Auf Schloss Heidecksburg, der Residenz der Schwarzburg-Rudolstädter Fürsten, wurde das 5. Barockfest 2012 gefeiert

 
Der Vorraum zum Großen Festsaal im Schloss Heidecksburg
 
Blick in den vorbereiteten großen Festsaal von Scholss Heidecksburg
Am Samstag den 15. September war es, wie seit nunmehr 5 Jahren wieder soweit und das Residenzschloss Heidecksburg öffnete seine Tore, fürstliche Gemächer und den großen Festsaal zum 5. Barockfest einschließlich einer fürstlichen Audienz beim Landesherren des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt, Fürst Friedrich Anton von Schwarzburg nebst Gattin Christine Sophie von Ostfriesland.

Wer sich zufällig am Samstagnachmittag auf dem Schlossgelände bewegt, fühlte sich spontan um gut 250 Jahre zurückversetzt.
Von weiten hörte man schon barocke Musik aus dem Festsaal erschallen und immer wieder brachten die modernen Motorkutschen Menschen beiderlei Geschlechts in fantastischen historischen Kostümen hinauf auf den Schlossberg.

Am Ende wurden laut der peinlichst geführten Listen des Geheimen Rates und Kanzler von Fürst Friedrich Anton, Georg Ulrich von Beulwitz weit über 200 Gäste gezählt und somit waren auch alle Stühle im großen Festsaal bis auf den letzten Platz besetzt.

Im Schlosshof waren festlich eingedeckte Stühle und Tische gerichtet, wo die aus fast allen „teutschen Landen“ angereisten Gräfinnen, Grafen, Herzoginnen, Herzöge, Hofdamen, Militär und angesehene Bürgerinnen und Bürger nach dem Flanieren im Schlosshof und auf den Terrassen Platz nehmen konnten, um bis zur Audienzstunde des Fürsten im großen Festsaal miteinander zu konversieren und sich an einem Trunk, den die Hofkellerei bereit hielt, zu erfrischen.

Zwei Gaukler aus dem Sächsischen, als riesige Zofe und Kammerdiener kostümiert, unterhielten die Gäste mit allerlei Kurzweil, angefangen mit der Jonglage von Keulen, bis zum späteren Spiel mit dem Feuer.

Nachdem der Hofmarschall Rudolf von Schwatzburg gemeinsam mit dem Direktor des Landesmuseums Heidecksburg, Chevalier Dr. Lutz Unbehaun das Fest Schlag 17 Uhr mit einem prickelnden Getränk aus den Flaschen der Schlosskellerei eröffnet hatte, wurden die Gäste, vom Hofmarschall in den Festsaal geführt, wo kurz danach auch Fürst Friedrich Anton in Begleitung seiner Gattin Christine Sophie, zur mit Spannung erwarteten Audienz erschien.

So sprach beispielsweise neben vielen anderen hohen Herrschaften auch Herzogin Anna Amalia aus Weimar, sowie Tanzmeisterin Jutta Voß aus dem Brandenburgischen mit ihrem Eleven, den Tänzer und Tenor Nils Badenhop vor, was auch gleich wieder den Kunstverstand und die musischen Fähigkeiten seiner Durchlaucht dem Fürsten, aufs Trefflichste bewiesen.
Adelte der Fürst doch die Harfe des Tenors, indem er dem Instrument eine schöne Tonfolge entlockte und versprach er auch Anna Amalia, mit Ihr ein Gedichtbändchen zu füllen.

Er wurde aber auch wie gewohnt und erwartet mit Dankesnoten und Präsenten der anderen Audienzsuchenden überhäuft, natürlich sprachen auch Bittsteller vor und am Ende gab es sogar noch einen ausgemachten Affront.

Der Anwalt der Rudolstädter Bürger und Stände, der Wittenberger Anwalt und Advokatus Johann Georg Bulisius brachte kein Gastgeschenk, sondern eine Unterschriftensammlung gegen die neuerliche Anhebung der Steuerlasten mit, die er den Fürst übergeben wollte.
Er kündigte den Regenten auch an, sich damit an den Wiener Reichshofrat zu wenden.

Der Fürst ließ ihn hoch erregt aus den Saal werfen, beruhigte sich aber gleich wieder, da er ja noch die ehrenvolle Aufgabe hatte, einen verdienstvollen Bürger in den Rang eines Chevaliers zu erheben.
Und so wurde der Rudolstädter Unternehmer Klaus Bauer zum „Chevalier da la noble do chàteau Heidecksburg“ in Anwesenheit aller Audienzgäste geschlagen.

Danach bat seine Durchlaucht zum fürstlichen Buffet.

Die Odeuvre waren in der Eingangshalle des Westflügels der Heidecksburg durch die fleißigen Bediensteten der Küchenmeisterin aufgebaut.
Auf dem Hof stand neben dem Pagodenzelt des Kellermeisters auch das der Küchenmeisterin, wo es aus allen Töpfen und Pfannen verführerisch duftete.
Sämtliche Speisen die gereicht wurden, wurden von allen Gästen des Festes wie auch dem fürstlichen Paar aufs Höchste gelobpreist.

Fürst Friedrich Anton sprach sogar von seinen „Rudolstädter Vatel“ , den er mit allen Mitteln an seinem Hofe zu halten versuchen wird.

„Vatel“ 1631 bis 1671, war der Haushofmeister und Koch des Prinzen von Condè im Französischen und einer der bedeutendsten Küchenmeister seiner Zeit.
Er war als Küchenmeister aber nicht nur die Zubereitung des Essens zuständig, sondern auch für dessen Präsentation und Darbietung.
So kochte er auch für ein großes Fest zu Ehren des französischen Königs Ludwig XIV für mehr als 3000 Gäste im Jahre 1671.

Die Krönung des Schmauses war zur späteren Stunde das Dessert mit dem „Fürstlichen Baumkuchen“, der erstmalig den Gästen serviert wurde.
Im Festsaal erwartete die Gäste die Hofmusikanten „Le Fantare“, die Musikanten von „Buon Tempo“ sowie die Tanzmeisterin und ihr Eleve, um zu konzertieren und die Aufführung „Mit Pauken und Trompeten“ zu präsentieren.

Ach dem Dessert wurde zum Großen Hofball gerufen, wo man unter Anleitung der Tanzmeisterin und der musikalischen Unterstützung von „Buon Tempo“ die vielen Kalorien des Mahles bei Tänzen des 17. Und 18. Jahrhunderts wieder loswerden konnte.



Wer aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht in der Lage war zu tanzen, konnte in aller Ruhe in der Porzellangalerie, bei italienischen Liebesliedern mit Niels Badenhop und seiner Harfe entspannen.

Während des gesamten Festes hatten die Gäste auch die Möglichkeit vom höfischen Scherenschnittmeister Stier aus der Freien Hansestadt Hamburg Portraits aus Papier schneiden zu lassen.

Das große festliche Finale des 5. Barockfestes gab es in Form eines Schloss-Feuerwerks unter der Luntenführung des kurzfristig eingesprungenen Hofsprengmeisteranwärters Fröhlich, da Hofsprengmeister Hühn sich bei den Vorbereitungen dieses illustren Spektakels verletzte und somit das Krankenlager hegen musste. Die durchlauchteste Fürstenfamilie sowie alle Gäste wünschen eine baldige Genesung.

Kurze Zeit später, die Nacht war schon lange hereingebrochen, fuhren dann die modernen Motorkutschen die gutgelaunten Gäste über die Schlossstraße oder die Kutscherwiese hinunter in die Stadt und die umgebenden Orte, wo sie eine angenehme Schlafstatt fanden.

Das Fürstliche Paar, wie auch die Gäste, so der eindeutige Tenor, freuen sich schon auf das nächste Barockfest auf der Heidecksburg, im September 2013.

Ein besonders Dankeschön nochmals allen Eventverantwortlichen und ausführenden Kräften, die dieses Fest wieder zu einem unvergesslichen Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Jahres 2012 gemacht haben und somit der Heidecksburg, der Stadt Rudolstadt und der gesamten Region einen großen Dienst erwiesen.
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Hannelore Grünler aus Artern | 18.09.2012 | 02:39  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 18.09.2012 | 07:04  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 17.10.2012 | 10:35  
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