Eine Audienz bei seiner Majestät König Friedrich II. und die Erkenntnis: Ein wahrlich moderner Monarch

AA-Redakteur Andreas Abendroth durfte Friedrich II. - auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt - bei seinem Insepektionsbesuch in Saalfeld begleiten. In der Mitte die Hofmagd Wiebke, rechts daneben der Notenschlingel Didi. Foto: Andreas Abendroth
 
Auftritt Friedrich II. Gespielt wird der Monarch von Uwe Gerstenberg. Foto: Andreas Abendroth
Saalfeld/Saale: Das Loch | Kindergeschrei ist Zukunftsgeschrei

Von Andreas Abendroth

Wie ist es, was passiert, wenn ein für die damaligen Verhältnisse moderner Monarch, einen Staatsbesuch in seine heutige Provinz unternimmt? Dank seines Hofmarschalls bekam ich eine kleine Audienz bei seiner Majestät. Doch der König hochselbst lud mich dazu ein, ihn bei seinem Besuch in Saalfeld zu bekleiden und darüber zu berichten.

Es ist damals wie heute. Der Kutscher seiner Majestät war es, der den Besuch seines Königs - natürlich unter vorgehaltener Hand - verriet. Ja, der König nahm die Strapazen auf sich, in einer Droschke anzureisen. Kein übertriebenes Staatsbankett, wie es heute üblich ist, erwartete ihn. Doch sollte das Volk ein wenig Etikette haben. Hofknicks und eine angemessene Verbeugung sind da eine grundlegende Voraussetzung.

„Eigens meinen 1746 erlassenen „Kartoffelbefehl“ zu kontrollieren, bin ich auf Inspektionsreise hierhergekommen“, so Friedrich II. Der Regent präsentierte sich zuweilen extrovertiert, in manchen seiner Erinnerungen aber auch sehr überschwänglich. Besonders, wenn es um seine Liebschaften und um gewonnene Schlachten geht. Doch er spricht auch mit seinem Volk, schaut ihnen aufs Maul. Er lässt sich auf Diskussionen mit einer Hofmagd und einem Notenschlingel (einem Musiker) ein. Mit gewitztem Wortspiel, oftmals sehr zweideutig aber hintergründig, zieht er parallelen zur heutigen Gesellschaft. Es geht um Politik, um die Zukunft der Gesellschaft.

Der König ist entsetzt darüber, dass man sich heute genau überlegen muss, ob man sich Nachwuchs anschafft. „Kindergeschrei ist doch Zukunftsgeschrei“, so der Monarch. „Da kann es doch nicht sein, dass ein Kindergartenplatz und später ein Ausbildungsplatz wie ein Sechser im Lotto sind.“ Auch bei der Schulbildung bleiben dem König fast die Worte im Halse stecken: „Keine Noten in Ordnung, Fleiß und Betragen? Mit Noten wird man doch geadelt oder getadelt. Und, die richtige Ordnung ist doch das halbe Leben.“

Ebenso ist sehr besorgt über so manche Entwicklung und entsetzt darüber, was seine Nachfolger „Merkel und Co.“ so heute produzieren - oder leider eher nicht. Als ehemaliger Feldherr sieht er auch seine Truppe in Gefahr. Aus Perspektivlosigkeit gehen immer mehr Frauen zum Bund. „Wird es bald Panzer mit Schminkspiegel und Einparkhilfe geben“, resümiert nachdenklich der Regent.

Zu guter Letzt geht es wieder um seine geliebten Kartoffeln: „Mit der Kartoffel wollte ich mein Volk satt bekommen. Doch die Lebensmittel heute sind oftmals hochgezüchtet, genverseucht – machen satt und heimlich krank“. Er rät dazu, sich auf die Ursprünglichkeit zu besinnen. Doch wer hört schon auf Menschen, auf ihre Erfahrungen und das gesammelte Wissen, wenn sie alt werden. Und Könige sind auf dem Arbeitsmarkt heute schwer vermittelbar…

HINTERGRUND:
- Kleinkunst in höchster Vollendung bieten Uwe Gerstenberg als König Friedrich II., Wiebke Hofmann als Hofmagd und Didi Bujack als Notenschlingel in dem Amateurstück „Königlicher Kartoffel- und Kloßabend mit Friedrich ll.“. Als aufgeklärter Fürst und erster Diener seines Staates reflektiert dabei König Friedrich II. in Monologen und Dialogen auf sehr heitere und satirische Weise die Geschehnisse der Zeit im früher und im jetzt.
- Auf seiner Rückreise macht der Regent noch einmal am 6. November Station in Saalfeld.
- Mehr Informationen unter: http://das-loch-saalfeld.info/
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