Der Urtyp: Adolf Friedrich war Maler mit Leidenschaft und tauschte aus Geldmangel Bilder gegen neue Farbe

Adolf Friedrich war zu Lebzeiten stadtbekannt in Rudolstadt.. (Foto: Privatbesitz)
 
Zum Fundus vom Schlossmueum Heideckburg gehört neben den Bildern von Adolf Friedrich auch eine Ehrenscheibe der Rudolstädter Schützengesellschaft. Diese zeigt Christina Bärwolf, Nachfahre von Adolf Friedrich.
Rudolstadt: KulturDiele |

Zwischen Adolf Friedrich und Christiana Bärwolf liegen drei Generationen. Sie ist ein Nachfahre des Malers, der schon zu Lebzeiten ein Rudolstädter Urtyp war. Christiana Bärwolf setzt sich aktiv dafür ein, dass Adolf Friedrich nicht in Vergessenheit gerät. Ab 22. Januar gibt es eine Ausstellung in der KulturDiele Rudolstadt.

Christiana Bärwolf blickt aus ihrem Wohnzimmerfenster: Bäume, Häuser und die Dächer der Stadt liegen ihr zu Füßen. Fast majestätisch erhebt sich im Hintergrund das Schloss, die Rudolstädter Heidecksburg. „Diesen Ausblick liebe ich über alles“, erzählt Christiana Bärwolf. Ihr Haus befindet sich auf der Friedrichshöhe, in direkter Nachbarschaft zur einstigen Ausflugsgaststätte. Mit diesem Fleckchen Erde ist ihre Familiengeschichte eng verbunden. Der Rudolstädter Maler Adolf Friedrich erwarb 1895 das Anwesen – er ist Christiana Bärwolfs Urgroßvater.

„Bereits zu Lebzeiten schaffte es Adolf Friedrich ein Rudolstädter Original zu werden. Sein Markenzeichen: Rauschebart, Pfeife, alter Karren mit Staffelei und einer unendlichen Leidenschaft für das Malen“, erzählt die Urenkelin. „Seine lebendigen Ölbilder zeigten sehr realitätsgetreu Stadtansichten und die Natur in und um Rudolstadt, bis hinunter ins Schwarzatal. Zu seinen Lieblingsmotiven zählte der Blick von der Friedrichshöhe zur Heidecksburg. Die Arbeit in der Gaststätte interessierte ihn wenig, er überließ sie seiner Frau. Mit dem Verkauf der Bilder – meist unter dem Wert - konnte er nur wenig zum Familieneinkommen beitragen. Oftmals war er gezwungen, Bilder gegen dringend benötigte Lebensmittel oder neue Malfarben einzutauschen.“ Wie viele Bilder so im Laufe der Jahre entstanden sind, ist nicht überliefert. Viele befinden sich noch heute im Privatbesitz in Thüringen. Einige wurden auch über einen Feinkostladen in Leipzig, den ein Sohn von Adolf Friedrich betrieb, in alle Welt verkauft.

Die Wohnung von Christiana Bärwolf schmücken heute fünf Bilder, unter anderem die Pörzteiche und die Heidecksburg im Winter. „Als Kind stand ich immer fasziniert davor. Einige Bilder waren in meiner Kindheit achtlos in einer Ecke im Waschhaus eingelagert, keiner nahm mehr Notiz davon. Ein Pferdekopf hat mir so gefallen, dass ich ihn gerettet habe.“

Auch im Fundus von Schlossmuseum Heidecksburg sind einige Bilder von Adolf Friedrich zu finden, wie Landschaftsmotive und ein Stillleben. Jeanette Lauterbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schlossmuseum Heidecksburg, hat vor vielen Jahren begonnen, die Lebensgeschichte von Adolf Friedrich und seiner Werke zu dokumentieren. Rund 60 Bilder sind bereits gelistet. Es ist anzunehmen, dass es noch viel mehr gibt. „Wer ein Bild von Adolf Friedrich besitzt, kann sich gerne zu Dokumentationszwecken mit mir in Verbindung setzten“, sagt Jeanette Lauterbach.

In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Adolf Friedrich zum achtzigsten Mal. Das brachte Christiana Bärwolf auf die Idee, eine kleine Ausstellung mit seinen Werken zu organisieren. Mit Unterstützung von Jeanette Lauterbach ging sie das Projekt an. Bilder aus Privatbesitz und dem Fundus vom Schlossmuseum Heidecksburg werden zu sehen sein - eine Homage an den Urgroßvater, die seine enge Heimat- und Naturverbundenheit zeigt.

Leichter Schnee liegt jetzt über der Heidecksburg. Christiana Bärwolf blickt von ihrem Fenster auf ein kleines Wintermärchen. Das muss wohl Adolf Friedrich einst auch so empfunden haben – und hielt es auf Leinwand fest.

Ausstellung: KulTourDiele Rudolstadt mit Werken des Malers Adolf Friedrich (1855-1936) , 23. Januar bis 5. März 2016, Eröffnung am 22. Januar, 18 Uhr mit Christiana Bärwolf und Jeanette Lauterbach

Kontakt: Jeanette Lauterbach, 03672-429013, Christiana Bärwolf 0175/3508095

Hintergrund:
Adolf Friedrich (1855 bis 1936)
- lernte Hofdekorationsmaler in Rudolstadt
- ging auf Wanderschaft nach Wien, Breslau, Dresden
- Selbststudium der Kunstmalerei
- malte Landschaftsbilder, Stillleben, Porträts und zahlreiche Ansichten von Rudolstadt

Weitere Informationen zur Heidecksburg:
Reisen mit der Kutsche
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