Die Dampfmaschine in Sitzendorf: Harry Voigt und die 100 Jahre alte Maschine

Diplomingenieur Harry Voigt an "seiner" 100 Jahre alten Dampfmaschine. Foto: Andreas Abendroth
Sitzendorf: Regionalmuseum | „Der Harry muss her!“

Der Schwarzmühler Harry Voigt ist der Herr über die Dampfmaschinen

Von Andreas Abendroth

SITZENDORF. „Der Harry muss her. Da klopft was in der Maschine…“, ist ein Alarmruf, welcher auch noch heute den 87-jährigen Harry Voigt ereilt.
Der Schwarzmühler hat sich über Jahrzehnte den Ruf eines Spezialisten für Dampfmaschinen erarbeitet.
Alles hängt mit der Sitzendorfer Porzellanmanufaktur zusammen. Hier lief bis 1954 eine Dampfmaschine zum Antrieb der Maschinen. „Aus allen Ritzen kam der Dampf. Da konnte man nicht mehr viel machen. Eine Neue musste her“, erinnert sich Harry Voigt.
Die Sitzendorfer erinnerten sich an schwere Kisten in einer Scheune. Eine Maschine hatte man vor dem Demontagewahn der Russen dort versteckt. „Als ich in die Scheune kam, sah ich unzählige Kisten und ein großes Schwungrad. Eine Maschine in Einzelteilen. Meine Aufgabe für die nächste Zeit war klar“, berichtet Harry Voigt.

„Der damalige Jungingenieur Harry Voigt hat es fertig gebracht, die Maschine aufzubauen und zum Laufen zu bringen.“, Bringfried Detelmann, Organisator des jährlichen Dampftreffens

Der Jungingenieur arbeitet oftmals bis weit nach 22 Uhr. Und dann lief die Maschine. „Das Problem damals war, dass die Stromversorgung der Beleuchtung der Manufaktur und der Wohnung mittels Gleichstrom erfolgte. Die Maschinen wurden bereits über Drehstrom angetrieben“, so Voigt. „Für meine Lösung haben mich alle zunächst für verrückt erklärt“, fügt er an. Voigt ließ zwei Flachriemen über dasselbe Schwungrad laufen. Eines ging zum Gleichstrom-, das andere zum Drehstromgenerator. Und die Zweifler schwiegen.
Wenn etwas ungewöhnlich klopfte oder zischte war das Wissen und Können des Diplom-Ingenieurs für Kraft- und Arbeitsmaschinen gefragt. Bis 1970 lieferte die Dampfmaschine Strom. Später kam sie auf die Kreisdenkmalsliste und in Vergessenheit.
Nach der Wende, 1994, wollte man ein Regionalmuseum aufbauen. „Ich wurde gefragt, ob ich mich wieder um die Maschine kümmern könnte. Ich habe ja gesagt“, so Voigt. Stück für Stück wurde die Maschine generalüberholt. „Um die Funktion vorführen zu können, haben wir einen Getriebemotor eingebaut“, erläutert der heute 84-jährig.
Bis heute freuen sich Technikbegeisterte, wenn sich die Dampfmaschine aus dem Jahre 1913 in Bewegung setzt. Und sollte einmal etwas klappern heißt es: „Der Harry muss her!“


INFOKASTEN:
- Die Dampfmaschine wurde 1913 in der Firma MAN in Augsburg gebaut
- Sie ist ventilgesteuert, verfügt über 2 Einlass- und 2 Auslassventile
- Die Normalleistung beträgt 75 PS, die Höchstleistung 100 PS
- Die Maschine steht im Regionalmuseum Sitzendorf (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt)
- Alljährlich findet in Sitzendorf ein Treffen der Dampffreunde statt
- 27. und 28. April 2013 im Bauernmuseum Sitzendorf, Das Motto: „100 Jahre MAN – Dampfmaschine“
- Mehr Informationen im Internet unter www.meinanzeiger.de
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