Die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt in Bayreuth – Ein faszinierendes Ereignis

    Und wieder ein Stück näher rücken an Richard Wagners Schaffen, festgestellt, aufgeschrieben von Radiomacher Gunter Linke, Redakteur und Moderator beim Bürgerradio des Städtedreiecks Saalfeld Rudolstadt Bad Blankenburg, Radio SRB.

Der Morgennebel löste sich gerade über Rudolstadt auf und es kündigte sich ein wunderschön sonniger Spätsommertag an, als die Thüringer Symphoniker unter der Leitung ihres Musikalischen Oberleiters und Chefdirigenten Oliver Weder mit ebensolch sonnigen Gemüt, aber voller Respekt gegenüber der Tagesaufgabe den Reisebus bestiegen und dieser seine Reiseroute gen Bayreuth einschlug.

Bayreuth, ja als die Wagnerstadt an sich weltbekannt, hatte den Klangkörper des Rudolstädter Landestheaters nach deren Bewerbung für das Wagnerjahr 2013, anlässlich des 200 jährigen Jubiläums Richard Wagners mit dem Programm „Richard Wagner & Mathilde Wesendonck – Traum der ewigen Liebe“ für geeignet empfunden und eingeladen.

Welchen Stellenrang man dieser Tatsache beimessen muss wird klar, wenn man weiß, was für ausgezeichnete Klangkörper in diesem Jubiläumsjahr in der Wagnerstadt schon spielten und noch spielen werden, wie zum Beispiel das Ensemble der Neuköllner Oper, die Oper Leipzig, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München, die Bayerische Staats-philharmonie, die Sächsische Staatskapelle Dresden, das Festival Musica Bayreuth, das Anima String Quartet, das Mahler Chamber Orchestra, das Young Philharmonic Orchestra Jerusalem Weimar, sowie die Nürnberger und Bamberger Symphoniker.

Dieses Melodram mit Werken und Texten von Richard Wagner und Mathilde Wesendock hatte im Januar dieses Jahres in Saalfeld und Rudolstadt seine gefeierte Premiere und gastierte auch schon mehrfach erfolgreich in Nordrhein-Westphalen, aber mit diesem Programm in der Wagner affinen Stadt Bayreuth und auch Wagneraufführungen gegenüber sehr kritisch eingestellten Bayreuther Publikum im Jubiläumsjahr aufzutreten, ist dann doch noch etwas anders.
Der Stolz über das Engagement und der Respekt vor dem zu erwartenden abendlichen Publikum, welches ja auch in seiner Meinung sehr kritisch und zweigeteilt in Beziehung zu Richard Wagners großen Liebe und Muse Mathilde Wesendock ist, war den Protagonisten des Abends schon anzumerken.
Das bemerkte man dann schon bei der Generalprobe, die mit hoher Konzentration in der 750 Besucher fassende Bayreuther Stadthalle / Oberfrankenhalle, welche über eine fantastische Akustik verfügt, durchgeführt wurde, hatte man sich ja auch noch auf den zusätzlich ins Programm genommenen zweiten Bariton, den Bassbariton Adam Wozniak einzustellen.

Aber auch das Publikum war offensichtlich sehr gespannt, was ihnen dieser Abend so bringt, das war aus meiner Befragung, die ich vor Veranstaltungsbeginn im Foyer der Bayreuther Stadthalle machte, deutlich herauszuhören.
In dieser Art Wagner zu erleben, löste bei den meisten der Gäste eine spannende Vorfreude aus.
Wurden sie doch an einen Abend mit Ausschnitten aus Tagebucheinträgen, Briefen und Notizen von und für Mathilde Wesendonck, Richard Wagners Muse und wie er selber sagte „Ersten und einzigen Liebe“ konfrontiert und bekamen eine wirkliche Essenz aus dem großen Werkschaffen des Komponisten zu Gehör.
Angefangen beim „Fliegenden Holländer“ über „Lohengrin“, Tristan und Isolde, „Die Walküre“, Die Meistersinger von Nürnberg“ bis hin zu „Tannhäuser“ sowie einige der Wesendonck Lieder, konnte der geneigte Zuschauer und Hörer die Anfänge der aufkeimenden Liebe zu der Frau seines Mäzens und Förderers Otto Wesendonck, während Wagners Zeit ab 1849 in Zürich, bis hin zum Verlassen der Stadt 1858, als das „Verhältnis“ Wagners und Mathildes von dessen Frau Minna aufgedeckt wurde und sich die Verhältnisse der beiden Familien so sehr verschlechterten, dass man sich zum gehen entschloss, verfolgen.

Hervorragend verstanden es die Symphoniker mit den beiden Darstellern des Richard Wagner und der Mathilde Wesendonck ins Benimm und wechselseitige Spiel zu kommen.
Und auch Gregor Eckert (Richard Wagner)freier Schauspieler, Kabarettist und Solo-Entertainer und Marja Krings (Mathilde Wesendonck), freie Schauspielerin verstanden es vorzüglich diese tiefe und innige Beziehung der Beiden glaubwürdig auf die Bühne zu bringen.
Mit hohen gesanglichen Können, grandios sauberen Klang und ungeheurer Stimmkraft brillierte die Sopranistin Susanna Risch die ihre Auftritte und Gastspiele unter anderen immer wieder an die Opern- und Konzerthäuser nach Erfurt, Weimar, Berlin, Dortmund, Köln, München, Mailand und Seoul führen und die auch Preisträgerin des Internationalen Jan Kiepura-Gesangswettbewerbes, des Robert Stolz-Wettbewerbes Wiener Operette und mehrfache Finalisten auch in anderen internationalen Gesangswettbewerben ist.
Adam Wozniak, der freischaffende polnische Bassbariton, der regelmäßig in vielen polnischen und tschechischen Opernhäusern zu Gast ist, aber auch schon Tourneen in Deutschland, Österreich, Spanien, der Schweiz und Japan hatte, bezauberte mit einer glockenklaren faszinierenden Stimme und überzeugenden Habitus, besonders bei Wotans Abschied „Leb‘ wohl, du kühnes herrlich Kind…“ aus „Die Walküre“.
Auch der Autor und Regisseur dieses Melodrams, der freischaffende Bariton Christoph von Weitzel überzeugte nicht nur mit diesem wunderbaren Wagner-Projekt, sondern auch mit seiner schönen Kavaliersbaritonstimme, mit der er den Abschluss dieses insgesamt fantastischen Abends mit dem „Lied zum Abendstern“ aus Richard Wagners Tannhäuser dem begeisterten Publikum zu Gehör brachte.

Hier ein kleiner musikalischer Eindruck von Susanna Risch, mit einem Lied aus dem Programm des Abends.


Wie begeistert das Bayreuther Fachpublikum war, bemerkte man schon nach der Ouvertüre des Abends, der Ouvertüre zu „Der fliegende Holländer“, als es einen starken Applaus und Bravo-Rufe gab.
Nachdem es nach dem Duett „Wie aus der Ferne“ ebenfalls aus „Der fliegende Holländer“, dem Vorspiel aus dem 3. Akt zu „Lohengrin“ und den drei Wesendonck-Liedern „Der Engel“, Schmerzen“ und „Stehe still“ in die Pause ging, steigerten sich die Ovationen noch, und nach der Pause gab es sogar offenen Szenenapplaus und Bravo-Rufe.
Nachdem der letzte Ton des Abends in der Bayreuther Stadthalle (Oberfrankenhalle) verklungen war, wollte der Beifall kein Ende nehmen und die Ovationen steigerten sich sogar noch, indem zu den Bravo-Rufen die Gäste ein eindeutigen Pro-Votum mit ihren Füßen abgaben und die Protagonisten zu mehreren Vorhängen drängten.

Ein großer Abend war für alle Beteiligten, Künstler und Publikum zu Ende gegangen, was ich noch einmal eindringlich bei meiner Befragung, bei den sich in die Bayreuther Nacht verabschiedenden Gäste, erfuhr.
Einhelliger Tenor aller Befragten ergab, dass dieser Abend ein Höhepunkt des bisherigen Wagner-Jahres in Bayreuth gewesen wäre und das man sich in der Zukunft wünscht öfter und noch viel mehr von den Thüringer Symphonikern zu hören, ein solch wunderbar harmonierender Klangkörper muss auch weiterhin den musikbegeisternden Publikum erhalten bleiben.

Der absolut gleichen Meinung unter der Hinzufügung, das es eine Schande wäre und dass sich zum Beispiel bei der Dresdener Hofkapelle, die nur unwesentlich älter als die Thüringer Symphoniker, ehemals Hofkapelle der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt ist, es sich keiner wagen würde, diese Jahrhunderte alte Tradition auch bei größter Not zu zerstören, waren auch die alle mitwirkenden Schauspieler/in, Sängerinnen und Sänger, sowie der Autor und Regisseur, der jetzt im Anschluss gleich auf eine längere Neuseeland-Tournee geht.
Ein unmissverständlicher Fingerzeig hin zur Thüringischen Kulturpolitik.

Mein persönliches Fazit des Abends ist schnell zusammengefasst.
Diese Art Programm, welches sich aus einer Essenz der musikalischen Schaffenskraft, einen kleinen aber feinen Einblick in sein Liebesleben und seine Muse beinhaltet, ist für Einsteiger ins klassische Obernfach, insbesondere Richard Wagner mehr als geeignet und unbedingt empfehlenswert.
Es macht ganz einfach Lust auf ein mehr dieses deutschen Operngenies.
Vielen Dank für diesen unvergesslichen Tag und Abend, den Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt unter der Leitung ihres Musikalischen Oberleiters und Chefdirigenten Oliver Weder, an Marja Krings ( Mathilde Wesendonck), Gregor Eckert (Richard Wagner), Susanna Risch (Sopran), Adam Wozniak (Bassbariton) und Christoph von Weitzel (Bariton), Autor und Regisseur dieses Melodrams.

Verschiedene Ausschnitte dieses Abends mit den Stimmen der beteiligten Künstler und des geschätzten Publikums des Abends können alle die, nicht dabei sein konnten und die dieses Programm im Januar dieses Jahres hier in Rudolstadt und Saalfeld nicht erleben konnten, bei Radio SRB in Kürze hören. Der Sendetermin wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Gunter Linke,
Radiomacher, Redakteur und Moderator bei Radio SRB
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Hannelore Grünler aus Artern | 30.09.2013 | 12:52  
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