Geheimnisvoller Nikolaus: Der Saalfelder Museumsdirektor Dr. Dirk Henning präsentiert eines seiner Lieblingsstücke

"Die Herkunft der Figur des Heiligen Nikolaus liegt weiterhin im Dunkeln", sagt Dr. Dirk Henning.
Saalfeld/Saale: Stadtmuseum | „Überraschende Funde im Saalfelder Stadtmuseum sind eher selten und damit ein spannender Meilenstein meiner Arbeit. Auch wenn es sich dabei auf den ersten Blick nur um einen kleinen Zettel in einem Hohlraum einer Altarfigur handelt“, sagt Dr. Dirk Henning, Direktor im Stadtmuseum Saalfeld. Der Heilige Nikolaus, Figur im Obernitzer Marienaltars, verwahrte Jahrhunderte lang in seinem Inneren einen Zettel mit einer in Latein gehaltene Botschaft mit folgendem Wortlaut: „Hier sind 32 Stück Heiligtum von den 11000 Jungfrauen.“ Diese lebten der Legende nach bereits in der Antike in Köln und gingen für ihren christlichen Glauben als Märtyrerinnen in den Tod - ihre Knochen wurden zu Reliquien. Knochenfragmente lagerten vermutlich in einem Leinensäckchen im Heiligen Nikolaus. Leinenreste sowie der Zettel traten allerdings erst bei der umfangreichen Restaurierung im Jahr 2004 zu Tage. Damit wurde aus der Altarfigur plötzlich ein wertvolles Reliquiar mit historisch besonderem Wert. „Die weiteren Untersuchungen zeigten, dass diese Figur nicht ursprünglich für diesen Altar gefertigt wurde“, erklärt Dr. Dirk Henning. „Doch bis heute wissen wir trotz umfangreicher Forschungen nicht genau, woher diese Figur eigentlich stammt und welche Geschichte sie uns erzählen könnte.“ Es wird vermutet dass sie über das einstige Saalfelder Benediktinerkloster hierher kam, denn die Gründer dieses Klosters kamen aus Köln.
Historisch erwiesen ist allerdings, dass der Obernitzer Marienaltar 1505 in einer Saalfelder Werkstatt gefertigt wurde – von 1480 bis 1520 war Saalfeld ein herausragendes Zentrum für Arbeiten dieser Art. Der gesamte Altar hat im Laufe der Geschichte eine große Odyssee hinter sich gebracht, aus den Kunstsammlungen der Herzöge von Sachsen-Meiningen kam er auf Umwegen wieder nach Saalfeld ins Stadtmuseum zurück. „Für uns gibt noch viel zu erforschen. Denn interessant wäre auch zu erfahren, welche Figur einstmals am Platz des Heiligen Nikolaus gestanden hat und wo diese abgeblieben ist.“

Kontakt:
Stadtmuseum Saalfeld im ehemaligen Franziskanerkloster, Münzplatz 5, Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr,
www.museumimkloster.de
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Renate Jung aus Erfurt | 22.02.2014 | 02:07  
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