter anderem nutzten die Menschen das heutige Museum als Wohnstatt, Brauerei oder Gaststätte. Es wurden Fische verkauft, Schweine gehalten und Brot gebacken.

3. Aus der Zeit des Fischverkaufs stammt das Terrazzo-Fischbecken, das italienische Besitzer des Hauses einbauen ließen. Die Fische im Becken stellen Fragen, die Besucher beantworten können.

4. Zwei Bohlenstuben mit bauzeitlicher Farbgebung aus dem 14./15. Jahrhundert sind noch original erhalten.

5. Im Zentrum des Museums klärt ein ungewöhnlicher Zeitstrahl über die Entwicklung Pößnecks von der Gründung im 8. Jahrhundert über Frühe Neuzeit, Industriealisierung, 20. Jahrhundert und Neuzeit auf. Überliefert ist, dass die Klosterbrüder einst eine Wasserleitung bauten und diese via Urkunde der Stadt übertrugen.

6. In der DDR-Zeit diente Pößneck als Filmkulisse. "Moritz in der Litfasssäule" ist wohl das bekannteste Drehbuch, das auf dem Marktplatz dramaturgisch umgesetzt wurde. Moritz zog sich mit seinen Sorgen in die Säule zurück. Sie ist auch heute noch begehbar und birgt so manche Überraschung.

7. Wer den Spion zu ihrem Zimmer findet, kann Alma Dusi belauschen. Das sogenannte "leichte Mädchen" hatte ihre Zeit im 19. Jahrhundert und weiß allerhand Delikates aus dieser Zeit zu berichten.

8. Bei den Ausgrabungsarbeiten fanden die Arbeiter ein Pferd, das Bestandteil des Museums bleiben durfte. Wer sich aufmerksam umschaut, wird es entdecken.

9. Historisch Interessierte bewundern den Keltenarmreif. Dabei handelt es sich um eine der ältesten Grabbeigaben, die wahrscheinlich einem hochstehenden Stammeshäuptling zuteil wurden.

10. Fans der Harry-Potter-Edition wissen, dass diese in einer Pößnecker Druckerei entstand. Die original Druckplatte des 7. Bandes ist im Museum ausgestellt.

11. Dieses Jahr ziehen echte Tiere im Museum ein.

12. Kinder dürfen ihren Geburtstag im Museum feiern. Natürlich gibt es für die Gäste eine individuelle Führung.

13. Ein Foto mit Geheimrat von Goethe? - Im Museum für Stadtgeschichte kein Problem.

14. Es gibt eine schwarze Küche und eine schimpfende Magd. Auch von der Pest blieb Pößneck nicht verschont.

15. Ein weiterer Höhepunkt ist die Lampe, die auf dem Kopf steht. Besieht man sich die Sache aber aus einer bestimmten Perspektive, ist alles wieder normal.

16. Das 20. Jahrhundert findet hier Platz auf 20 Quadratmetern.

17. Im Museum sind unter anderem die original Boxhandschuhe von John Kallenbach, Kickbox-Weltmeister 2013, ausgestellt.


Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Freitag, Samstag: 11 bis 16 Uhr; Donnerstag 11 bis 18 Uhr; Sonntag 13 bis 17 Uhr. Mittwoch und feiertags geschlossen.
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