Die Franzosen lieben den Schelm "Martin le coquin" aus Gräfenroda

^Reinhard Griebel verhalf dem kleinen Zwerg mit dem schelmischen Blick zu neuem Ansehen.Von großem Martin le coquin ist er der "Vater".
 
Juliette la couette (Juliette die Kokette) und Martin le coqiun (Martin der Schelm) in trauter Zweisamkeit.
Gräfenroda: Gartenzwergmuseum |

Was hat ein Gartenzwerg aus Gräfenroda mit Frankreich zu tun? Darauf hat der Zwerg selbst eine passende Antwort.

„Gestatten, ich bin Martin. Nicht der typisch Deutsche M-A-R-T-I-N. Nein, mein Vorname wird genauso ausgesprochen wie der berühmte französische Biathlet Martin Fourcade. Auf Skiern ist der vielleicht ein Ass. Auch ich als Zwerg durfte schon einmal welche tragen. Allerdings war ich damit nicht sonderlich erfolgreich. Meine große Karriere begann im Marinekostüm: weiße Zipfelmütze, blau-weiß gestreiftes Shirt, blaue Hose und rote Schuhe mit grünen Schnürsenkeln - genauso haben mich die Franzosen in ihr Herz geschlossen. Als Martin le coquin (Martin der Schelm) stehe ich in ihren Schränken, Blumenkästen oder einfach nur so zur Dekoration und schaue aus dem Fenster.

Als ich vor 24 Jahren meine erste Reise von Gräfenroda nach Frankreich - nach Lille - unternahm, war es geschehen. Meinem schelmischen Blick konnte Frank Fossaert nicht wiederstehen und von da an teilte er seine Liebe zu mir mit vielen weiteren Franzosen, vor allem im Elsass und der Normandie.
Meine Geburtsstunde liegt schon viele Jahrzehnte zurück - 1972 formte mich der Gräfenrodaer Modelleur Fritz Schmidt der Firma Balzer & Bock. Eine Form überlebte die Verstaatlichung der Firma sowie die weitere DDR-Zeit. Nach der Wende gelangte sie durch puren Zufall in die Hände von Reinhard Griebel, dem Urenkel vom Erfinder des klassischen Gartenzwerges. Dieser holte mich aus meinem Schattendasein zurück auf die Beete, die für mich die Welt bedeuten. Allerdings weniger in Deutschland. Hier liebt man mehr die Klassiker mit dem ernsten Gesicht und der roten Zipfelmütze.

Im Original von 1972 bin ich nur 18 Zentimeter groß und heiße eigentlich Bert. Eben typisch deutsch, aber kein Name für einen kleinen Franzosen. Als Martin fühle ich mich da wohler. Jetzt habe ich viele kleinere und größere Verwandte bekommen, von 4 cm bis 50 cm. Die Formen dafür hat Reinhard Griebel neu geschaffen. Damit es mir nicht langweilig wird, designte Reinhard Griebel auch eine passende Frau für mich. Mit Juliette la couette (Juliette die Kokette) an meiner Seite ist unsere kleine Familie komplett. Auch wenn unser Marinelook der Renner ist, so hatte und hat Reinhard Griebel immer wieder neue Ideen für unser Aussehen. Ich, Martin le coquin, zeige mich gerne mit Fotoapparat, Lenkrad, Gewehr, Brezel, Tablett oder seit neuestem auch mit der Bratwurst. Man muss den Franzosen doch auch zeigen, was bei uns der geschmackliche Renner ist! Ein Baguette ist ebenfalls schon in Arbeit – an der Befestigung wird momentan noch getüftelt.

Da ich, ebenso wie Juilette einfache, klare Formen habe, sind wir sehr wandlungsfähig beim Bemalen. Wir alle werden aus reinem Ton gegossen und bleiben bis zu vier Stunden in unserer Form. Dann werden wir entpackt und trocknen bis zu fünf Tagen. Anschließend geht es bei 1100 Grad in den Ofen. Erst danach werden wir bemalt – von traditionell bis ganz poppig. Ganz in gold, neongelb oder pink machen wir auch keine schlechte Figur. In einer Dankesmail aus Frankreich war einmal zu lesen: „Ich wusste gar nicht, das es in Europa noch so etwas gibt.“ Da fühle ich mich doch gleich als etwas Besonders. Ich, Martin le coqiun, eine statue d’argile (Tonfigur) aus Gräfenroda.“

Weitere Zwergengeschichten: Gartenzwergmuseum Gräfenroda, Ohrdrufer Straße 1

Zwerge haben meiste eine rote Mütze. Das hat einen historischen Hintergrund. Antwort gibt es hier.: Zwerg rote Mütze
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Renate Jung aus Erfurt | 02.07.2015 | 11:09  
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