Der Thüringer Mord-Pitaval - So grausam war die Realität nun einmal

Archivar Frank Esche – hier in den Tiefen des Thüringer Staatsarchives Rudolstadt - hat in den Thüringer Archiven nach alten Kriminalfallakten recherchiert. Herausgekommen ist das Sachbuch „Thüringer Mord-Pitaval“, in dem Gräueltaten aus drei Jahrhunderten aufgearbeitet wurden. Foto: Andreas Abendroth

Mord – Beweisaufnahme – Hinrichtung


Von Andreas Abendroth

Gemeinsam mit Archivar Frank Esche steige ich hinab in die Tiefen des Thüringer Staatsarchives in Rudolstadt. „Hier, in den Gewölben tief unter der Heidecksburg, sowie in den Archiven der weiteren fünf Thüringer Staatsarchive liegen die Akten, die in mein Buch eingeflossen sind“, betont der in Jena geborene Diplomarchivar.

Ich stehe vor riesigen Regalen. Voll mit uralten Büchern und Schriften. Vom Boden bis zur Decke. Zielgerichtet greift Frank Esche nach einem gut verschnürten Bündel an Blättern. Akten – Gerichtsakten. Die „Schönfärbermorde in Rudolstadt“. Es geht um den Doppelmörder Johann Georg Ziermann, der am 29. Mai 1767 unter den Augen und Jubel von über tausend Frauen, Männer und Kindern auf dem Rudolstädter Marktplatz hingerichtet wird. „Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in der kleinen Residenzstadt Rudolstadt“, erläutert Esche. Und, es ist der erste Mordfall im druckfrischen Buch „Thüringer Mord-Pitaval“.

„Bei Recherchearbeiten, so Esche, bin ich immer wieder mal auf alte Kriminalakten gestoßen. Aus der Neugier wurde die Idee, diese auszuwerten und zu veröffentlichen. Meines Wissens das erste Sachbuch in Thüringen mit diesem besonderen Stoff.“ Das Besondere an den fünfzehn Geschichten, sie sind nicht erfunden. Und die Gerichtsakten sind zumeist sehr umfassend. Es wird nicht nur der Mordfall geschildert. Es gibt Hinweise, Belege zu den Lebensumständen der Delinquenten. Die Brutalität der Taten wurde durch die Schreiber in Worte gefasst. Sehr genau werden auch die schwierigen Herausforderungen der Ermittler, die Rechtsfindung und in allen ausführlichen Details die Vollstreckung geschildert.

Beim Lesen der Zeilen: „…mit einer glühenden Zange am Oberarm gerissen. Danach beförderte der Scharfrichter den Verurteilten vom Leben in den Tod, indem er mit dem Rad das Genick des Verurteilten zerschmetterte…“, läuft mir ein kalter Schauer den Rücken herunter.

Die dokumentierten Kriminalfälle zeigen viele menschliche Abgründe auf. Schwerstverbrechen, darunter acht Doppel- und Mehrfachmorde, aus den gesamten Thüringer Raum. Sie stammen beispielsweise aus Apolda, Gera, Altenburg, Sondershausen und Erfurt. Sie verlangten von den damaligen Ermittlern ein starkes Nervenkostüm. Und jetzt auch von den Lesern.
„So grausam war die Realität nun einmal“, betont Frank Esche mit ein wenig Ironie in der Stimme.

Der Autor:
Frank Esche, Jahrgang 1953, aus Jena, studierte Archivwesen in Potsdam, arbeitet als Diplomarchivar im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt

Das Buch:
Thüringer Mord-Pitaval
Pitaval: Sammlung von historischen Strafrechtsfällen
Band 1: „Erschreckliche“ Mord- und Übeltaten aus alten Thüringer Kriminalakten (1766 – 1938)
Verlag Kirchschlager
ISBN 3-934277-65-6
Taschenbuch, 12,95 €
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