Einstellungsmöglichkeiten von Flüchtlingen - Beitrag zur Entspannung des Fachkräftemangels?

Sylvia Matthes von der Agentur für Arbeit in Pößneck ist Ansprechpartnerin für Initiativen in Richtung „Beschäftigung von Flüchtlingen“. (Foto: BVMW)
 
MdL Christian Herrgott gab einen Überblick über die grundsätzliche Gesetzeslage. (Foto: BVMW)
Triptis: Fliegl Fahrzeugtechnik |

Eine Veranstaltung des BVMW (Bundesverband mittelständische Wirtschaft) am 2. Februar in der Firma Fliegl in Triptis über Einstellungsmöglichkeiten von Flüchtlingen fand reges Interesse. Über 40 Unternehmer der Region waren gekommen, um aus berufenem Munde Informationen zur momentanen Situation zu erhalten.

Gastgeber Helmut Fliegl, Fliegl Fahrzeugtechnik, stellte sein Unternehmen vor, das bei der Herstellung von Trailern in Triptis auch zahlreiche europäische Ausländer beschäftigt, die sich durchaus auch mit unvollständigen Deutschkenntnissen untereinander gut verständigen können. „Die Sprache lässt sich am Besten im täglichen Umgang erlernen und die Menschen sollten durchaus etwas für die Gesellschaft beitragen“, so seine Meinung.

Kerstin Kramer, Leiterin des BVMW-Kreisverbandes Greiz und Saale-Orla zitierte aus der bundesweiten Unternehmerumfrage des BVMW im Oktober 2015, wo über 3000 Unternehmer zum Thema „Flüchtlinge am Arbeitsmarkt“ befragt wurden. Sie persönlich sieht die Notwendigkeit der Beschäftigung der ankommenden Menschen, z.B. mit Sprachkursen, Praktika oder gesellschaftlicher Weiterbildung auch vor dem Hintergrund, dass sich in den monatelangen Wartezeiten in den Unterkünften nicht unnötig sozialer Zündstoff entwickelt.

Christian Herrgott (CDU) , Mitglied des Thüringer Landtags, Sprecher für Integration und Migration, u.a. Mitglied im Ausschuss für Migration, Justiz und Verbraucherschutz, gab einen Überblick über die grundsätzliche Gesetzeslage und die Asylpakete 1 und 2. Das Thema „Schutzstatus“ und „Zuwanderung“ dürfe nicht vermischt werden. Erst bei geklärtem anerkannten Schutzstatus der Menschen und Beantwortung der Frage, ob sie nach Ende der Residenzpflicht überhaupt in der Region verbleiben wollen, könne über eine gezielte Integration nachgedacht werden.

Carsten Rebenack von der Agentur für Arbeit legte dar, dass die Agentur Altenburg-Gera inzwischen drei neue Mitarbeiter, einen Afghanen und zwei Syrer eingestellt habe, um mit den Geflüchteten Fragebögen zur beruflichen Qualifikation zu erarbeiten. Er teilte mit, dass die Menschen zwar meist motiviert sind, aber nur wenige über einen Fach- oder Hochschulabschluss verfügen. Erste Versuche für Praktika zur Vorbereitung auf eine Berufsausbildung finden statt. Im Saale-Orla-Kreis sind auch schon 15 Sprachkurse und vier Alphabetisierungskurse im Gange.

230 Asylbewerber in 13 Gruppen, darunter über 30 Kinder, betreut die AWT in Greiz mit Deutschkursen. Bernd Voigtmann, Geschäftsführer des gestandenen Bildungsunternehmens, das ansonsten auch die Aus -und Weiterbildung in vielen verschiedenen Fachbereichen durchführt, berichtete von seinen Erfahrungen. Bis zum Ende der Lehrgänge im April sollten Anschlussmaßahmen gefunden werden. Bisher konnten noch nicht einmal Praktika vermittelt werden.

Michael Rohr von MEFRO Räderwerk Ronneburg und Peter Schmuhl, Schmuhl Faserverbundtechnik, sehen durchaus Möglichkeiten, Flüchtlinge als angelernte Arbeitskräfte einzustellen. Der Bedarf dafür ist da und wenn bei entsprechender Motivation auch die Leistung gebracht wird, ist die Bezahlung des Mindestlohnes sekundär. „Allerdings muss die Wirtschaftlichkeit schon im Mittelpunkt der Betrachtung stehen“, äußerte Uwe Oldenburg, „denn ansonsten könne er sein Unternehmen nicht führen.“ Michael Rohr betonte:“ Erfahrungen bei der Integration liegen bei uns vor. Im Stammwerk sind 51 Nationalitäten beschäftigt. Die rechtlichen Rahmenbedingen muss allerdings die Politik schaffen“.

Die diesbezügliche Ungeduld und die Unzufriedenheit mit dem politischen Gezänk um Lösungen war den Unternehmern anzumerken.

Pierre Gehrmann von 281 Chancen plädierte dafür, die Menschen nicht pauschal als „Asylanten“ abzustempeln. Aus seinen langjährigen Erfahrungen im Ehrenamt im Umgang mit geflüchteten Menschen heraus, sieht es als große Chance, geflüchtete Menschen in der Region anzusiedeln und ihnen Perspektiven zu geben. Die bürokratischen Hürden sind jedoch hoch. Wenn die Bleibeperspektiven nicht klar sind, ist es auch schwierig, nachhaltig zu agieren.

Als Ansprechpartner für Initiativen in Richtung „Beschäftigung von Flüchtlingen“ stehen Sylvia Matthes von der Agentur für Arbeit in Pößneck und Timo Kindler vom Jobcenter zur Verfügung.

Die Titelfrage muss wohl zunächst klar mit „nein“ beantwortet werden, zumindest für die aktuelle Generation. Dennoch gibt es Bedarf hinsichtlich der Beschäftigung motivierter Asylsuchender im Mittelstand der Region. Der BVMW-Kreisverband wird an der Thematik dranbleiben und für Ende des Jahres das Thema in einer Veranstaltung nochmals aufrufen.
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2 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 05.02.2016 | 09:53  
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Irina Baumann aus Hermsdorf | 04.11.2016 | 10:04  
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