Das Klassentreffen: 70 Jahre Schulentlassung - Erinnerungen an eine schöne aber auch schwierige Zeit

Das Vorbereitungsteam des Jubiläumsklassentreffen. Von links: Ruth Vorsatz, Gisela Schmidt, Annelise Stogneko, Hella Lohse und Burghard Wächter. Foto: Andreas Abendroth
Ans Alter wollen wir nicht erinnert werden

Eine Feier zum 70. Jahrestag der Schulentlassung

Von Andreas Abendroth

RANIS/KAMSDORF. Ein besonderes Klassentreffen steht bevor. Der 70. Jahrestag der Schulentlassung. Ein Höhepunkt, der vorbereitet werden muss. Bei Gisela Schmidt in Ranis treffen sich fünf ehemalige Klassenkameraden. Es ist ein festlich vorbereitetes Kaffegränzchen. „Anstoßen tun wir natürlich mit alkoholfreien Sekt. Einige sind ja doch mit dem Auto da“, betont Hella Lohse.
Es ist eine fröhliche aber zugleich auch nachdenkliche Runde. Immer mehr Erlebnisse rund um die Volksschule Großkamsdorf, das Leben damals, werden wieder wach. „Es war eine schwierige aber auch zugleich schöne Zeit“, erzählt Ruth Vorsatz. Auf einem Klassenfoto von 1938 sind 47 Mädchen und Jungen zusehen. „Viele sind schon von uns gegangen. Am meisten die Männer“, wird nachdenklich betont. Zum letzten Klassentreffen kamen nur noch 17 Personen.
Damals, es war die Zeit der Zöpfe und Scheitel, war vieles ganz anders. Zur Einschulung bekam auch jeder eine Zuckertüte. Bei jedem Wetter wurde in die Schule gelaufen. Da viele meist nur ein Paar Schuhe besaßen, welche geschont werden mussten, lief man eben barfuss.
„Wir hatten noch richtig Respekt vor den Lehrern. Mit dem Stöckchen gab’s des Öfteren auch mal eins auf die Finger“, berichtet Burghard Wächter.
Die Hauptfächer waren Rechnen, Schreiben, Lesen, Geschichte, Musik und Nadelarbeit. Im Winter fand der Sportunterricht im Klassenraum statt.
Acht Jahre gemeinsame Schule schweißte die Kinder zusammen. „Es gab zwischen uns keinerlei Standesdünkel“, so Annelise Stogneko.
„Als wir 19943 aus der Schule kamen, änderte sich die Situation. Wir waren auf einmal keine Kinder mehr. Nicht jeder von uns konnte einen Beruf erlernen“, berichtet Hella Lohse. Man ging in das so genannte Pflichtjahr. Man arbeitete beim Bauern oder man musste sich um den Haushalt beim Fleischermeister kümmern. Für manche ein Knochenjob und zugleich eine dunkele Erinnerung.
Es gab aber auch viele schöne Stunden. „Am Mittwoch ging es immer in den Kulturpalast zum Tanz. Damals konnte man noch in der Nacht unbekümmert nach Hause laufen. Niemals ist irgendetwas passiert“, resümiert Gisela Schmidt.
Letztendlich haben alle aus der Schulklasse Jahrgang 1928/29 ihren eigenen Weg gefunden. Sind diesen mit ihren Familien gegangen. Und morgen trifft man sich zum großen Klassentreffen. Dann möchte man nicht an das momentane Lebensalter erinnert werden. Sich mal wieder sehen und in Erinnerungen schwelgen.
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