Glockenklang: Das Saalfelder Carillon wird von Knut Schieferdecker per Hand bespielt - drei Adventskonzerte

Knut Schieferdecker am Spieltisch vom Saalfelder Carillon.
Saalfeld/Saale: Bergfried |

Thüringer Carilloneur

Knut Schieferdecker ist Carilloneur, einer von wenigen in Deutschland. Seine Kunst ist reine Handarbeit. Und zwar ziemlich schwere. Der Musiker schlägt mit den Fäusten auf die Tasten des Stock-Klavieres. Über eine komplizierte Mechanik bringt er dadurch die 25 schweren, tongenau abgestimmten Bronzeglocken im Saalfelder Glockenturm auf dem Bergfried zum Erklingen. Zeitgleich sind auch seine Beine kraftvoll in Bewegung - per Pedal spielt er die größten Glocken an. Dadurch entlockt er dem Carillion (Turmglockenspiel) ganz besondere Klänge, die sich zu Melodien und Liedern formen. "Ich liebe dieses Instrument ", schwärmt der Musiker. Der einzigartige Klang und der Effekt, als würde ein ganzes Orchester spielen, machen für ihn die besondere Faszination eines Carillions aus. In Deutschland gibt es davon nur 46 und das Älteste, original erhaltene befindet sich in Saalfeld.

Saalfelder Carillon

Seit 1986 betreut und bespielt der Saalfelder dieses Instrument. „Am Anfang war es sehr schwierig, Originalnoten zu bekommen“, erinnert sich Schieferdecker, der viel in Archiven geforscht und sich mit Carilloneuren deutschland- und weltweit ausgetauscht hat. Seitdem hat er mehr als 600 Konzerte gespielt, nicht nur in Saalfeld. Als langjähriger Chef der
Deutschen Glockenspielvereinigung und Delegierter im Weltverband gab er Konzerte in Deutschland, Irland, Frankreich, Belgien und Großbritannien. Dabei ist jedes Instrument anders, die Anzahl der Glocken variiert und die Spielstuben befinden sich an manchmal schwer zugänglichen Orten, die nur noch per Leiter zu erreichen sind. „Bis ich da wieder unten bin, ist nach einem Konzert das Publikum weg.“ In Saalfeld kann ihm dies nicht passieren, die Spielstube ist ebenerdig. „Hier mache ich meine Tür auf und trete so direkt in Kontakt mit dem Publikum.“

Adventskonzerte

Momentan bereitet sich Knut Schieferdecker auf die anstehenden Adventskonzerte in Saalfeld vor. Im Laufe der letzten Monate hat er Weihnachtslieder und Weihnachtskompositionen bearbeitet und einstudiert - so auch alte Stücke, die teilweise in Vergessenheit geraten sind. Dazu nutzt der Musiker einen Übungsspieltisch, der sich im Keller seines Hauses befindet. Auch eigene Kompositionen sind hier entstanden. „Ich freue mich auf diese Konzerte, sie sind der Höhepunkt am Saalfelder Carillion in jedem Jahr. Das schöne ist, diese Musik ist für alle da. Im Bergfried-Park ist sie gut zu hören. Und bei gutem Wind werden die Töne sogar bis zum Marktplatz getragen.“

Hintergrund:
Carillion im Bergfried-Glockenturm:
- 25 abgestimmte Bronzeglocken der Tonfolge es‘ bis es‘‘‘
- gegossen im Jahre 1924
- Gesamtgewicht aller Glocken: 9060 kg
- Größte Glocke: Durchmesser 130 cm, 1450 kg
- Kleinste Glocke: Durchmesser 31 cm, 32 kg

Konzerttermine:
30. November,
7. Dezember,
14. Dezember, jeweils 15 bis 16 Uhr, Park Bergfried


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