Fischer in Thüringen? Frank Radig züchtet als Meister für Binnenfischerei heimische Arten

Frank Radig ist ein Thüringer Fischer.
 
Thüringer Fisch.
Pößneck: Fischzucht Orlatal | Vor dem Wohnhaus von Frank Radig liegt ein kleines Naturparadies aus: Auf seinem Teich turteln Haubentaucher und eine Entenfamilie kümmert sich um den Nachwuchs. Über allem liegt Stille. Nur aus dem kleinen Holzhaus am Ufer, mit dem Namen „Esmeralda“, dringt ab und an das surren der Pumpen. „An diesem Teich befindet sich einer meiner Arbeitsplätze. Unter der Wasseroberfläche, oft kaum sichtbar, wartet die Arbeit“, erklärt Frank Radig - Herr über Karpfen, Schleie, Zander und Welse - in insgesamt 30 Teichen im Saale-Orla-Kreis und Saale-Holzland-Kreis. Gezüchtet werden hier Speise- und Besatzfische, in der Fischzucht im Orlatal.

Der Beruf „Fischer“ ist in einer von Bergen und Wäldern geprägten Region eher ungewöhnlich. „Mein Vater war ein passionierter Angler, als Kind habe ich sehr viel Zeit am Gewässer verbracht“, sagt Frank Radig, der Meister für Binnenfischerei ist. Die Karpfenzucht ist seine besondere Leidenschaft. „Wir kaufen die Fische im Alter von vier Wochen. Vier Jahre bleiben sie in unseren Teichen. Bis zu drei Kilo bringt ein Karpfen dann auf die Waage, ideal für Pfanne und Tisch. Im Juni zogen wieder neue Karpfen ein.“ Ein Binnenfischer kümmert sich stets darum, dass es den Fischen gut geht.

Dabei setzt Familie Radig auf naturnahe Fischzucht, einzig Weizen wird bei den Karpfen zu gefüttert. Ansonsten stehen Wasserflöhe, Mückenlarven, Schnecken und Würmer auf dem Speisezettel der Karpfen. „Auch Kleinstlebewesen sollen ideale Bedingungen in unseren Teichen vorfinden, die Wasserparameter müssen stimmen. Die Hege der Gewässer gehört zu den wichtigen Aufgaben.“ Dafür gibt es einen genau ausgearbeiteten Wochenplan. „Einlauf und Abfluss werden kontrolliert, Fische begutachtet, Gestrüpp beseitigt und vieles weitere mehr. Wer denkt, die Fische machen alles alleine und ich muss nur zum Abfischen vorbeikommen, der irrt.“ Innerhalb eines Karpfen-Lebens steht öfter ein Umzug auf dem Plan. Von Jahr zu Jahr muss der Besatz im Teich ausgedünnt werden - die Tiere wachsen und benötigen mehr Platz zum Leben.

Jedes Jahr im September beginnt die Abfischsaison. Dann ist Muskelkraft gefragt, wenn die schweren Netze voll mit Fischen durch die Teiche gezogen werden. Denn gegessen werden die Karpfen nur in den Monaten mit „R“. „In den Sommermonaten sind die Fische in der Wachstumsphase, bekommen durch die Algenblüte einen leicht moosigen Geschmack. Bei kälteren Temperaturen lässt man die Karpfen vor der Schlachtung in klarem Wasser schwimmen, um auf den frischen Geschmack zu kommen.

Natürlich kommt auch bei den Radigs von September bis April Karpfen auf den Tisch. „Ich esse am liebsten Karpfen blau, schön mit etwas Gemüse. Aber geräuchert schmeckt er auch sehr gut.“ Das Räuchern übernimmt der Binnenfischer selbst, dafür stehen Räucheröfen bereit. Neben der Verarbeitung kümmert sich Frank Radig auch um die Vermarktung der Fische, ist dafür auf Wochenmärkten unterwegs. „Der Konsum von Karpfen geht leider immer weiter zurück. Die alte Generation stirbt weg und die Jungen wissen zu wenig, wie Karpfen zubereitet wird. Schade eigentlich.“

Aber noch ein Problem macht dem Fischer zu schaffen, die gefiederte Konkurrenz aus der Luft - der Kormoran. Er ernährt sich ausschließlich von Fisch und kann gehörigen Schaden anrichten. Trotz aller Widrigkeiten liebt Familie Radig die Arbeit, die stillen Momente am Teich geben ihnen über alle Sorgen hinweg die Kraft zum weiterzumachen.
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