Schloss Schwarzburg - Eine königliche Ruine soll wieder erblühen

Nach über 15 Jahren konnte die Stützkonstruktion am Mittelrisalit des Schlosses Schwarzburg abgenommen werden. Fotos: Andreas Abendroth
 
Auskunftsfreudig: Prof. Dr. Helmut-Eberhard Paulus, Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten
Schwarzburg: Schloss Schwarzburg | Eine königliche Ruine soll wieder erblühen

Größenwahn ruinierte Thüringer Barockschloss / Schloss Schwarzburg soll ein Aushängeschild werden.

Von Andreas Abendroth

SCHWARZBURG. „Das Schloss wäre früher oder später vom Felsen gekippt und ins Tal gestürzt“, schildert Prof. Dr. Helmut-Eberhard Paulus, Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die bisherige Ausgangssituation rund um das Schloss Schwarzburg. „Die statische Situation erforderte ein sofortiges Handeln, damit nicht alles wie ein Kartenhaus zusammen fällt“, erläutert er weiter. „Durch die Maßnahmen zur Bestandsicherung kippt es jetzt aber zum Glück nicht mehr“, fügt der Stiftungsdirektor ruhig und mit einer Erleichterung in der Stimme an.
Doch man muss einige Jahrzehnte in den Geschichtsbüchern zurück blättern, um die Ursache des Verfalls zu erfahren.

Bis 1940 gehörte die Schwarzburg zu den imposantesten Schlossanlagen Deutschlands. „Es hat eine beeindruckende Architektur, fast einen königlichen Anspruch“, sinniert Paulus. Dann kam der Größenwahn der Architekten der Nationalsozialisten. Das Schloss als Prestigeobjekt, als Reichsgästehaus. Es erfolgte ein brutaler Eingriff in die gesamte Schlossanlage. Am Schlosshauptgebäude wollte man die Statik überlisten. Das Gebäude wurde zunehmend instabiler. 1942 hinterließ das Reichsbauamt eine Ruine. Im Jahre 1996 wurde das Gebäude mit einem Stahkorsett versehen und abgestützt werden.
„Mit der Zerstörung des Schlosses war auch der Niedergang des Ortes Schwarzburg als Erholungsort ersten Ranges verbunden“, betont Paulus.

Jetzt soll das Ensemble des Schlosses wieder zu dem Wahrzeichen im Schwarzatal werden.

“Es gibt eine sehr umfangreiche Fotodokumentation des Schlosses vor der Zerstörung und somit haben wir ein klares Ziel“, so der Tenor.

Seit 2010 lässt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten das Hauptgebäude sichern. Teile der Mauerkrone mussten aufgemauert, die Wände neu verankert, die mittlere Fassadenfront durch einen Stahlbetonbalken stabilisiert werden. Es folgten die Sanierung und der teilweise Neuaufbau des Dachstuhls und dessen Eindeckung.
Dann der große Augenblick. Nach 15 Jahren konnte die Stützkonstruktion entfernt werden. Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen. „Es geht weiter voran. Wir liegen gut mit unserem Bauvorhaben und den finanziellen Mitteln. Bis 2015 soll die Sanierung des Schwerpunktprojektes abgeschlossen sein“, so Direktor Paulus. Im zeitlichen Einklang soll auch der Ausbau nach dem Innen-Nutzungskonzept erfolgen. Hier soll am Ende ein gemeinsames Ergebnis präsentiert werden. Ein Ideenwettbewerb soll die Lösung bringen.

“Letztendlich muss die Gesamtanlage aus Schloss, Kaisersaal und Zeughaus betrachtet werden. Ein einmaliges Barockschlossensemble als Schmuckstück. Mitten im Thüringer Wald“, so Prof. Dr. Paulus abschließend.

HINWEIS:
In den ersten Bauabschnitt flossen rund 750.000 Euro. Darin enthalten sind Mittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Höhe von 250.000 Euro. Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie stellte 200.000 Euro zur Verfügung. Für den zweiten Bauabschnitt, er soll noch in diesem Jahre abgeschlossen werden, sind 800.000 Euro vorgesehen. Die Kosten für die gesamten Sicherungsmaßnahmen belaufen sich voraussichtlich auf 4,6 Millionen Euro.
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