Das Staatseigentum und seine zwielichtige Verhökerung

Mit "Die hellen Haufen" greift das Theater Rudolstadt ein brisantes Wirtschaftsthema auf. (Foto: Lüdde)
Rudolstadt: Theater | Das Staatseigentum und seine zwielichtige Verhökerung

Intendant Steffen Mensching inszeniert ein brisantes Wirtschaftsthema als Bühnenfassung

RUDOLSTADT. Eine Kooperation bedeutet die Bündelung von Ressourcen. Die Kooperation der Thüringer Symphoniker, des Rudolstädter Schauspielensembles und des Seniorenclubs »Die Entfalter« präsentiert sich jetzt zu einem politisch brisanten Gesellschaftsthema.
In Zeiten der Krisen und Staatsbankrotte schwindet das Vertrauen in die Politik. Nur derzeit? Ein Blick zurück in die jüngste deutsche Geschichte ruft die zwielichtigen Aktivitäten der Treuhand-Anstalt in Erinnerung. Tausende Betriebe wurden geschlossen, Millionen Arbeitsplätze vernichtet und Existenzen zerstört – in Ostdeutschland immer noch ein Thema, das starke Emotionen auslöst.
Die Inszenierung von Volker Brauns Erzählung »Die hellen Haufen« legt den Finger in diese akteuelle Wunde. Intendant Steffen Mensching entwickelte aus Brauns Prosatext eine besondere Theaterfassung.
Die Handlung lässt sich nur schwer auf den Punkt bringen: Die Geschichte der Treuhand ist zwiespältig, neben seriösen Investitionen gab es nicht wenige Fälle von Betrug und Bereicherung. Fakt ist, die Privatisierung der volkseigenen Betriebe Anfang der Neunziger hatte schwerwiegende Folgen. Kurz nach der Wiedervereinigung wurde auch die Salzindustrie im nordwestthüringischen Eichsfeld durch die Treuhandbehörde abgewickelt, obwohl dies ökonomisch keinen Sinn machte: »Das Salz, das sie aus der Erde holten, war so seltenrein, dass keiner im Osten und Westen konkurrieren konnte«. Sozialpläne wurden verteilt, Betriebe restituiert, mit Fördergeldern aufgeblasen oder kurzerhand geschlossen. Die Kumpels in Bischofferode muckten kurz auf, begannen einen Hungerstreik, marschierten nach Berlin, um sich dann in ihr Schicksal zu fügen: Vorruhestand, Umschulung, Arbeitslosigkeit. Zwanzig Jahre später probt der Dramatiker Volker Braun den Aufstand, indem er die historische Fiktion wagt. Was wäre gewesen, wenn? Wie hätte die Geschichte anders verlaufen können?
Und etwas Besonderes birgt diese Inszenierung noch. Mit Verena Blankenburg, Horst Damm und Hans Burkia stehen drei Schauspieler mit ostdeutscher Biografie drei Kollegen mit westdeutscher Herkunft gegenüber: Markus Seidensticker, Laura Göttner und David Engelmann. Geplante Absicht oder purer Zufall darf man da fragen…

HINWEIS:
Aufführungen am 17. und 26. Februar um 15.00 Uhr sowie am 29. März und 13. April um 19.30 Uhr im Theater Rudolstadt.
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