Das Disko-Urgestein - Rudi Reißmann ist eine Legende in der Musikszene

Rudi Reißmann. Er wird auch heute noch in der Region als der "Diskomann" bezeichnet. Foto: Andreas Abendroth
 
Rudi Reißmann zur Weihnachtsdisko 1973. "Die Weste hatte ich mir im Sommer aus Rumänien mitgebracht." (Foto: privat)
Saalfeld/Saale: Algemeiner Anzeiger | Das Disko-Urgestein

Rudi Reißmann der Schallplattenunterhalter aus Saalfeld

Von Andreas Abendroth

SAALFELD. „Die Disko war mein Leben“, betont etwas nachdenklich der Saalfelder Rudi Reißmann.
Doch sein Name ist, zumindest bei der mittleren und älteren Generation ein Begriff, eine Marke. „Ja, die Reißmann-Disko. Da waren wir jedes Wochenende.“, hört man immer wieder.
Noch sehr lebendig sind bei dem Disko-Urgestein die Erinnerungen an die Zeiten als Schallplattenunterhalter.
„Viele dachten, am Wochenende mal schnell ein bisschen Musikunterhaltung machen, das kann doch jeder. Doch es war mit vielen Hürden verbunden“, so Reißmann.

Doch zunächst musste man eine Prüfung ablegen. Das Ergebnis war eine Staatliche Spielerlaubnis als Schalplattenunterhalter. Diese musste alle zwei Jahre erneuert werden.
„Ich war 1972 beim ersten Lehrgang mit dabei. Sie wussten gar nicht so richtig, was sie uns beibringen sollten. Beispielsweise klärten uns Musikpsychologen über die verschiedenen Musikrichtungen auf“.
Hatte man die SPU in der Hand, stand noch die Frage der Abspieltechnik und der Musik auf dem Programm.

„Ich arbeitete als Ingenieur bei Zeiss. Da ließ sich so manches etwas schneller realisieren. Von den Arbeitskollegen bekam man Schaltpläne aus westlichen Funktechnikzeitschriften. Dann baute man sich selber Tonbandgeräte und Verstärker. Erst in Mono, dann in Stereo. Bis zum Schluss der DDR war letztendlich die Kassette trumpf. Außerdem versuchte man an Westgeld zu kommen. Im Intershop gab es in den 80er Recorder, welche die Lücken zwischen den Titel erkannten“, so Reißmann

Dann galt es die entsprechende Musik zusammen zu bekommen. Laut Gesetzt musste ein Verhältnis von 60 Prozent Osttitel und 40 Prozent Westtitel eingehalten werden.
„Über das Jugendradio DT64 konnte man AWA-Lizenzen erwerben. Ansonsten überspielte man sich Schallplatten, welche man mal für zwei Stunden geborgt bekam oder saß des Nachts am Radio um Titel mitzuschneiden.“ (AWA = Anstalt zur Wahrung der Urheber- und Aufführungsrechte)
Danach musste natürlich alles noch in Aufführungslisten zusammengefasst werden. Und vor Ort erfolgten Kontrollen.
„Oftmals musst man klein Tricks anwenden. Da von den Osttiteln nur wenige zum tanzen geeignet waren, spielte man sie in den Pausen. Und auf die Hüllen der Tonbänder kam ein Stempel der FDJ-Kreisleitung. Bei Kontrollen waren sie dann „staatlich abgesegnet“, erinnert sich der Ost-DJ.

Dann gibt es noch einige kurioses, an was sich Rudi Reißmann erinnert. „Am Anfang transportierte ich meine Technik mit einem Tischler/Möbelwagen zum Kulturhaus. Später habe ich dann versucht, Fahrten mit dem VEB Taxi zu vereinbaren.“ Auch daran, dass er aufpassen musste, was er durchs Mikro sagte. Der einfach nur witzig gemeinte Spruch „Lieber bumsen und picheln, als hämmern und sicheln…“ wurde mitgeschnitten und brachte ihm eine zeitliche begrenzte Sperre und eine Geldstrafe ein.

Bis 2005 war Rudi Reißmann noch als DJ aktiv. Sehr gefragt ist heute auch noch sein profundes Wissen über Musiktitel und die dazugehörigen Informationen zu den Interpreten. Deshalb kann man ihn auch noch bei Oldie-Partys als Gastdiscjockey erleben. Die Diskomusik ist und bleibt eben das Leben von Rudi Reißmann. Er ist eine Saalfelder Legende.
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2 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 03.12.2012 | 18:52  
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Ditti Dittmann aus Erfurt | 23.02.2013 | 01:20  
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