Hier sitzt jede Falte: Der bekannteste Serviettenfaltmeister Joan Sallas ist jetzt Thüringer

Nur wenige der Kunstwerke von Joan Sallas sind nicht vergänglich, wie die Nachbildung eines Adlers von 1629 - symbol für die Habsburgischen Gäste.
 
Königliche Seviettenfaltkunst: Getreu dem historischen Vorbild aus der Zeit Ludwig des XIV. faltete Joan Sallas diese für die Queen. (Foto: Joan Sallas)

Joan Sallas sagt: „Ich bin ein Falter.“ Fliegen kann der Wahl-Thüringer nicht. Auch sonst hat er wenig gemeinsam mit dem gleichnamigen Insekt. Seine geschickten Fingern zaubern allerdings wunderschöne Schmetterling aus Stoff und Papier - oder auch eine Seerose, Lilie, Hecht, Schildkröte, Mütze oder einen Obelisk. Joan Sallas ist der bekannteste Serviettenfaltmeister der Welt, der sein neues Zuhause in Weimar gefunden hat.

Die meist vergänglichen Kunstobjekte des Faltkünstlers haben schon weltweit Einzug in berühmte Museen und Schlösser gehalten. Das Längste ist eine acht Meter lange Schlange mit 33 000 Schuppenfalten. Diese schlängelt sich momentan im Rahmen einer Sonderausstellung auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt zu sehen.

„Als ich ein Kind war, hat mein Großvater bei mir die Leidenschaft für das Falten geweckt - das hat mich bis heute nicht losgelassen. Meine Faltobjekte wurden immer komplizierter. Vor 15 Jahren fing ich dann an, die historischen Falttechniken genauer zu erforschen. Das war keine leichte Aufgabe, mit diesem Thema hatten sich weltweit erst sehr wenige Menschen beschäftigt.“
Im Laufe der Jahre hat sich Joan Sallas so eine Bibliothek aufgebaut. Heute umfasst seine Sammlung fast 4000 Bücher in 30 Sprachen – viele davon sind sehr alt. Denn Anfang des 16. Jahrhunderts kommt es aus Italien in Mode, Servietten und Tischtücher kunstvoll zu falten. Dies verbreitete sich im 17. Jahrhundert in allen europäischen Höfen. Je mehr Macht jemand hatte, desto prunkvoller waren die Gebilde. „Leider sind davon meist nur Zeichnungen in Büchern vorhanden, Anleitungen gab es bis Mitte des 18. Jahrhunderts nicht. Das macht es sehr schwierig, diese Dinge nachzufalten. Manchmal benötige ich für ein Objekt mehrere Monate oder Jahre, um alles genau zu verstehen.“ Der 52-jährige ist einer der Wenigen weltweit, die diese alte Tradition des Serviettenfaltens oder Serviettenbrechens beherrscht. Allerdings weiß auch der heutige Adel durchaus sein Können zu schätzen. Für die Queen hat er Servietten gefaltet, ebenso eine Tiger- und Elefantenfigur für den Scheich von Katar befaltet.

Porzellan als Tischschmuck verdrängte Ende des 18. Jahrhunderts die Faltkunst. Damit ging auch viel Wissen verloren. Dieses versucht der engagierte Künstler wieder zu beleben. Ihm ist dabei auch sehr daran gelegen, es weiterzugeben.

Jährlich veranstaltet er in Freiburg für Pädagogen eine Internationale Tagung, um die Faltdidaktik zu vermitteln. Ihm ist sehr wichtig, dass die Kinder von heute nicht verlernen, wie viel Freude Falten machen kann.
Joan Sallas ist ein weltweit gefragter Forscher und Künstler. Er hat seine Faltforschungen in Amerika, Korea, Frankreich, England, Deutschland, Schweiz, Schweden, Österreich und Italien ausgestellt.. Der sympathische Weltenbummler kehrt jetzt allerdings immer gerne nach Thüringen zurück. „Ich fühle mich in Weimar wohl, überall in der Stadt spürt man die Vielfältigkeit der Kunst und Kultur. Das gefällt mir sehr gut.“

„Mein großes Ziel ist es, in Weimar oder Umgebung einen Faltgarten aufzubauen. Es soll eine Mischung aus Museum, Faltschule und einem Zentrum zur Erforschung der Faltkunst werden.“,


Zur Person Joan Sallas:
- geboren und aufgewachsen in Badalona/Spanien
- studiert Sonderpädagogik und Musik
- lebt seit 1994 in Deutschland
- vor der Faltkunst arbeitet er als humoristischer Cartoonist
- forscht seit 15 Jahren intensiv auf dem Gebiet der historischen Faltkunst
- wohnt seit einem Jahr in Weimar
- gibt „Faltunterricht“ an Hotelfachschulen, für Pädagogen und Kinder
- Ausstellungen: u.a. Metropolitan Museum of Art New York, Hofmobiliendepot Wien, Basel, Salzburg, Dresden,
- Aktuelle Ausstellungen: Heidecksburg Rudolstadt, Kirms-Krackow-Haus Weimar, Hampton Court Place London

Termine:
- 10. Juli, 17 Uhr, Vortrag über die Kunst des Serviettenfaltens, Heidecksburg Rudolstadt
- 22. August, 17.30 Uhr, , Vortrag über die Kunst des Serviettenfaltens, Kirms-Krackow-Haus, Weimar, Vortrag über die Kunst des Serviettenfaltens
- 24. August, 14 Uhr, Sonderführung und Faltworkshop, Heidecksburg Rudolstadt
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5 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 01.07.2014 | 16:20  
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Renate Jung aus Erfurt | 01.07.2014 | 19:03  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 01.07.2014 | 22:02  
Ines Heyer aus Saalfeld | 04.07.2014 | 08:58  
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Renate Jung aus Erfurt | 04.07.2014 | 14:07  
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