Sybille Seifert aus Pößneck macht Bücher wieder heil

Sybille Seifert kann Bücher wieder heilen. Sofern sie nicht verschimmelt sind.
 
Ihren Arbeitsplatz umgibt die Buchrestauratorin mit einem Wall aus Plexiglas, damit es nicht so staubt.
Pößneck: ... |

Sybille Seifert ist ein bisschen wie eine Ärztin. Zwar heilt sie keine Menschen, aber schöne Dinge, an denen wir uns erfreuen. Manchen von ihnen bringen wir sogar Ehrfurcht entgegen. Die meisten ihrer Patienten sind alt und sehr verletzlich. Sybille Seifert ist Buchrestauratorin.

Sie arbeitet für private Sammler, Museen, Stadtarchive, historische Bibliotheken. Ihre "Praxis" betreibt sie in einem der ältesten Häuser Pößnecks, mitten in der Stadt.
"Viele Einheimische kennen das fast 500 Jahre alte Lugesche Haus noch als Kolonialwarengeschäft", erzählt Seifert. Wenn Alt- oder ehemalige Pößnecker in der Stadt sind, dann besuchen sie das Geschäft, um Geschichten von früher zu erzählen. Von Luges Gurkenfässern und den Bonbongläsern mit Schraubverschluss auf dem Verkaufstresen, zum Beispiel.
Wo einst die Ladenräume des Kolonialwarenhändlers Georg Luge waren, ist jetzt Sybille Seiferts Werkstatt. Hier kann sie in Ruhe arbeiten. Die Restauratorin liebt Bücher. Den Geruch von Papier. Und dass man aus Büchern so viel lernen kann. "Ob Kinder-, Märchen-, Koch- oder Gesundheitsbuch - für mich ist jedes besonders." E-Books? - "Natürlich nicht!" Und sie denkt nicht daran, diesen Zustand zu ändern. Im Gegenteil: Wer sich von Büchern trennen möchte, solle sie ruhig bei ihr vorbeibringen, bietet sie an. "Ich will Bücher erhalten, so lange es möglich ist." Das ist ein Versprechen.
Wenn sich Sybille Seifert einen ihrer Patienten vornimmt, geht sie dabei sehr sorgfältig vor. Zuerst stellt sie einen Wall aus Plexiglas auf ihren Arbeitstisch, "damit sich der Staub nicht verteilt". Dann legt sie Arbeitsutensilien wie Pinsel und Schwämmchen zurecht. Währenddessen gibt es eine Kurzlektion in Theorie: "Restauriert werden nur sehr alte Bücher. Neue werden repariert, weil meist nur einzelne Seiten betroffen sind."
Ist alles vorbereitet, darf die Patientin - heute eine Bibel aus dem Jahr 1736 aus Privatbesitz - ihr Krankenbett verlassen und erscheint zur "Anamnese" auf dem Arbeitstisch. Sybille Seifert untersucht das Buch auf Vollständigkeit und legt die Behandlungsmethode fest. Anschließend reinigt sie Seite für Seite - je nach Zustand trocken mit Schwämmchen und Pinsel – oder nass im Wasserbad.
Sybille Seifert kann viele Bücher-"Krankheiten" heilen. Schwere Fälle überweist sie an Fachwerkstätten. "Schimmelige Bücher zum Beispiel. Die müssen bestrahlt werden und über diese Technik verfüge ich nicht."
Ist alles gereinigt, nimmt die Restauratorin das Buch auseinander und legt einzelne, unvollständige Buchseiten zum Anfasern in ein entsprechendes Bad. "Dort legen sich Papierfasern an die Fehlstellen und vervollständigen die Papierseite. Fehlende Schrift kann nicht ersetzt werden", erläutert Seifert. Anschließend presst, falzt und bindet sie das Buch neu.
Ganz nebenbei erfährt die Handwerkerin einiges über die Menschen, die zu ihr kommen. Abiturienten bringen ihre Abschlussarbeiten und Vereine lassen Chroniken oder Festschriften von ihr binden.

www.buchrestaurierung-seifert.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
7.108
Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 23.06.2015 | 12:42  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 23.06.2015 | 13:44  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 24.06.2015 | 20:08  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige