Heute am 01. Juni 2013 wurde wieder in Rudolstadt ein Handwerk zu Grabe getragen!

Das letzte Tagessortiment an Brot und Backwaren außer den rund 2000 Semmeln für den Bäckermeister nach 50 Berufsjahren am 01. Juni 2013.
Als ich heute Morgen gegen 01 Uhr die Kellerbackstube des Rudolstädter Bäckermeisters Günther Haubold betrat, roch es schon herrlich nach frischen Hefe,- und Sauerteig und die Teigknetmaschinen verrichteten geräuschvoll ihre monotone Arbeit.
Auf dem Arbeitstisch lag schon der erste Brötchenteigbatzen aus dem sich gut 360 Semmeln drehen lassen und eine Mitarbeiterin legte Hand an den Teig um die genauen Portionen abzuwägen, dass wiederum einen andere Maschine kleine Rundstücke formen konnte, die dann jeweils zu zweit auf dem Backblech zu einer Semmel zusammengelegt werden.

Der Bäckermeister gab immer in kleinen Portionen Roggenmehl zu seinem Brotsauerteig, bis dieser die richtige Konsistenz hatte.
Und dann wurden ohne Pause Brotlaibe geformt. Lange, Runde, Einpfünder, Zweipfünder, Dreipfünder, Zwiebel oder Zwiebeln und Speck wurden untergearbeitet und schon konnte das Brot geschoben werden.

Klar waren die Öfen auf Betriebstemperatur.
Der eine für die Brote und der andere für die rund 2000 Semmeln, die für den letzten Samstag im Arbeitsleben der Bäckermeisterfamilie Haubold benötigt wurden.

Gegen 6.30 Uhr Morgens zog Bäckermeister Haubold nach 50 arbeitsreichen Jahren sein letztes Dreipfünder Mischbrot aus dem Ofen, 10 Minuten später die letzten Semmeln.

Davor waren kurz vor 4 Uhr schon die für den letzten Tag benötigten Weißbrote, Einback, Baguettes, Croissant, Hörnchen, Brezeln, Zimt- und Vanilleschnecken abgebacken.

11.00 Uhr hat er seine Bäckerei im Rudolstädter Fürstengarten in der Schwarzburger Chaussee für immer verschlossen.

Er und seine Frau Erika, die 46 Jahre hinter der Ladentheke und natürlich auch in der Backstube stand, gehen in den wohlverdienten Ruhestand und das Bäckerhandwerk in Rudolstadt über den Jordan.

Der allerletzte Bäcker der noch selbst backt und das alte Traditionshandwerk hoch hält, ist nun die "Bäckerei Wolf" in der Volkstedter Breitscheidstraße, einem vom Residenzstadtzentrum weit entfernten Stadtteil.

Traurig aber war, war doch die Bäckerzunft noch zu DDR-Zeiten mit rund 20 Bäckern, eine der stärksten in Rudolstadt.

Hier wurde noch richtiges Sauerteigbrot gebacken, selbstverständlich mit selbst angesetzten Sauer und in der Weihnachtszeit Hausbäckerei (Schittchen/Stollen) angeboten.

Als ich dann die Backstube gegen 7.15 verließ, war ich mir sicher, dieser Beruf ist ein wahnsinnig schöner, aber auch ein sehr anstrengender.
Trotzdem würde ich, wäre ich heute nochmal 16 Jahre jung, dieses wunderbare Handwerk erlernen wollen, denn man sieht, was man am Ende seines Tagwerkes vollbracht hat und hat dabei Menschen satt und glücklich gemacht.

http://saalfeld.otz.de/web/lokal/wirtschaft/detail...

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3 Kommentare
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 01.06.2013 | 15:51  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 01.06.2013 | 19:46  
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Dieter Mäs aus Jena | 02.06.2013 | 09:50  
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