Zeitgeschichte: Leck mich am Leben – Punk im Osten

Cover des Buches "Leck mich am Leben - Punk im Osten"
Neustadt: Stadtbibliothek | Leck mich am Leben – Punk im Osten

Ein Lebensgefühl überrollte die DDR / Frank Willmann zu Gast in Neustadt

NEUSTADT/ORLA. Oftmals muss man den Hintergrund genau erfragen, um zu Klarheit zu erlangen. Dies dürfte auch für den Begriff „Punk“ und dem damit verbundenen Lebensstil gelten. Wer möchte sich schon mit „faulendes Holz“ bezeichnen lassen. Eher dürfte man die Auslegung spiegeln, auf die Gesellschaft anwenden. Deshalb brachen in England Mitte der 1970er Jugendliche aus den vorgeschriebenen Normen aus. Sie fühlten sich ausgeschlossen und betrogen um die Dinge, welche aus ihrer Sicht begehrenswert, wünschenswert Waren. Dazu gehörten modische Kleidung, das Neueste aus der Musikszene, aber auch der Verzehr von Getränken in Gaststätten.
Punk als Jugendrevolte, Punk als eine spontane Bewegung einer sich den Normen verweigernden Jugend, das galt auch in der DDR. In den Achtzigern wurde von den Genossen sorgenvoll das Entstehen einer Punkszene registriert. Eine fremde Spezies, welches sich Freiheiten heraus nahm, die bis dahin im zentral gesteuerten Staat undenkbar waren. Ein Punk in der DDR zu sein, war politisch und kriminell.
„Diese Szene im Rahmen einer durchorganisierten »Jugendpolitik« zu kontrollieren und zu lenken misslang komplett; schon das Erklärungsmuster, dass da wieder einmal etwas über die Mauer schwappte, was »unserer Jugend« lebensfremd sein sollte, war falsch“, kann im Nachhinein resümiert werden.
„Die Punks im Osten bedienten sich zwar der gleichen äußeren Accessoires, griffen
Mode- und Musikrichtungen aus dem Westen auf, und doch war die Szene viel mehr politisches als kulturelles Phänomen. Genau davon erzählt das Buch von Frank Willmann. Mit Sachtexten, mit Erlebnisberichten, vor allem aber mit Geschichten, in denen Punk als Lebensgefühl pulsiert“, betont Anja Lilie vom Verlag Neues Leben.

ZUM AUTOR:
Herausgeber Frank Willmann wurde 1963 in Weimar geboren, reiste 1984 nach Westberlin aus, lebt heute in Berlin.
Er spielte von 1970-81 als Mittelstürmer bei Motor Weimar, Traktor Kromsdorf, Empor Weimar und seit 2003 als Libero für Cosmic Kalaschnikow.
Von ihm stammen literarische Titeln wie „Stadionpartisanen“ oder „Zonenfußball“.

VERANSTALTUNG:
Am Montag, 4. Februar, 19.00 Uhr, stellt Frank Willmann sein Buch in der Stadtbibliothek Neustadt/Orla vor. Der Eintritt ist frei.
"Leck mich am Leben - Punk im Osten", Frank Willmann (Hrsg.)
ISBN 978-3-355-01807-4, 272 Seiten, Verlag Neues Leben
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