Friedrich Schiller wird 257 Jahre alt und Rudolstadt feiert

Ganz so freizügig kann man sich im November nicht mehr in den Schillergarten setzen, aber gefeiert wird Schillers Geburtstag trotzdem - mit Punsch, Grümpelsuppe und Feuerschalen.
 
Blick auf das Schillerhaus und den Garten. (Foto: Schillerhaus Rudolstadt)
Rudolstadt: ... |

Sein Stück "Die Räuber" machen Friedrich Schiller weltberühmt. Allerdings verträgt sich die Literatur nicht mit seinem militärischen Auftrag. Der Lyriker flieht aus Württemberg und landet in Thüringen. Zufällig trifft er eines Tages in Rudolstadt auf zwei reizende Schwestern.

Erleichtert lässt sich der junge Mann in den Sitz der Kutsche fallen. Seine Freiheit ist noch recht neu. Sie kostete sein altes Leben. Doch den militärischen Drill des württembergischen Herzogs Carl Eugen vermisst der junge Mann nicht im Geringsten.
Um geistig nicht unterzugehen, war ihm, Johann Christoph Friedrich Schiller, nichts geblieben, als sich mit den großen Literaten dieser Welt zu beschäftigen und schließlich selbst einer zu werden. Sein Debüt „Die Räuber“ machte ihn berühmt. Schiller kann das Jahr 1781 nicht genug preisen, in dem sein Bühnenstück in die Hände von Wolfgang Heribert von Dalberg gelangte, seines Zeichens Intendant des Mannheimer Hof- und Nationaltheaters. Zur Uraufführung seines eigenen Stückes musste er, Schiller, sich allerdings aus der Kaserne stehlen, was ihm zwei Wochen Arrest einbrachte. Schluss damit! Jetzt beginnt – trotz Schulden und der in Stuttgart erworbenen Malaria - ein neues Leben. Nach Württemberg kann Schiller nicht zurückkehren. Er ist fahnenflüchtig.
Gott sei Dank geriet er in Thüringen an die Von Wolzogens. Der Sohn des Hauses, Wilhelm, reißt Schiller jäh aus seinem Tagtraum, als er vorschlägt: „Was hältst du davon, wenn wir auf dem Weg nach Weimar einen Umweg über Rudolstadt nehmen und meine superklugen Cousinen besuchen?“

Das Schillerhaus ist eine von neun authentischen Schillergedenkstätten in Deutschland


229 Jahre nachdem Schiller in der kleinen Residenzstadt auf die Schwestern Charlotte und Caroline von Lengefeld traf, scheint das Haus in der Schillerstraße 25 noch immer vom Geist des großen Dichters beseelt. Seit 2009 ist es ein Museum, eine von neun authentischen Schillerstätten in Deutschland. Restauratorische Funde hatten ermöglicht, Raumstrukturen inklusive Türen und Fenster sehr realitätsnah zu rekonstruieren.
„Schiller war von der aufgeschlossenen geistigen Atmosphäre der Familie beeindruckt“, weiß Dr. Daniela Danz, Leiterin des Schillerhauses in Rudolstadt. „Zugleich war er von beiden Schwestern sehr angetan und führte mit ihnen eine Dreiecksbeziehung, obgleich Caroline verheiratet war. Damals nicht unüblich. Viele Menschen führten eine Versorgungsehe und sehnten sich nach einem Menschen fürs Herz.“
Ein halbes Jahr hält Schiller sich in Rudolstadt auf. „Dem Schriftverkehr ist zu entnehmen, dass er im Mai hier ankam und die Stadt kurz nach seinem Geburtstag wieder verließ“, erzählt Daniela Danz, die im Schillerhaus regelmäßig Führungen anbietet. „Als es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zuließen, heiratete er Charlotte von Lengefeld.“

In Rudolstadt traf Schiller auf Goethe, der an der Bekanntschaft anfangs wenig interessiert war


In dem Haus in der heutigen Schillerstraße schloss der Dichter auch nähere Bekanntschaft mit Goethe, der anfangs nur mäßig interessiert gewesen sein soll. Das änderte sich erst in Weimar, wo die Schriftsteller gemeinsam mit Wieland und Herder Ende des 18. Jahrhunderts die Weimarer Klassik prägten.
1805 starb Schiller mit 45 Jahren an einer Lungenentzündung. Doch für einige Rudolstädter ist er höchst lebendig. Zurzeit bereitet Daniela Danz mit Chefdramaturg Michael Kliefert und Intendant Steffen Mensching vom Theater den Geburtstag des berühmten Lyrikers vor.
„Schillers Geburtstag liegt im November etwas ungünstig, doch wir feiern die Feste, wie sie fallen“, verrät die Museumsleiterin. „Zur Lyriknacht unter dem Motto ‚Feuer, Wort und Wein – von Worten und Wundern‘ gibt es Grümpelsuppe - Schillers Lieblingsspeise - und Punsch.“ In warme Decken gemummelt können die Besucher am 11. November, einen Tag nach Schillers Geburtstag, im Schillergarten an Feuerschalen sitzen, Musik der „Don Stefano Band" genießen und ebenso geistige Nahrung aufnehmen: Auf Podesten stehend und mit Stirnlampen ausgerüstet rezitieren Schauspieler Gedichte – nicht nur von Schiller. „Schade, dass er nicht dabei sein kann“, bedauert Daniela Danz augenzwinkernd. „Die Feier in solch anregender Atmosphäre hätte ihm sicherlich gefallen.“

Rezept Grümpelsuppe
Zutaten:
1 Kg Schweinefleisch (mit Knochen)
4 Eier
500 Gramm Mehl
300 Gramm Suppengemüse
Zubereitung:
Das Schweinefleisch kochen, bis eine Fleischbrühe entsteht. Fleisch vom Knochen lösen, in Würfel schneiden, zurück in die Brühe geben. Ein Ei und etwa 300 Gramm Suppengemüse hinzugeben, das ganze köcheln lassen, bis das Suppengemüse gar ist.
Für die Grümpel 300 Gramm Mehl, 3 Eier und Wasser mit etwas Salz in eine Schüssel geben. Den Teig gut durchkneten, in kirschgroße Portionen aufteilen und in die Suppe geben. Diese ist fertig, wenn die Grümpel oben schwimmen.
Quelle: www.weimar-lese.de

Veranstaltungstipp:
11. November, 19.30 Uhr, Lyriknacht im Schillergarten.
Anmeldung unter 0 36 72 / 48 64 70 oder via E-Mail: info@schillerhaus-rudolstadt.de
www.schillerhaus-rudolstadt.de
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1 Kommentar
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 12.10.2016 | 08:11  
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