"Wir kommen mit der Musik" - Initiativen aus Saalfeld und Kamsdorf als Brücke zwischen Orient und Okzident

Astrid Pautzke freut sich über das Konzert Abdallah Ghbash in Kamsdorf - Eine Brücke zwischen den Kulturen
 
Abdallah Ghbash ist aus Syrien geflohen, um in Freiheit musizieren zu können.
 
Astrid Pautzke bedankt sich bei Yara Wehbi für die Unterstützung
Kamsdorf: KUNSTRAUM | Orientalische Klänge verwoben mit europäischer Musik verspricht das Konzert am 26. Februar in Kamsdorf. Zusammen mit vielen weiteren Ehrenamtlichen organisieren Astrid Pautzke und Grit Einsiedel mit dem Kunstraum Kamsdorf dieses besondere musikalische Ereignis im Kamsdorfer Gemeindezentrum.
Im Mittelpunkt des Abends steht die Musik des syrischen Musikers Abdallah Ghbash. Gemeinsam mit "Querdas Saltandas", einer kleinen Gruppe aus Schülern und Eltern der Saalfelder Musikschule unter Leitung von Jana und Fritz Bauer, werden Brücken geschlagen, Brücken vom Orient zum Okzident (vom Morgen- zum Abendland), wie Astrid Pautzke zu Beginn feststellt.
Abdallah Ghbash kam im September 2015 über die Balkanroute nach Deutschland. Der begabte Musiker studierte sechs Jahre in Syrien Musik mit der Spezialisierung orientalische Kurzhalslaute, die Oud. Wegen wachsenden massiven politischen Drucks auf seine musikalische Arbeit durch den syrischen Sicherheitsdienst in Aleppo musste der Musiker 2011 Syrien verlassen.
Nach Aufenthalten in Libanon und Jordanien arbeitete und studierte er zwei Jahre in der Türkei und bildetet sich auf der türkischen Oud weiter. In den Jahren außerhalb Syriens entstanden zwei Alben, die in Jordanien und in Istanbul aufgenommen wurden. Da seine Aufenthaltserlaubnis für die Türkei von den dortigen Behörden nicht verlängert wurde, nahm der 28-jährige die beschwerliche Flucht bis nach Deutschland und bis nach Saalfeld in Kauf. Durch persönliche Kontakte mit der Familie Einsiedel gelang es schließlich, sein orientalisches Instrument aus der Türkei nach Deutschland zu holen. Über die Musik entstand eine private Freundschaft und es reiften Pläne, die Musik für die Verständigung zwischen Flüchtlingen und Deutschen sprechen zu lassen. So konnte mit Kontakten zum Ehepaar Bauer das Zupfinstrument Ensemble "Querdas Saltandas" der Musikschule Saalfeld für ein gemeinsames Konzert mit Abdallah Ghbash gewonnen werden.
Die Uraufführung der Komposition "For Syrian Children" für Oud und Zupfinstrumente während des Konzertes schlägt die Brücke zwischen Deutschland und Syrien. Abdallah Ghbash führt im perfekten Englisch durch sein Programm, das vor allem aus eigenen Kompositionen und von ihm ins Arabisch übersetzten Liedern bestand. Themen über Probleme der Menschen, für Revolution und Freiheit und über die Situation der Flüchtlinge stehen im Zentrum seiner Lieder.
Der eher unpolitische syrische Musiker wünscht sich für die Menschen in seiner Heimat und für den gesamten arabischen Raum ein Ende der Kriegshandlungen und einen friedlichen Wiederaufbau seiner Heimat. In all seinen Konzerten dankt er vor allem den deutschen Menschen, denn Regierungen können wechseln, die Menschen werden bleiben. Für sich selbst hofft der Musiker, dass er endlich das alles umsetzen kann, was ihm in Syrien verwehrt blieb. Viele musikalische Ideen und Projekte existieren bereits in seinem Kopf. Den Menschen, die gegen die Vielzahl an Kriegsflüchtlingen in Deutschland demonstrieren, möchte er die Botschaft mitgeben: Demonstriert nicht gegen die Flüchtlinge, demonstriert gegen den Krieg und die Menschen müssten nicht mehr fliehen.
"Ich hoffe, dass die Deutschen verstehen, dass die Kulturen, wie auch die Musik, so sehr verschieden sind, dass es viel Zeit brauchen wird, hier eine Integration zu erreichen. Mir liegt es auch sehr am Herzen, mit der Musik deutsche und geflohene Musiker, Deutsche und Flüchtlinge auf der Ebene von Mensch zu Mensch zusammenzubringen."
Dafür hat er den grausamen Spruch der IS-Terrormiliz "We're coming to slaughter you (Wir kommen, um euch zu schlachten)" in seine friedliche Mission der Musik übertragen: "We're coming with the music". Wir möchten mit Musik, Frieden und der Kunst schaffen und für Menschlichkeit und Völkerverständigung werben.
Dieses Konzert ist ein Ausdruck der ehrenamtlichen Initiativen für Flüchtlinge, die in Saalfeld und Umgebung ihren Niederschlag finden.

OASE – ein Platz für die Kunst

Astrid Pautzke bietet seit Sommer 2015 in ihrer Kunstwerkstatt OASE, Flüchtlingen, die in ihrer Heimat Kunst studiert haben oder bereits als bildende Künstler tätig waren, eine kulturelle Heimat. Sie stellt fest." Diesen Menschen, die alles verloren haben und nur ihr Können aus ihrer Heimat mitgebracht haben, muss geholfen werden.
"Es ist wohltuend, wenn man diese Leute kennt. Man baut beim miteinander Arbeiten, Essen, Trinken oder Sprechen persönliche Kontakte auf.", freut sich Astrid Pautzke.
Die erste Ausstellung dieser Arbeiten konnte im November 2015 im Kunstraum Kamsdorf gezeigt werden.
Auf viele Helfer kann sich Frau Pautzke stützen. Freiwillige übernehmen den Transfer der Flüchtlinge von Saalfeld nach Kamsdorf.

NOAH e.V. als kleines Rettungsboot für syrische Flüchtlinge

Auch Yara Wehbi, eine Syrierin, die seit vier Jahren in Deutschland lebt, hilft dabei. Sie arbeitet als freie Journalistin für arabische Zeitungen und ist bei der AWO (Arbeiterwohlfahrt) als Integrationshelferin für Flüchtlinge angestellt.
Gemeinsam mit zehn Frauen hat sie den Förderverein NOAH e.V. gegründet. NOAH steht hierbei für den gleichnamigen Mann aus der Bibel, der gleichermaßen auch im Koran Mensch und Tier vor der Sintflut rettet und ihnen ein Weiterleben ermöglicht. Der Verein möchte damit ein kleines Rettungsboot für syrische Familien sein, indem er Hilfe zur Selbsthilfe zu den geflohenen syrischen Familien im Libanon bringt. "Wir möchten vor Ort helfen, damit nicht noch mehr Flüchtlinge sich auf den gefährlichen Weg nach Europa begeben.", erklärt Yara Wehbi. "Mit unseren Projekten: Nähen und Stricken, Bildung für Kinder und Brot und Ofen, versuchen wir die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern und die Kindern durch unabhängige Bildung vor dem Einfluss einer extrem islamischen Ausbildung durch die Salafisten zu schützen. Dafür sammeln wir Geldspenden."
Rucksäcke mit Schulsachen, Puppen für kleine Flüchtlingskinder, Wolle zum Stricken und Spenden für einen Klassenraum sind bereits sichtbare Erfolge der Vereinsarbeit. Durch direkte Zusammenarbeit mit einem Team Freiwilliger vor Ort stellt der Verein sicher, dass alle Spenden unmittelbar dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Die Arbeit des Fördervereins wird durch Syrer, die im Libanon und in den Vereinigten Arabischen Emiraten leben, unterstützt.
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