"Prinzenküsse" im Kulturpalast in Unterwellenborn

Wann? 28.09.2014 16:00 Uhr

Wo? Kulturpalast Unterwellenborn, Heinrich-Heine-Straße, 07333 Unterwellenborn DE
  Unterwellenborn: Kulturpalast Unterwellenborn |

Einladung „Prinzenküsse“

Ausstellung der Kulturfabrik Apolda und der Freien Akademie Köln
im ehemaligen Kulturpalast in Unterwellenborn


24.8. – 28.9.2014
Eröffnung SO 24.8.2014 – 16.00Uhr
im Kulturpalast Unterwellenborn
Heinrich Heine Straße, Unterwellenborn



Geöffnet:
MO-FR 14-18 Uhr
SA/SO 12-18 Uhr
Und nach Absprache mit Herrn Witt: 0160- 83 74 397



Teilnehmende Künstler:

Prof. Dr. Achim Preiß
André Kalies
Martin Reichmann
Antje Weißmann
Ralf Ahrens
Maria Schmidt- Dzionsko




Aufbau in Unterwellenborn mit Imogen Streul

Die Kulturfabrik Apolda als Preisträger 2014/15 des Wettbewerbs „Deutschland- Land der Ideen“ hat sich zur Aufgabe gemacht, mit kulturellen Initiativen die ländlichen Regionen in Thüringen, die unter demographischen Schwund leiden, wieder attraktiver zu machen, mehr Lebensqualität und damit eine Zukunft zu verschaffen. In diesem Zusammenhang ist die Kulturfabrik an die Bürgerinitiative herangetreten, die sich um den Erhalt des Kulturpalastes in Unterwellenborn in Südthüringen bemüht, und hat zwecks Unterstützung dieser Initiative eine Kunstausstellung angeboten. Es werden also vom 16.8. bis zum 13.9. etwa 100 Werke der Künstlerinnen und Künstler in Unterwellenborn zu sehen sein, die von der Kulturfabrik und der Partnerin „Freie Akademie Köln“ vertreten werden.
Der Kulturpalast gehört ohne Zweifel zu den spektakulärsten Gebäuden, die aus der Zeit der DDR heute noch erhalten geblieben sind. 1952 bis 55 wurde das Haus im Stil des stalinistischen Klassizismus erbaut und entsprechend eingerichtet. Die Raumdimensionen sind gigantisch und heute noch von gestalterischer Opulenz, Foyer, Treppenhaus, Festsaal, Bibliothek, Ausstellungssäle, ein Theater mit etwa 700 Sitzplätzen boten genügend Platz für Kulturveranstaltungen aller Art. Der Palast war Teil des VEB Stahlkombinats „Maxhütte“ in Unterwellenborn, das 1872 als Zweigwerk der oberfränkischen Maximilianhütte gegründet worden war, zwischen den Kriegen zum Flick-Konzern gehörte, von den Nazis als Rüstungswerk umfunktioniert wurde und nach dem 2. Weltkrieg als einziger erhaltener Stahlstandort der DDR hektisch ausgebaut und auf bis zu 7000 Beschäftigte erweitert wurde. Das Dorf Unterwellenborn und die nahe Kleinstadt Saalfeld waren auf diese Massen und ihre Bedürfnisse kaum vorbereitet, was ein Grund für den aufwendigen Bau des Kulturpalastes war, der darüber hinaus noch die überragende wirtschaftliche Bedeutung der Maxhütte für die junge DDR unterstreichen sollte.
Das Gebäude liegt aber nicht im Komplex des Stahlwerks, sondern am gegenüberliegenden Ortsrand von Unterwellenborn, wo es heute kaum noch zu finden ist. Nur eine schmale Straße führt dorthin und die Hecken, Büsche und Bäume des großen Gartengeländes verstellen die Sicht auf die Architektur. Seit 20 Jahren außer Dienst ist der Palast in einen Dornröschen-Schlaf versunken. Die öffentliche Hand und des Stahlwerk, das heute zu einem brasilianischen Stahlriesen gehört, haben sich nach der Wende von dem Betrieb und dem Unterhalt des Palastes zurückgezogen, aber anders als im Märchen wird der Kulturpalast einen hundertjährigen Schlaf nicht überstehen. Die zahlreichen Lecks in den Dächern lassen vermuten, dass die kussbereiten Prinzen aus Köln und Apolda zu spät kommen.
Zur Zeit der DDR war der Kulturpalast ein angesehener und stark frequentierter Veranstaltungsort für Kunstausstellungen, der auch mit Sachverstand kaufte und so eine bis heute vorhandene Sammlung anlegte. Die etwa 250 Werke befinden sich heute ohne eigene Schauräume im Archiv des Stahlwerks. Die nun veranstaltete Ausstellung der Kulturfabrik Apolda und der Freien Akademie Köln ist nach 20 Jahren also die erste, die versucht an die große Tradition des Hauses anzuknüpfen, dennoch könnte es die letzte und eine Art Abschied sein, bevor der Zahn der Zeit den Palast ganz unbenutzbar macht. Aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.
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