Besuch beim Reformator: Der Rudolstädter Autor Jörg F. Nowack erklärt Kindern Luther

 
Lektor und Buchautor Jörg F. Nowack auf der Terrasse seiner Rudolstädter Wohnung.
Rudolstadt: ... |

Lilly und Nikolas sind super aufgeregt: Sie haben in der Schulaufführung "500 Jahre Reformation" die Hauptrollen ergattert. Doch was genau ist das eigentlich? Und wer war dieser Martin Luther, der mit seinen Zetteln dermaßen für Wirbel sorgte?

Unzählige Abhandlungen sind zum Reformationsjubiläum erschienen, mit denen man aber Grundschüler kaum vom Hocker reißt. Für Kinder muss man anders schreiben. Der Rudolstädter Autor Jörg F. Nowack traut sich, Luther kindgerecht zu offerieren, und offenbar so gut, dass der Verein für Leseförderung Baden-Württemberg das Buch für den Jugend-Sachbuchpreis nominierte. AA-Autorin Jana Scheiding hat den Autor und Lektor Nowack in seiner "Schreibwerkstatt" besucht.


Wie stehen Sie persönlich zu Luther?
Ich hörte in meinem Leben schon recht bald von ihm. Er wurde 30 Kilometer von meiner Heimat Nebra geboren und mein Geschichtslehrer ließ kaum eine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen.

Wer kam auf die Idee, Kindern die Reformation zu erklären?
Die Idee entstand im Verlag und es traf ein, was wir vorhergesehen haben: Das Buch lesen mehr Erwachsene als Kinder. Erst kürzlich beglückwünschte mich ein kirchlicher Würdenträger und erzählte mir, dass er etwas Neues gelernt habe. Das ist für mich ein sehr schönes Kompliment.

Wie haben Sie sich auf das Buch vorbereitet?
Gemeinsam mit meinen Enkelsöhnen besuchte ich die Lutherstätten: Mansfeld, Eisleben, Wittenberg, Erfurt, Eisenach. Im Buch tun das meine Protagonisten Nikolas und Lilly mit ihren Eltern. Sie erleben spannende Abenteuer und erfahren viel über Luther und die Reformation. Außerdem habe ich natürlich viel über Luther und die Lutherstätten gelesen.

Wie muss man für Kinder schreiben?
Leicht, aber nicht einfach. Auch Kinderbücher haben ein hohes Niveau verdient. Zu viele Fachtermini sollte man vermeiden, andererseits muss man Kindern etwas zutrauen. Man muss nicht jedes fremde Wort erklären. Wenn Kinder etwas nicht verstehen, fragen sie. Wichtig ist, die Spannung zu halten. Die Szene mit dem Tintenfass auf der Wartburg habe ich versucht, so zu beschreiben, dass der Leser fühlt, was Luther eventuell fühlte.

Was ist der Buchkönig-Kinderbuchpreis?
Der Buchkönig ist ein ideeller Kinderbuchpreis für außergewöhnliche Bücher aus Klein- und Kleinstverlagen. Drei Bloggerinnen zeichnen damit Bilderbücher und Kinderbücher aus, die im Trubel der Großbuchhandlungen, im Rauschen des Blätterwaldes und im Knistern der Webseiten ein wenig untergehen, und möchten den Büchern damit zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen.

Der Verein für Leseförderung hat Ihr Buch für den Jugend-Sachbuchpreis nominiert. Haben Sie sich dafür beworben?
Nein, der Verein wandte sich an meinen Verlag und forderte das Buch an. Wenn wir den Preis bekommen, wäre das für den Verlag und mich die bislang höchste Auszeichnung. Ich bin sehr gespannt. Allerdings empfinde ich es schon als eine Ehre, dass unser Buch auch auf der Wartburg verkauft wird.

Seit wann schreiben Sie?
Seit meiner Jugend. Auslöser war eine Buchrezension, die ich für eine Zeitung geschrieben hatte. Der Redakteur las sich meinen Entwurf im Buchladen meiner Tante durch und meinte anerkennend: "Du schreibst ja druckreif". Seitdem schreibe ich selbstbewusster. Die Lehrer in der Schule konnten mir dieses Gefühl leider nicht vermitteln. Ich habe auch immer sehr viel gelesen, sogar Klassiker wie Charles Dickens oder Thomas Mann. Mittels historischer Literatur reiste ich in andere Epochen und erweiterte so meinen Horizont. Viele gute Autoren sind über das Lesen zum Schreiben gekommen.

Welches Buch hat Sie stark beeindruckt?
"Die Blechtrommel" von Günter Grass. Allerdings kann ich es bis heute nicht zu Ende lesen. Sehen Sie, das Lesezeichen steckt immer noch in der Mitte. Grass hat den Geruch des Pferdekopfes so beschrieben, dass mir beim Lesen schlecht wird. Das ist geniale Literatur.

Sie sind Autor und Lektor - ergänzt sich das?
Es ergänzt sich, ist aber trotzdem vollkommen unterschiedlich. Bei den eigenen Entwürfen ist man nicht so zimperlich. Als Lektor hat man es mit einem fremden Buch zu tun. Es ist das Baby eines anderen, das die Welt entdecken soll. Damit muss man sehr behutsam umgehen.


Zur Sache:
"Der neugierige Junge, der die Welt erschütterte - Lilly und Nikolas auf Luthers Spuren" erschien anlässlich des 500. Reformationsjubiläums im Verlag Biber & Butzemann.
Es ist zum Preis von 14.50 Euro im Buchhandel erhältlich.
Das Buch ist Träger des Buchkönig-Kinderbuchpreises und für den Jugend-Sachbuchpreis nominiert.
Anfragen für Lesungen an den Autor.
Kontakt: jfn-derautor@gmx.de
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Petra Seidel aus Weimar | 11.08.2017 | 09:24  
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