Die Jungs von der letzten Bank

Fahrlehrer Klaus Kandler (r. hinten) und Busfahrerin Sandra Winkel (stehend) sprechen mit Erstklässlern der Pößnecker Grundschule "Am Rosenhügel" über richtiges und falsches Verhalten am und im Schulbus.
 
„Nehmt den Ranzen immer vor Euch auf die Knie, er ist im Notfall Euer Airbag, der Euch schützt“, rät Sandra Winkel.
„Wie kommt Ihr denn morgens so zur Schule?“, fragt Klaus Kandler und ein Wald kleiner Arme hebt sich vor ihm in einem Klassenraum der Grundschule „Am Rosenhügel“ in Pößneck. Sein Publikum sind 22 Erstklässler des Schuljahrganges 2012/2013. „Mit meinen Eltern mit dem Auto!“ lautet eine der häufigsten Antworten, aber auch der Weg zu Fuß scheint noch nicht ganz verpönt bei den Kindern. Wer von außerhalb kommt, ist oft auf den Schulbus angewiesen. Und genau um den geht es bei dieser Veranstaltung.

Doch Klaus Kandler bohrt erst einmal weiter. „Wo sitzt Ihr den bei Eueren Eltern im Auto?“, will er wissen. „Bei meinem Papa darf ich immer vorne sitzen!“, verrät ein aufgeweckter Junge. „Und bei der Mutti?“ Etwas gedämpft kommt zurück: „Immer nur hinten …“

Kandler kennt diese Reaktionen. Seit Anfang April 2013 moderiert der Fahrlehrer ehrenamtlich zusammen mit Busfahrerin Sandra Winkel von der OVS GmbH, Betriebshof Pößneck, Veranstaltungen im Rahmen der Aktionsreihe „Sicher am und im Schulbus“ der Verkehrswacht Orlatal, Sitz Pößneck, an Grundschulen des Betreuungsbereiches des Vereins. Diese Aktion der Verkehrswacht ist nicht neu, sie findet bereits seit mehreren Jahren statt und wird von den Schulen gern angenommen. Der Unterricht am 24. April 2013 war der vierte seiner Art in diesem Jahr.

Nach dem lockeren Einstieg geht es dann darum, wie man den Weg zur Schule richtig und sicher meistert. In den großen Gruppen der Kitas Erlerntes wird als bekannt vorausgesetzt, Aspekte wie Fußgängerüberweg, Ampel, Kindersitz und Anschnallen nur noch einmal kurz gestreift. Im Mittelpunkt steht der Schulbus. Sandra Winkel, seit vierzehn Jahren Busfahrerin, davon insgesamt sieben im öffentlichen Personen-Nahverkehr tätig, fährt auch Schüler. Ihre Erfahrungen dabei sind recht verschieden, wird im Laufe der nächsten eineinhalb Stunden deutlich. „Die Jungen können nicht schnell genug auf die letzte Bank kommen, das Spiel kenne ich“, sagt sie, als es um das geordnete Einsteigen und die Platzbelegung im Bus geht. Zum Schluss wird Sandra Winkel feststellen: „Ich habe heute fast nicht bemerkt, dass ich Kinder im Bus habe, so ruhig und diszipliniert wart Ihr.“ Auch ein Kompliment an Lehrerin Anja Oelschlägel, welche den Unterricht mit einer Praktikantin begleitet.

Im Klassenraum geht es vor allem darum, wie man sich an der Haltestelle verhält, welche Gefahren dort lauern, wie man in den Bus einsteigen und sich darin benehmen sollte. Essen und Trinken während der Fahrt sind out, ebenso das Herumlaufen und die Blockierung des Mittelgangs mit Taschen oder Rucksäcken. „Nehmt den Ranzen immer vor Euch auf die Knie, er ist im Notfall Euer Airbag, der Euch schützt“, rät Sandra Winkel. Die Kinder schauen sich projizierte bunte Zeichnungen an und suchen gemeinsam nach Fehlverhalten am oder im Bus, z. B. dem Fallenlassen leerer Flaschen und Keksverpackungen oder dem Stehen auf den Sitzen.

In der Bushaltestelle unterhalb der Schule in der Karl-Marx-Straße beginnt der praktische Teil. Die Fahrt geht zum Betriebshof der OVS GmbH im Gewerbegebiet Pößneck-Ost. Hier erläutert Sandra Winkel, wie man nach einem Unfall aus dem Bus gelangen kann: durch das Einschlagen und Heraustreten gekennzeichneter Fenster, durch Notöffnung der Türen oder durch das Heraustreten der Dachluken. Dann dürfen die Kinder den „toten Winkel“ der Seitenspiegel des Busses testen. Er kann bis zu 33° betragen. Zur Veranschaulichung wird eine keilförmige Folie mit den entsprechenden Maßen seitlich am Bus ausgelegt und die ganze Klasse samt Lehrerin stellt sich darauf. Dann setzen sich ein paar Freiwillige nacheinander auf den Fahrerplatz und sind überrascht: Ihre Klassenkameraden sind verschwunden, zumindest aus dem Sichtbereich des Busfahrers. Das Gleiche geschieht mit Kindern, die unmittelbar vor dem Frontbereich des Fahrzeuges Aufstellung nehmen. Der Fahrer hat im Alltag kaum eine Chance, Personen, die direkt vor dem Bus auf die Straße treten, zu erkennen.

Auf der Rückfahrt zur Schule erleben die Kinder zwei absichtliche Vollbremsungen bei einer Geschwindigkeit von etwa 20 km/h, nur die erste wird vorher angekündigt. Nicht nur das Mädchen und der Junge, die sich dabei in den Gang stellen und festhalten dürfen, werden ordentlich durchgeschüttelt. „Unsere Busse rollen auch im Stadtverkehr im Schnitt mit 50 km/h“, weiß Sandra Winkel. Das praktische Beispiel spricht für sich und lässt die möglichen Folgen einer Vollbremsung im Alltag deutlich werden.

Bis Mitte Juni 2013 hat die Verkehrswacht Orlatal, Sitz Pößneck, in enger Kooperation mit der OVS GmbH und den jeweiligen Grundschulen insgesamt 17 dieser Veranstaltungen geplant.
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