Wigald Boning kommt nach Rudolstadt: "Ich kann nur jedem raten, sich seine Mittelmäßigkeit schönzureden."

Wann? 03.12.2015 20:00 Uhr

Wo? Soziokulturelles Zentrum, Saalgärten 1B, 07407 Rudolstadt DE
Vom Bambi über den Echo bis hin zum Adolf-Grimme-Preis hat Wigald Boning nahezu jeden Preis gewonnen. Mit seinem Buch und Diavortrag über sein seltsames Hobby - er sammelt Einkaufszettel - kommt er jetzt nach Rudolstadt. (Foto: Willi Weber)
Rudolstadt: Soziokulturelles Zentrum |

Komiker, Autor, Musiker und Moderator Wigald Boning sammelt Einkaufzettel. „Sag mir, was du einkaufst, und ich sag dir, wer du bist“ lautet das Motto seines Bildervortrages, mit dem er am 3. Dezember nach Rudolstadt kommt. Mit mir sprach er über sein verrücktes Hobby, die aktuelle Fernsehlandschaft und seine Liebe zu Elvis-Presley-Filmen.

Welcher Einkaufszettel war schuld an Ihrem seltsamen Hobby? Wann haben Sie gedacht, den behalte ich jetzt und haben dann weitere gesammelt?
Ich hatte einmal 1999 zehn Stück geschenkt bekommen von einem Supermarktleiter, mit dem ich mich über Einkaufszettel unterhalten hatte. Die lagen lange herum bei mir und erst ein Jahr später hatte ich mir die einmal genauer angeguckt. Und auf dem ersten, den ich mir genauer angeguckt habe, steht ganz oben „Getränke“, dann lange nichts und dann geht es weiter mit Milch, Maggi-Zeug, Blumenerde, graue Hose, Brötchen. Und da dachte ich mir: Warum diese lange Lücke zwischen den Getränken und dem Rest? Das war der Ausgangspunkt. Das sind dann schon so Fragen, die einem kommen. Fragen, bei denen man auch zu Deutungen kommt und etwas über den Autoren des Zettels erfährt.

Sie fürchten ja um die Schlagzeile: „Früher großer Fernsehstar - jetzt wühlt er im Müll.“ Denn Sie finden die Einkaufszettel nicht immer im Einkaufswagen.
Stimmt. Die liegen oft auch auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt oder in den Blumenrabatten, die den Parkplatz oft umschließen. Ab und zu bekomme ich auch welche zugesteckt von lieben Mitmenschen, was mir immer ein bisschen suspekt ist, weil ich ja nicht genau weiß, ob diese Zettel authentisch sind. Und oft liegen die Zettel im Mülleimer. Früher habe ich da gar nicht lange nachgeschaut. Aber mittlerweile bin ich sehr abgehärtet. Kein Mülleimer ist vor mir sicher.

Es geht um mehr als um Lebensmittel und Kosmetik: Sie treffen beispielsweise auf Liebeserklärungen und erhalten Einblick ins Private wie aus einem Tagebuch.
Es gibt diese Liebeserklärung: „Ich liebe dich für immer, mein Schatz. Kuss.“ Wenn so etwas unter der Einkaufsliste steht, die im Mülleimer liegt, kann das sogar etwas sehr Tragisches haben. So etwas wirft man ja nicht weg. Aber Liebeserklärungen, in der Tat, habe ich schon gefunden. Oft sind es persönliche Botschaften auf Zetteln, die für andere geschrieben sind. Und das kommt häufig vor. Normalerweise sind es Frauen, die Zettel für Männer schreiben. Ganz selten nur umgekehrt.

Ach, man schreibt sich gar keine eigene Einkaufszettel, sondern bekommt welche geschrieben?
Nein, in der Regel schreibt man für sich selber. Ich denke, dass 97 Prozent all meiner Zettel für den Autoren selber geschrieben sind. Das erkennt man auch schnell an der Rechtschreibung, an bestimmten Abkürzungen, die man so nur nutzt, wenn man davon ausgeht, dass man selber der einzige Leser ist. Aber es gibt eben auch drei Prozent Zettel für andere. Die alte Dame, die ihren Bufdi zum Einkaufen schickt. Oder die Ehefrau, die ihren Mann schickt. In vielen Haushalten scheint es so zu sein, dass die Hausherrin für die Zettelschreiberei zuständig ist. Was mir noch nie begegnet ist: dass ein Mann für eine Frau schreibt. Ich mache auch bei jeder Veranstaltung eine kurze Abstimmung: „Ist hier vielleicht ein Mann, der für eine Frau schreibt?“ Das ist mir erst ein, zwei Mal begegnet.

"Klar, die meisten Leute werfen die Zettel weg. Man kann ja auch nicht davon ausgehen, dass jetzt ein Wigald Boning kommt und den Mülleimer durchwühlt."


Bei uns zu Hause hängt der Zettel neben dem Kühlschrank und jeder schreibt darauf, was ihm fehlt.
Das ist zum Beispiel interessant, denn man hat verschiedene Handschriften. Das ist dann für den Einkaufszettelanalysten natürlich total komplex, herauszufinden, wer warum was wo notiert hat. Ob das eine WG ist oder ob jemand schizophren ist. Das weiß man dann nicht.

Andere Zettel offenbaren Diätpläne, manchmal sogar den ganzen Gesundheitszustand. Wundern Sie sich manchmal, welche intimen Dinge im Wagen gelassen werden - auch im Rahmen der ganzen Datenschutzdiskussionen?
Das wundert mich schon manchmal. Wobei es auch Leute gibt, die ihren Zettel, ehe sie ihn wegwerfen, in kleine Teile zerreißen. Vor allem im Fachbereich Gesundheit zum Beispiel. Da gibt es Medikamentensammlungen, die vollständige Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zulassen. Das ist manchmal absolut tragisch. Wenn ich einen Arzt im Publikum habe, lasse ich mir auch gerne erklären, was für eine Diagnose da angebracht ist. Und das ist wirklich manchmal niederschmetternd.
Klar, die meisten Leute werfen die Zettel weg. Man kann ja auch nicht davon ausgehen, dass jetzt ein Wigald Boning kommt und den Mülleimer durchwühlt. Ich kann auch nicht überall sein.

Einerseits könnte man manchmal meinen, hier hat man den Zettel einer gescheiterten Existenz, der fast nur aus Alkohol für den Eigenbedarf besteht. Andererseits scheinen Einkaufszettelschreiber ja einen Plan zu haben, schließlich strukturieren sie diesen Teil ihres Lebens.
Ich habe einige Zettel in meiner Sammlung, die sind wirklich traurig. Da fügt sich oft alles zusammen: Die Handschrift, bestimmte orthographische Schwächen, auch die Produkte. Dann ist das Bier ganz, ganz dick unterstrichen - als besonders wichtiges Produkt. Auch lustig dann: „3 x Bier (mehr nicht)!!!“ Gibt es auch. Man kann darüber schmunzeln, aber in der Tat gibt es einen sehr ernsten Kern.

Manche Menschen strukturieren ihre Zettel nach Bereichen im Supermarkt, andere Zettel sind eher wirr.
Ja, die gehen in Gedanken schon einmal durch den Supermarkt und schreiben es so auf, dass man nicht hin-, vor-, zurück- und die Wege mehrmals gehen muss.

Ist es auf dem Einkaufszettel wie im wahren Leben?
Es wäre denkbar. Ich kann das nicht abschließend sagen, da ich die Personen normalerweise nicht kenne, die das aufgeschrieben haben. Aber es liegt nahe, dass diese Personen auch in anderen Lebensbereichen planvollen Kurs halten. Ich weiß von einem Zettel, den hat ein Architekt geschrieben. Und tatsächlich ist dieser Zettel angeordnet wie der Grundriss des Supermarktes.

"Das literarische Genre Einkaufszettel wird irgendwann nicht mehr existieren."


Manche Einkaufszettel stammen aus dem Jahr 1999 - haben sich die Einkaufsgewohnheiten seitdem geändert?
Erstaunlich wenig, ehrlich gesagt. Ich glaube eher, dass sich die Notizgewohnheiten ändern. Es gibt immer weniger Einkaufszettel, die geschrieben werden. Immer mehr Apps. Und es wird sicherlich eine Epoche kommen, in der einfache Zettel gar nicht mehr geschrieben werden. Also das Fernziel ist dann der intelligente Kühlschrank. Den gibt es ja auch schon als Prototypen. Der bestellt dann im Internet. Oder man bestellt sofort zu Hause - das erfährt jetzt schon starke Steigerungsraten. Dann bestellt man im Supermarkt, der nach Hause liefert und braucht gar keinen Einkaufszettel mehr. Das literarische Genre Einkaufszettel wird irgendwann nicht mehr existieren. Die Einkaufsgewohnheiten selber haben sich nicht erkennbar geändert. Es gibt natürlich ab und zu mal neue Produkte. Aber im Großen und Ganzen kann man keinen Unterschied in Ernährungsgewohnheiten feststellen.

Wie sind die Reaktionen im Publikum? Erkennen sich die Menschen wieder? Schämen sie sich manchmal fremd?
Das kommt alles vor. Ich glaube, das Entscheidende ist erst einmal, dass jeder Mensch weiß, was ein Einkaufszettel ist. Die allermeisten Menschen waren auch schon einmal im Supermarkt und haben eingekauft. Und das Phänomen, so etwas aufzuschreiben, ist uns allen geläufig. Auch Handschriften und wie man sie deuten kann, das kennt jeder seit der ersten Klasse Grundschule, dass man mal guckt, wie der Nachbar denn so schreibt und was man damit so verbinden kann. Da gibt es natürlich immer wieder - Rechtschreibfehler möchte ich sie gar nicht nennen - individuelle Schreibweisen. Insgesamt ist das etwas, wo sich jeder Mensch wieder finden kann. Was ja ganz schön ist. Es gibt ja wenige Themen, die wirklich alle Menschen interessieren. Es klingt jetzt zunächst obskur, ist aber so: Einkaufszettel ist ein solches Thema.

Stammen die Zettel nicht alle aus dem gleichen Supermarkt, in dem Sie sowieso einkaufen? Sprich: Erfahren Sie nicht in erster Linie etwas über Ihre Bernbeurer Nachbarschaft?

Nein, ich komme viel rum. Ich habe Auftritte überall. Das ist auch gut so, weil man sonst bestimmte Unterschiede zwischen Stadt und Land gar nicht so wahrnehmen und würdigen könnte. Also zum Beispiel im Allgäu wird eher Fleisch verzehrt und die meisten Menschen leben in Familien. Das erkennt man dann schon am Umfang des Einkaufszettels. Da steht einfach wesentlich mehr drauf. Alleinerziehende gibt es im Allgäu natürlich auch, aber wesentlich weniger als in der Stadt. Singles schreiben sowieso sehr viel seltener Einkaufszettel. Die haben das, was sie so brauchen, normalerweise im Kopf und haben auch das Geld, Spontankäufe zu wagen, müssen einfach seltener was sortieren. Einkaufszettel sind wahrscheinlich insgesamt in Familien verbreiteter.

Eine rheinische Mengenangabe: "was Wurst“.


Wenn die Zettel regional verschieden sind, wie sieht dann ein Thüringer aus?
Wenn auf dem Notizzettel vom „Hanseatischen Zertifizierungskontor“ die Schlager-Süßtafel steht, dann weiß ich, es kann sich nur um eine nordostdeutsche Hansestadt handeln. Dirndl stehen in der ersten Septemberwoche auf vielen Einkaufszetteln in München. Das hängt mit dem nahenden Oktoberfest zusammen. Es gibt jede Menge regionale Spezialitäten. Auch die Mengenbezeichnung „was Wurst“ findet man ausschließlich auf Einkaufszetteln aus dem Rheinland. Eine rheinische Mengenangabe.

Teilen andere durch Ihr Buch und Ihre Touren mittlerweile Ihr Hobby? Bekommen Sie schon Einkaufszettel zugeschickt?

Ja, ich bekomme welche zugeschickt. Das sind ganze Nachlässe, die mittlerweile kommen, seit sich herumgesprochen hat, das ich die Zettel sammle. Zum Beispiel kamen neulich bestimmt 100 fette Zettel aus dem Nachlass eines verstorbenen Braunschweigers, der tatsächlich Tagebuch und Einkaufszettel miteinander vermischt hat. Er hat die Zettel immer aufbewahrt. Auf diese Weise kann man jetzt eine Bilanz seines Lebens ziehen, wenn man in seinen Aufzeichnungen herumstöbert. Ob ich andere Leute anstecke, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass es außer mir noch durchaus weitere Sammler gibt - europaweit, zu denen ich auch in Kontakt stehe.

Schreiben Sie selbst auch Einkaufszettel? Könnte man aus Ihrem Einkaufszettel Ihre Leidenschaften für Musik oder Sport herauslesen?
Ehrlich gesagt, schreibe ich total selten Einkaufszettel. Das kommt vor, wenn ich einkaufe. Das ist dann aber relativ langweilig, weil ich einfach nur die Zutatenliste aus dem Kochbuch abschreibe. Es kann sein, dass das auch mit meinem Hobby zusammenhängt. Da würde ich mir komisch vorkommen. Vor allem würde ich auch mich selber analysieren.

"Ich kann nur jedem raten, sich diese Mittelmäßigkeit schönzureden und zur Königsklasse der Attraktivität zu erklären."


Ich habe vorher bei unseren Lesern angekündigt, dass ich mit Ihnen sprechen darf und ein paar Fragen gesammelt. Zwei ähnliche kann man sogar auf Einkaufszettel beziehen: Wie wichtig ist Ihnen Körperhygiene? Und eine Frage, die Prominente offenbar regelmäßig im Douglas-Magazin gestellt bekommen: Welcher Beauty-Tipp, hat sich für Sie bewährt?
Also, für mich als Komponist und Textdichter des Schlagers „Mief“ wäre es vermessen zu sagen, dass Hygiene für mich einen überdurchschnittlich überragenden Stellenwert genießt. Ich versuche, mich nicht häufiger zu waschen als der Durchschnitt der Bevölkerung.
Mein Beauty-Tipp? Das ist schwer zu sagen. Ich halte mich selbst nicht nur für durchschnittlich oft gewaschen, sondern auch für durchschnittlich attraktiv. Ich liege genau im Mittelfeld der bundesdeutschen Bevölkerung mit meinem äußeren Erscheinungsbild und ich kann nur jedem raten, sich diese Mittelmäßigkeit schönzureden und zur Königsklasse der Attraktivität zu erklären. So habe ich das gemacht und lebe sehr glücklich damit.





Dann auch die Comeback-Fragen, die Sie garantiert ständig zu hören bekommen. Wahrscheinlich auch, weil diese beiden Teile Ihres Lebens so beliebt bei den Menschen waren. Erstens: Wann kommt eine neue Doofen-Platte?
Aufgelöst haben wir uns doch schon 1996. Das ist ja schon so lange her. Das ist ja total lustig, dass man IMMER noch danach gefragt wird. Ist ja auch schön, aber ich kann ruhig vollmundig sagen, dass wenn Olli und ich uns wieder zusammentun, um eine neue Doofen-Platte zu machen, dann braucht mindestens einer von uns beiden ganz dringend Geld. Und dann stehen wir auch dazu. Denn dann handelt es sich um den Kampf gegen Altersarmut und dann bitten wir auch unsere mittlerweile genauso alten Fans herzlich um Unterstützung. Aber noch ist es nicht so weit.

Und zweitens: Gibt es ein Revival von „RTL Samstag Nacht“?

Ein Revival von „Samstag Nacht“ kann ich mir nicht vorstellen. Das müsste man auch bei RTL machen, weil die Rechte-Inhaber sind. Abgesehen davon, dass es auch gar keine Signale gibt, ist dieser Sendungstypus auch viel zu umständlich heutzutage und zu teuer. Das geht ja schon damit los, dass die Comedians sich von Fernsehredakteuren nur ganz wenig sagen lassen. Darauf lässt sich heute kaum ein Fernsehsender ein.
Heute macht man besser Castingshows mit Leuten, die erst einmal per Vertrag alle ihre Rechte abgeben. Komplett. Sie verzichten auf alles, was man theoretisch damit verdienen kann. Auch auf alle Rechte, inhaltlich mitzusprechen. Es gibt Ausnahmen: Tele 5 und „Der Klügere kippt nach“. Das muss ich jetzt mal lobend erwähnen, da ist das nicht so. Wir machen noch eine Staffel im Herbst. Aber bei den großen Sendern, zumal bei RTL, kann ich mir so eine Sendung nicht vorstellen. Die Fernsehlandschaft hat sich etwas verändert.

"Damals war ich tatsächlich großer Fan. Heute Promi-Big-Brother finde ich total uninteressant."


Andere Frage der Leser: Über welche Themen darf man keine Witze machen? Gibt es Tabus oder kann man über alles lachen?
Ich glaube, man kann grundsätzlich über alles Witze machen und lachen. Es kann aber nicht jeder. Es gibt Leute, die sollten über bestimmte Themen keine Witze machen. Wenn man jetzt gerade den Tod eines lieben Menschen hinter sich bringen muss, da fällt es einem schwerer über bestimmte Witze zu lachen. Und dann macht man solche Witze auch automatisch nicht. Aber es gibt darüber ja auch gar kein Gesetz. Gott sei Dank. Das muss im Einzelfall immer neu ausgehandelt und justiert werden. So ist das mit Geschmacksfragen.





Ich habe Sie damals schon einmal bei einer Big-Brother-Party getroffen. Sie trugen ein Jägerkostüm und sangen den Moorhuhn-Song. Damals sagten Sie, dass Sie ein Fan solcher Reality-Formate wie Big Brother wären.
Das erste Big Brother war ja auch super. Maria Böhmer, damals medienpolitische Sprecherin der CDU, sagte: Schluss mit Big Brother. Das verstoße gegen die Menschenwürde. Das war ein wildes Zeitalter. Ich war wirklich ein Fan davon, weil ich das für eine Demokratisierung des Fernsehgeschehens empfinde. Dass jemand wie Zlatko aufs Titelbild des Sterns kam mit seinem Dasein, das abgebildet wurde, das hielt ich ernsthaft für einen Akt der Demokratie. Vielleicht ist das Pendel auch ein bisschen weit ausgeschlagen in die andere Richtung. Keine Ahnung. Aber damals war ich tatsächlich großer Fan. Heute Promi-Big-Brother finde ich total uninteressant, denn das ist ja antidemokratisch, wenn man nur Promis zusammenholt. Mein Traum von Big Brother war ja immer, dass man in den Container den Philosophieprofessor und den Hartz-IV-Empfänger, den Nerd und den Verrückten, den Promi und den Nichtpromi zusammensteckt. Dass daraufhin dann ein interessantes Sozialexperiment entsteht. Aber wenn man das aufteilt - womöglich dann das nächste Mal das Hartz-IV-Big-Brother oder Tätowierten-Big-Brother oder Lesben-Big-Brother oder keine Ahnung - dann ist das wieder so separativ. Dann finde ich das langweilig.

Würden Sie denn ins Dschungel-Camp gehen?
Nein, Dschungelcamp ist wirklich völlig uninteressant. Alleine schon, weil es so lange dauert, wenn man Pech hat und so lange dabei bleibt, weil man nicht rausgewählt wird. Also, ich war noch nie in Australien. Aber das wäre auch blöd. Dann fährt man nach Australien und sieht nur diesen Pseudodschungel.

Auch die Moderation der Sendung interessiert Sie nicht?
Doch Moderation schon eher. Das könnte ich selbstverständlich machen. Aber die haben ja gute Leute. Ich will mich da jetzt auch keineswegs ins Spiel bringen.

Aber Sie sehen den Dschungel?
Nein. Doch. Ab und zu. Ich bin kein regelmäßiger Gucker. Aber es kommt auch vor, dass ich abends den Fernseher anmache. Da stolpert man ja drüber.

Auf einem Foto tragen Sie ein „I love Elvis“-Shirt, das zur Frage inspirierte: Wenn Sie mit Elvis einen Song singen könnten, welcher wäre das und warum?
Ich habe zurzeit ein Langzeitvorhaben. Das besteht darin, sämtliche Filme von Elvis Presley in chronologischer Reihenfolge durchzusehen. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie toll dies alles ist. Auch was für gute Filme mitunter dabei sind. „King Creole“ zum Beispiel ist absolut empfehlenswert. Und das würde ich auch gern sofort mit ihm zusammen singen. Aber „Love Me Tender“, das taucht übrigens im ersten Film auf, natürlich auch. Ich müsste mal gucken. Es gibt einige unschöne Erinnerungen, weil ich das auch im Klavierunterricht spielte, was allerdings mit wenig Spaß verbunden war, weil ich meine Klavierlehrerin nicht so gerne mochte. „Are You Lonesome Tonight“ zum Beispiel musste ich mit zehn Jahren lernen und das war anstrengend.





Alle Elvis-Filme schauen… Mit Ihrem aktuellen Musiklabel wollen Sie derzeit auch 100 Alben mit maximaler stilistischer Bandbreite herausbringen. Woher kommen diese monumentalen Langzeitprojekte?
Vielleicht weil ich so gerne Ausdauersport mache und dann färbt das ab. Also dass man so in längeren Zeiträumen denkt, könnte schon sein.

Die letzte Leserfrage als krönender und versöhnlicher Abschluss: Was wünschen Sie sich, wenn Sie eine Sternschnuppe sehen?
Oh, das darf man aber überhaupt nicht verraten, sonst geht der Wunsch nicht in Erfüllung. Das muss geheim bleiben. Das ist genauso, wie wenn mir eine Wimper ausfällt. Auch dann wünsche ich mir dringlich etwas. Und da habe ich so einen naiven Glauben, wenn nicht zu sagen: Aberglauben. Da würde ich die ganze Magie kaputt machen, wenn ich das verrate. Aber es hat nichts mit dem Beruf zu tun. Es ist ganz und gar aus dem privaten Bereich. So viel kann ich verraten.

Termin

Wigald Boning, Bilder-Vortrag „Butter, Brot und Läusespray. Was Einkaufszettel über uns verraten“, 3. Dezember, 20 Uhr, Soziokulturelles Zentrum (Saalgärten) in Rudolstadt

Tickets

www.meinAnzeiger.de/tickets

Hintergrund

- Bundesweite Bekanntheit erlangte Wigald Boning als festes Ensemblemitglied der Comedy-Sendung „RTL Samstag Nacht“,der von 1993 bis 1998 angehörte. Aktuell gehörte er unter anderem zur Besetzung der Polit-Satire-Show „Vier sind das Volk“ (ZDF) und der Talkshow „Der Klügere kippt nach“ (Tele 5).

- Das Doofen-Album „Lieder, die die Welt nicht braucht“ erreichte Platz eins der deutschen Charts und verkaufte sich über eine Million Mal.

- Vom Bambi über den Echo bis hin zum Adolf-Grimme-Preis hat Wigald Boning nahezu jeden Preis gewonnen.

- Ob 24-Stunden-Radrennen oder 100-Kilometer-Lauf - auch als Ausdauersportler gibt Boning eine gute Figur ab.

- „Butter, Brot und Läusespray: Was Einkaufszettel über uns verraten“ ist schon das sechste Buch von Wigald Boning.
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