Tine Wittler: Die mauretanischen Frauen sind sehr starke Persönlichkeiten

Am 28. Februar, 20.00 Uhr, stellt die Fernsehmoderatorin und Autorin Tine Wittler in Bad Blankenburg ihr Buch „Wer schön sein will, muss reisen“ vor. Foto: Agentur
Bad Blankenburg: Stadthalle | Die mauretanischen Frauen sind sehr starke Persönlichkeiten

BAD BLANKENBURG. Am 28. Februar, 20.00 Uhr, stellt die Fernsehmoderatorin und Autorin Tine Wittler in Bad Blankenburg ihr Buch „Wer schön sein will, muss reisen“ vor. Roberto Burian sprach im Vorfeld mit der Autorin.

Mit dem Namen Tine Wittler verbindet man automatisch die TV- Show „Einsatz in vier Wänden“, für welche Sie und ihr Team 2004 den deutschen Fernsehpreis erhielten. Nervt Sie das?

„Einsatz in 4 Wänden“ war ein sehr wichtiger Teil meines Lebens und meiner Karriere. Aber auch meine Bücher und meine anderen Unternehmungen wie meine Bar sind mir wichtig. Mit „Wer schön sein will, muss reisen“ kehre ich zu meinem ursprünglich erlernten Beruf, der journalistischen Arbeit, zurück. Das tun zu können, macht mich sehr glücklich. Ich brauche die Vielseitigkeit in meinem Leben.

Am 28. Februar lernen die Besucher der Bad Blankenburger Stadthalle die Autorin kennen. Für Ihr Buch „Wer schön sein will, muss reisen“ fuhren Sie ins afrikanische Mauretanien. Warum gerade dorthin und wie lange wurde recherchiert?

Insgesamt waren mein kleines Team und ich für sechs Wochen vor Ort und haben dort nicht nur für das Buch recherchiert, sondern auch gedreht. Der Dokumentarfilm zum Projekt kommt im Herbst in die Kinos. Mauretanien habe ich deshalb als Ziel gewählt, weil das dortige Schönheitsideal sich vom unsrigen stark unterscheidet: Traditionell gelten dort die runden und nicht die schlanken Frauen als besonders schön. Aber dieses traditionelle Schönheitsbild wandelt sich derzeit. Das hat die Recherchen noch einmal spannender gemacht. Mit meinem Titel „Wer schön sein will, muss reisen“ meine ich übrigens auch gar nicht in erster Linie die äußere Schönheit! Ich denke, dass es einen Menschen schön macht, wenn er offen und tolerant ist. Wenn er bereit ist zu lernen. Wenn er in der Lage ist, die Perspektive zu wechseln und sich auf Reisen zu begeben – ob nun im Kopf oder indem er wirklich seine Koffer packt und loszieht.

In der Islamischen Republik Mauretanien ist die Scharia Gesetz, welche die Eigenständigkeit der Frauen stark einschränkt. Ist es da nicht geradezu absurd, das Wort Schönheit überhaupt in den Mund zu nehmen?

Die mauretanischen Frauen sind sehr, sehr starke Persönlichkeiten. Sie haben sich trotz der Gesetzeslage in ihrem Land viele Freiheiten erkämpft und sind sehr aktiv, um ihre Ziele erreichen zu können. Gleichzeitig haben auch die Mauretanierinnen ein großes Streben nach „Schönheit“: Sie haben ihre eigenen Schönheitsrituale und Gepflogenheiten. Aber anders als wir deutschen Frauen, die wir uns oft mehr oder weniger freiwillig einem Schönheitsideal unterordnen, kann ein mauretanisches Mädchen sich zum Beispiel der traditionellen Zwangsfütterung, die es vereinzelt bis heute gibt, oft nicht entziehen. Es gibt viele starke Frauen in Mauretanien, die dagegen ankämpfen. Das ist sehr bewundernswert, und diese Frauen verdienen es, dass ihre Arbeit wahrgenommen und gewürdigt wird. Auch dies ist mein Anliegen.

Ihr Buch ist ein sehr persönlicher Bericht über eine Welt, deren Schönheitsideale ganz sicher andere sind als in Europa. Was hat Sie persönlich vor Ort am meisten beeindruckt?

Die mauretanischen Frauen haben ein starkes kollektives Bewusstsein dafür, wie sie gemeinsam daran arbeiten können, ihre eigene Situation zu verbessern. Und sie sind sich dessen sehr bewusst, dass äußere Schönheit nicht mit innerer Schönheit gleichzusetzen ist. Das leben sie auch. Und das hat mich tief beeindruckt.

Moderatorinnen oder Nachrichtensprecherinnen im deutschen Fernsehen haben fast immer die sogenannte Idealfigur. Bei manchen Models hat man den Eindruck, dass eine „Wirbelsäule auf Beinen“ über den Laufsteg stöckelt. Wie ist Ihre Meinung zum Schlankheitswahn?

Ich denke: Die grundlegende Frage, die eine Frau sich stellen sollte, ist die Frage danach, wofür ihr Körper da sein soll. Soll er dafür da sein, dass andere ihn anschauen, be- oder gar verurteilen – beziehungsweise ihn als „schön“ ansehen? Oder soll er dafür da sein, dass sie selbst sich genau so, wie es für sie persönlich richtig ist, auf dieser Welt bewegen und jene Dinge tun kann, die sie tun möchte? Mit meinem Buch rege ich dazu an, über genau diese Frage nachzudenken. Eine ehrliche Antwort darauf zu finden, hat mir persönlich sehr geholfen, den Wahn Wahn sein zu lassen. Es ist meine eigene Entscheidung, ob ich ein Teil dessen sein möchte oder nicht.

Sicher sind die Mehrzahl der Besucher bei den Lesungen Frauen. Welche Fragen müssen Sie am häufigsten beantworten?

Fragen, die vor Ort gestellt werden, sind oft ganz konkrete Fragen zur Lebenswirklichkeit der mauretanischen Frauen – wie es dort mit Beziehungen aussieht zum Beispiel. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass viele erst einmal sacken lassen müssen, was sie gehört haben, und eine ganze Weile darüber nachdenken. Mittlerweile diskutieren Lesungsbesucherinnen und –besucher meiner Tournee das Thema zum Beispiel auch in Gruppen bei facebook, um sich im Nachhinein auszutauschen und eine Möglichkeit zu finden, das Gehörte und das neue Wissen auch in ihr eigenes Leben zu integrieren.

Eine Frau mit einer anderen Figur als etwa Heidi Klum war damals etwas Neues im Fernsehen. Mittlerweile hat Cindy aus Marzahn die Stelle von Michelle Hunziker bei "Wetten, dass.?" übernommen. Sind die starken Frauen in den Medien auf dem Vormarsch?

Ich glaube fest daran, dass es notwendig und richtig ist, auch in den Medien jene Vielfalt abzubilden, die unsere Lebenswelt ausmacht.

Sie leben in Hamburg, haben aber schon so manche Ecke Deutschlands beruflich kennengelernt. Wie gefällt Ihnen Thüringen?

Ich mag Thüringen! Wir haben dort schon manches Mal gedreht und ich freue mich, zurückzukehren.

Als Moderatorin, Unternehmerin, Autorin und Wirtin haben Sie alle Hände voll zu tun. Wann oder wobei kann Tine Wittler relaxen?

Am besten entspanne ich mich in meinen eigenen vier Wänden. Ich liebe mein Zuhause. Aber um mit meinem Buch auf Reisen zu gehen, dafür verlasse ich es gern!

Vielen Dank für das Gespräch, wir sehen uns in der Stadthalle.

Gerne! (Sie lacht...)
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Renate Jung aus Erfurt | 04.04.2013 | 00:25  
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