Ein Bericht aus dem Herzen Thüringens

    Wo noch, vom Ritter-Geist bewacht, die alte Sitte gilt...
(Fürst Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt)

Nachdem nun die aufregenden und schönen Ereignisse zum diesjährigen Neujahrsempfang auf der Wartburg abgeklungen sind, stand nun am vergangenen Freitag dem 28.04.17 ein neues Ereignis, das mein Leben beeinflussen wird, im Raum.
Aus diesem Grund fuhren wir, nachdem ich mein alten Freund aus Blankenburg eingeladen hatte, ins Thüringer Becken. Heidecksburg, Ehrenstein und die alten noch sichtbaren Stadtmauern von Stadtilm hinter uns gelassen, öffnete sich hinter dem Hohen Kreuz der Blick weit ins Thüringer Becken. Gesäumt von Thüringer Höhenzügen wie Hainich, Dün, Hainleite, Schmücke und Finne liegt das Thüringer Becken wie ein Augenschmeichler mit seinem sagenumwobenen Fluß Unstrut vor einem.
Mit seinen fruchtbaren Böden bot es schon lange vor unserer Zeit verschiedenen Völkern die Möglichkeit der Ansiedlung. Nicht zuletzt schauten auch Römer und Kelten hier vorbei. Nachdem die Kelten sich größtenteil zurückzogen und auch die Römer in der vernichtenden Schlacht bei Kalkriese geschlagen waren, siedelten sich hier in Thüringen der Volksstamm der Hermunduren an, in dem die letzten hier noch verbliebenen Kelten aufgingen. Zur Zeit der Völkerwanderung und vertrieben durch die Sachsen, siedelten der Volksstamm der Warnen und der Angeln weit nach Süden. Auf ihrem Weg ins Thüringer Becken bildeten sie kleinere Ansiedlungen, die sämtlichst auf das Wort "-leben" enden. Bei uns angelangt, gründeten Hermunduren, Angeln und Warnen das Thüringer Königreich, das letztlich so bedeutend war, daß sogar die Nichte des Ostgotenkönigs einheiratete. Die Thüringer waren bei den umliegenden Völkern und Volksstämmen als friedliebende Händler so geachtet, daß sie bei den Römern, die sich hinter Rhein und Limes verschanzten, ungehindert mit ihren Waren passieren konnten. Doch Erfolg und Besitz weckt immer Begehrlichkeiten, noch dazu bei den ohnehin expansionsfreudigen Franken. Deren erster Angriff konnte zwar zurück geschlagen werden, beim Zweiten jedoch, bei dem sich die Franken zusätzlich der Sachsen bedienten, konnten sich die Thüringer nicht mehr behaupten, so daß das Thüringer Königreich 531 unterging, nicht jedoch aber der Name der Thüringer! So heißt es unter anderem auch, das möglicherweise das Geschlecht der Schwarzburger aus dem Thüringer Königreich abstammen soll.
Fast 1500 Jahre später sollte ich den Enkel des letzten sächsischen Königs, Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen u. Landgraf von Thüringen, kennenlernen. Dem ersten Gespräch mit Prinz Albert, bei dem wir uns sehr sympathisch fanden, folgten noch viele weitere, bei denen ich immer wieder auf den Verrrat an den Thüringern hinwies. Argumente wie territoriale Erwägungen ließ ich nie gelten. Nach Monaten und Jahren des Austausches dazu verzieh ich dann doch und Prinz Albert sagte, nachdem er lange in sich gekehrt überlegte: "Endlich Freunde, nach so langer Zeit...!"
Diese Begebenheit und auch der Umstand des untergegangenen Thüringer Königreiches beeinflußte mich und machte mir auch klar, das Frieden, wie es die Thüringer von je her liebten und dessen sie auch immer geachtete Menschen waren, ist eins der höchsten Güter, welches die Menschheit besitzen kann. So bin ich auch der Meinung, das Menschen, die das nicht achten, nach Eigennutz trachten, Gemeinwohl und Gemeinbesitz wie auch das Wohl des Einzelnen und dessen Besitz missachten, streng bestraft werden sollten und, kommen sie nicht aus Thüringen, haben sie unter diesen Umständen auch nichts weiter hier verloren. Die Thüringer leben gern als friedliebendes Volk und möchten das auch bleiben!
Der Weg nun, den wir am vergangenen Freitag nahmen, endete zu meiner größten Freude in einem solchen "-leben" Ort, in Olbersleben.
Hier wurden wir schon von den Grafen von Neuendorf zu Nauendorf erwartet. Ihnen standen Offiziere des Magdeburger Jägerbatallions Nr. 4 und in ein dunkles purpur gewandete Ordensritter des Ritterordens Heinrich der III. der Erlauchte beiseite.
Der Hochmeister und der Comte des Ritterordens führten mich, gefolgt von den schon erwähnten Offizieren und Rittern sowie Gästen, in eine sehr schöne Kapelle mit dem Namen Maria. Diese Kapelle hat auch eine sehr schöne Geschichte, die hier angeführt sein muss:
Ein Bayer sprach in seiner Verzweiflung zu Gott: Ich werde dir eine Kapelle erbauen, wenn du dafür sorgst, daß ich eine gute Frau kennen lerne, Arbeit bekomme und in der Landwirtschaft zu tun haben werde. Nun, er lernte eine Frau in Thüringen kennen, welche ein Bauernhof mit Landwirtschaft besaß. Aus großer Dankbarkeit baute nun der Bayer diese Kapelle und ließ sie natürlich auch weihen.
In der Kapelle angelangt, setzten sich alle und der Comte begann, begleitet von angenehmster Kirchenmusik, eine lange kirchliche und rituell anmutende Zeremonie. Auf ein kurzes Zeichen stellte sich dann auch der Hochmeister daneben. Nach einer Weile fiel nun mein Namen und der Hochmeister deutete mir, aufzustehen und mich vorn in die Mitte vor beide zu stellen. Ich tat wie mir geheißen und wiederholte, wie vorgesagt, einen Treueschwur, den Treueschwur! Danach legte man ein purpurnes Kissen zu meinen Füßen, auf dem ich mich nun auf Geheiß niederkniete. Der Großmeister zog nun sein Schwert und gab mir den Ritterschlag. Danach reichte er mir die Hand und bei seinen Worten: "Stehet nun auf, Peter Baron von Eckstein!" erhob ich mich in großer Demut und Dankbarkeit zugleich wieder. Jetzt wurde ich gewandet, d.h. ich bekam ebenfalls eine dunkel purpurne Robe angezogen, einen passenden Gürtel und ein Ritterdolch, der noch vom Comte gesegnet wurde.
Nun kamen die Offiziere und Ritter zusammen, gratulierten mir und wir tranken zusammen das "Blut Christi".
Der geneigte Leser erinnert sich sicher, das ich schon auf der Wartburg Schwierigkeiten hatte, die Ereignisse zu kommentieren, so auch hier. In den Ritterstand erhoben wird man nicht alle Tage, nein, nur einmal im Leben. Um so schwieriger ist es, so ein Geschehnis selbst zwei Tage danach zu kommentieren.
Mit Offizieren, Ritterschaft und Gästen ging es nun auf das nah gelegene Schloß Beichlingen zum Cafétrinken. Immer noch in Gedanken versunken, die ich die nächsten Tage noch ordnen werden muss, saßen wir in geselliger Runde, welche diesen Tag abrundete, dessen Ereignisse mich prägen werden und den ich nie vergessen werden.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal meine volle Dankbarkeit an die Grafen von Neuendorf, Heinz Graf von Neuendorf und Olaf Graf von Neuendorf und auch alle Anwesenden richten. Ebenso an die Familie Silberhorn aus Olbersleben, den Erbauern der Marienkapelle.

Peter von Eckstein
Chevalier
Ritterorden Heinrich III. der Erlauchte
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