Alexander von Humboldt war vor 220 Jahren in der Morassina

98739 Schmiedefeld: Schaubergwerk Morassina | Vor 220 Jahren, am 11. Juli 1792 befuhr Freiherr Alexander von Humboldt das Vitriolwerk Morassina im Schwefelloch bei Schmiedefeld.

Als es im Jahr 1993 galt, Bezeichnungen für die Hohlräume entlang des Führungsweges im Schaubergwerk festzulegen, war naheliegend den 1791 gefallenen „Großen Verbruch auf der oberen Sohle“ als den Alexander- Freiherr- von Humboldt- Verbruch zu bezeichnen. Dieses Ereignis war seiner Zeit der Anlass zur Befahrung des jungen Humboldts im Jahre 1792. Um jene Zeit waren die fränkischen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth an Preußen gefallen. Im Alter von gerade mal 23 Jahren wurde er am 29. Februar 1792 ohne jegliche Prüfung zum preußischen Bergassessor ernannt und der Berg- und Hüttenadministration zugeteilt. In dieser Funktion trat er schließlich seinen ehrenvollen Auftrag an, die natürliche Beschaffenheit beider Marktgrafentümer geognostisch und bergmännisch zu untersuchen. Mit einer offenen Order an die Bergwerks-, Hütten- und Hammerbesitzer ausgestattet, die ihm zu ungehinderten Eintritt in die einzelnen Betriebe berechtigte und auch Zugang zu Haushaltsplänen und Geschäftsbüchern ermöglichte, trat er seine Reise am 26. Juni 1792 in Berlin an, die mit dem letzten Inspektionsziel der ersten Etappe von Gräfenthal nach dem Schwefelloch bei Schmiedefeld am Abend des 11. Juli 1792 endete. Noch am gleichen Abend schreibt er mehrere Briefe und den bis ins Detail beschriebenen Befahrungsbericht über das Vitriolwerk am Schwefelloch bei Gräfenthal, den Kammerrad Frege in Leipzig zugehörig. Dieser Frege ist seit 1752 Besitzer. Durch kluge Wirtschafts- und Finanzpolitik erlangte er schnell das Monopol über alle in Thüringen und Franken produzierende Vitriolbetriebe. In Zeiten Humboldts galt das Kauf- und Handelshaus Frege zu den Initiatoren der sächsischen Sozietät, die durch Umsetzung einer umfassenden wirtschaftlichen Konzeptes die Herausbildung einer progressiven Staatsreform anstrebte. Zu vielen Persönlichkeiten dieser Zeit pflegten die Frege enge Kontakte. So zu den Reformern Stein und Hardenberg, zu den Humboldts, zu Schiller, Goethe, zum gesamten Weimarer Kulturkreis und dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. Dieser erließ 1756 den Kartoffelbefehl für Preußen und Brandenburg. Naheliegend ist, dass auf Grund des Nichtbeachtens des Fruchtfolgewechsels die Erträge beachtlich rückläufig wurden. Man befürchtete Hungersnöte und wenn es Preußen und Brandenburg ebenso handhabte wie in Thüringen getan, so dürfte auch dort die Kartoffelkrankheit mit Alaun und Vitriol bekämpft worden sein. Zahlreiche Korrespondenzen gingen hin und her, um die Steigerung der Alaun-und Vitriolproduktion zur Eindämmung der Kartoffelkrankheit voranzutreiben. Wie den Versandberichten zu entnehmen ist, wurden besonders große Mengen in den Jahren zwischen 1781-1802 nach Preußen geliefert. Offenbar kam es auch zu Zahlungsrückständen so dass sich Frege bemäßigt fühlte eine Mahnung direkt an den König zu schreiben:
…... es ist eine Ehre für das Haus solch privilegierte Kundschaft zu haben, jedoch höflichst in Erinnerung zu bringen das kaufmännisch Geschick auch kaufmännisch Ordnung setze und bitte höchst vertraulich und Willigkeit die Angelegenheit Ad Akta zu bringen. …
1791 ging ein Teil des Hohlraumsystems zu Bruch. Sollte das der Hauptgrund gewesen sein um Humboldt ins Schwefelloch zu beordern, wo es doch zu bedenken galt, dass an seiner Route sich zwei andere Vitriolwerke befanden, die von der Technologie her ähnlich produzierten wie im Schwefelloch?

Was hat nun Humboldt direkt ausgelöst und bewirkt? Jedenfalls sind in Zeitnähe seines Hier seins gravierende Veränderungen beim Betrieb und im Umfeld der Grube eingetreten, die man gestützt auf die Inhalte seines Befahrungsberichtes seinen Anregungen und Hinweisen zu rechnen kann. So z.B.:
• Einführung des Kammerabbauverfahrens mit höherer Grubensicherheit, Zahl der tödlich verunglückten Bergleute bisher 16, nach 1792 -1868 auf Null reduziert,
• langfristig sichere Höhlräume und einen enorm geringeren Holzverbrauch.
• Einbringen von Trockenpfeilern und Trockenmauerungen in Bereichen zu großer Spannweite
• Errichtung eines Klärteiches im Abflussbereich der Laugenbühnen
• Schon vorhandene Hohlräume wurden mit auszulaugendem Gestein verfüllt. Das ersparte Transportaufwand und diente der Standsicherheit
• Häufiger Wechsel der untertägigen Abbauorte – Verbesserung der Qualität der Endprodukte
• In den Visitationsunterlagen der zum Amt Gräfenthal gehörenden Vitriolwerke ist 1792 vermerkt: „ Auf Geheiß der Herrschaft lernen die Kinder beiderlei Geschlechts mit dem Einzug des Winters lesen und Schreiben, rechnen und den Umgang mit den zehn christlichen Geboten.
Hin und wieder kommen aus berufenen Kreisen Zweifel am offiziellen Interesse der Auftraggeber Humboldts an seiner Befahrung auf. Für uns steht die Frage, warum sollte ein frisch ernannter Beamter seinen ihm vorgegebenen Reiseweg in eigenen Interesse verlassen?

Aus diesem Anlass ist es mehr als angebracht an das Lebenswerk des unermüdlichen Naturforschers zu gedenken und hier besonders auf die zeitnahen Ereignisse und Auswirkungen beim weiteren betreiben des Vitriolwerkes sowie im Ort Schmiedefeld zu erinnern. Unumstritten dürfte jedoch sein, dass wir die Entwicklung unserer Region- hier herrschten noch Ende des 18.Jahrhunderts mittelalterliche Zustände- nicht zuletzt auch seinem unermüdlichen Wissensdrang und seinem unübertroffenen Interesse am Bergbau zu verdanken haben.
Jeden zweiten Samstag im Monat finden Themenführungen hier in der Morassina statt, die an das Hier sein von Alexander von Humboldt erinnern.
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