Leipziger Buchmesse: Lesbare Nischen oder Begeisterung für Literatur wecken

Blick in die Eingangshalle zur Leipziger Buchmesse 2012. (Foto: Leipziger Messe GmbH/Norman Rembarz)
 
Publizist und Verlagsleiter Holger Elias und Geschäftsführerin Andrea Hartleb vom Verlag Der Neue Morgen.
Saalfeld/Saale: Algemeiner Anzeiger | Lesbare Nischen oder Begeisterung für Literatur wecken

Der Buchmarkt wird durch regionale Verleger deutlich aufgewertet


SAALFELD. Alljährlich lädt die Leipziger Buchmesse Jung und Alt zu einer Reise durch die große, bunte Welt der Bücher und Medien ein. Das Besondere, es ist eine Messe für die Verbraucher. Für die Menschen, die für ihr Buch Geld ausgeben. Vor Ort kann man mit Verlegern und Autoren ins Gespräch kommen, sie hautnah erleben.
Es ist eine Messe, welche vom Flair und den Angeboten der kleinen, regionalen Verlage lebt. Hochwertige Druckwerte, welche sie im Konzert der großen Verlage mitspielen lässt.
AA-Redakteur Andreas Abendroth hat bei den hiesigen Verlagen nachgefragt. Wo liegen die Interessen und Trends bei den Lesern aus Sicht der Verleger?


Holger H. Elias, Verleger Der Neue Morgen, Rudolstadt: „Als kleiner Verlag muss man sich in der Welt der Großen behaupten. Und das geht nur, wenn man sich Nischen sucht. Damit auch die Wünsche und Nachfragen der Leser bedient. Ein Beispiel dafür ist die Geschichtsaufarbeitung. Bisher geschieht dies sehr einseitig. Durch Wissenschaftler und Historiker. Es gilt, die Geschichte neu zu betrachten. Und wer kann dies am besten? Natürlich Menschen, welche die Zeit hautnah selbst erlebt haben. Diese dürfen sich in unseren Druckwerken äußern.
Als Beispiel möchte ich das Buch des DDR-Militärstrafgefangenen Klaus Auerswald mit dem Titel “… sonst kommst du nach Schwedt!” oder Ulla Spörls „Der Junge aus Untermhaus“, welche die Kindheit und Jugend des Otto Dix beschreibt nennen. Darüber hinaus suchen wir mit unseren Büchern auch immer einen Bezug zwischen Vergangenheit und Gegenwart. “Hexen, Zauberer, Dämonen” ist die Zusammenfassung der erzählenden Geschichten aus dem Hexenhammer der beiden Inquisitoren Jacob Sprenger und Heinrich Kramer. Es geht uns darum Erinnerungen wach zu halten. Das bis ins 18. Jahrhundert Menschen zu unrecht auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurden. Aber auch, dass Folter, Denunzierung bis heute allgegenwärtig sind und nicht nur etwas aus der Geschichte. Ähnlich verhält es sich mit den zwei Bänden „Der Mensch Jesus aus Nazareth“. Manfred Silge wirft aus atheistischer Sicht einen Blick auf die Geschichte der Evangelien.
Ich denke, mit unserem Verlagsprogramm, unseren Autoren, treffen wir den Nerv der Zeit, fördern soziale Diskussionen in der Gesellschaft. Ein Maßstab, der uns bereits einige Bestseller bescherte.“

„Meinen Verlag könnte ich als Fach- und Sachbuchverlag für okkulte, heidnische und akademische Literatur umschreiben. Wissenschaftliche Themen aus diesem Bereich werden durch die Autoren populär aufbereitet. Ein Beispiel ist der Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie, Mark Benecke. Seine Bücher „Vampire unter uns!“ geben Einblicke zum realen Vampirleben im heute. Ein druckfrisches Werk trägt den Titel „Der Gehörnte“. Es geht um die Ur-Natur des Mannes. Eine spannende Würdigung des "Wilden Mannes" und was bis in die heutige Zeit daraus geworden ist. Eine Möglichkeit seine Männlichkeit wieder zu entdecken und dabei neu zu definieren.
Mit den verlegten Büchern gehen, begeben wir uns auf die Suche nach den Ursprüngen. Wollen einstige Kulturen heute begreifbar machen. Die Leser meiner Edition befinden sich rund um den Globus. In den USA, in Australien und Israel. Deshalb erscheinen die Bücher seit sieben Jahren zusätzlich auch in englischsprachigen Ausgaben. Das hat zur Folge, dass sich auch ausländische Autoren an mich wenden.“

Sebastian Lübcke, Zeilenwert GmbH, Rudolstadt: „Wir sind kein Buchverlag. Wir veredeln das Geschriebene der Autoren in die digitale Form. Anders gesagt, bei uns entstehen E-Books. Die Bücher werden durch die Verlage bei uns als Textdatei angeliefert. Unsere Mitarbeiter wandeln diese Buchvorlagen dann in alle gängigen elektronisch lesbaren Formate um. Auf Wunsch werden diese auch noch mit einem Kopierschutz versehen. Von uns aus werden diese verkaufsfertigen E-Books an die jeweiligen Shops übermittelt.“

Kathrin Stern, Verlag des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg: „Ein Museum wie das unsrige bietet seinen Gästen eine facettenreiche Ausstellungswelt an. Gerne geben wir auch weiteres, ausstellungsübergreifendes Wissen und Hintergrundinformationen weiter. Deshalb gründet das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg 1990 einen eigenen Verlag. Zunächst galt es den Hunger an Informationen zur Geschichte des Fürstenhauses Schwarzburg-Rudolstadt zu stillen. Später kamen Schriftenreihen zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte, zur Geschichte der Fröbel-Pädagogik und rund um naturwissenschaftliche Themen dazu. Unser neuestes Werk, es wir im Juni erscheinen, ist ein Werkverzeichnis zu Arbeiten der Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst. Erstmals wird der Bestand an Porzellanen der Schwarzburger Werkstätten des Thüringer Landesmuseum Heidecksburg in seiner Gesamtheit publiziert, wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt. Mit den bisher erschienen 50 Publikationen wollen wir aber nicht nur Geschichte und Erkenntnisse weiter geben. Wir wollen die Heidecksburg einen noch weiteren Besucherkreis bekannt machen.“
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