Tag des offenen Denkmals - „Unbequeme“ kirchliche Denkmale

Zum Tag des offenen Denkmals kann man in Bereiche vordringen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Hier ein Blick von "oben" in den Mariendom Erfurt. Foto: Andreas Abendroth
Der Tag des offenen Denkmals aus katholischer Sicht

Einblicke in Bereiche, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind

ERFURT. In knapp 2.000 katholischen Kirchen und weiteren kirchlichen Bauten in 24 Diözesen werden anlässlich des bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, den 8. September 2013, Sonderprogramme und Führungen für Besucher angeboten. Gezeigt werden auch Bereiche, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat den „Tag des offenen Denkmals“ 2013 unter das Motto „unbequeme Denkmale“ gestellt. Hierzu kann die katholische Kirche viel beitragen: Unter ihren zahlreichen Denkmalen befinden sich Asylstätten für Verfolgte, Ruhestätten für Märtyrer sowie Mahnmale für Freiheit – allesamt sperrige Monumente gegen Ideologien. Beispielsweise kann man heute die bildstockartigen „Asylzeichen“ zur Markierung des Schutzbezirks eines ehemaligen Kirchenasyls immer wieder entdecken. Dass die Kirche oft auch unbequeme Aufgaben für das Gemeinwesen wahrgenommen hat, belegen ihre teilweise schon im Mittelalter gegründeten Hospize, Frauenhäuser, Suppenküchen, Wärmestuben, Waisenhäuser und Einrichtungen für psychisch Kranke und Behinderte. Diese „unbequemen Denkmale“ sind – denkmalgerecht modernisiert – vielerorts bis heute in Betrieb.

„Unbequem“ sind auch die kunstvollen Altäre und gläsernen Sarkophage mit Märtyrer- und Heiligen-Skeletten in katholischen Kirchen. Sie sind nicht nur Glaubenszeugnisse, sondern rütteln auch zum „Memento mori!“ auf. Ebenfalls unbequeme Orte sind die kirchlichen Gedenkstätten für die zahlreichen katholischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts: Ihrer Erinnerung sind in Deutschland etliche katholische Kirchen gewidmet.

Die „Unbequemlichkeit“ des katholischen Kirchbaus der 1930er und 1940er Jahre – herausragende Baumeister waren etwa Dominikus Böhm, Rudolf Schwarz oder Hans Rummel – diente auch später zum Vorbild: Der Nachkriegs-Kirchenbau entwickelte den asketischen Stil weiter, wandte sich vom früheren „Burg“-Modell (Bollwerke gegen den weltlichen Totalitarismus) dem neuen Modell des „Zeltes“ (Pilgerschaft des Volkes Gottes) zu und nutzte die optimierten Werkstoffe Stahlbeton und Glas großzügig in allen Varianten. Einige dieser „Betonkirchen“ stehen heute aufgrund städteplanerischer Wandlungsprozesse leer. Für sie angemessene Nachnutzungskonzepte zu finden, ist eine zwar unbequeme, aber auch sehr spannende Aufgabe für die Kirche.

INFORMATIONEN:
In Thüringen haben beispielsweise geöffnet:
Erfurt
- Mariendom, regelmäßige Führungen zu „Gloriosa“-Glocke, 13.00 bis 18.00 Uhr
- St. Severi (Domberg), 13.00 bis 18.00 Uhr
- Allerheiligen Kirche (Kolumbarium für Christen und Nichtchristen), 10.00 bis 18.00 Uhr
- St. Wigbert, (mit zeitgenössischer Glasmalerei), 10.00 bis 13.00 Uhr
- Ursulinenkloster, 10.00 bis 17.00 Uhr, Führungen: 10.00 und 15.00 Uhr

Ilmenau
- Bergmannskapelle, Unterer Berggraben 2a, 10.00 bis 17.00 Uhr

Stützerbach
- Christuskirche, Schleusinger Straße, 98714 Stützerbach, 14 - 18 Uhr (sonst nicht geöffnet)

Weitere Kirchen-Denkmale finden sich unter www.tag-des-offenen-denkmals.de/programm.
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