Die Glocken von Uhlstädt: Pfarrer Johannes Dieter ist stolz auf seine Gemeinde - sie sammelte 40.000 Euro für ihre Kirche

Pfarrer Johannes Dieter zeigt auf die Glocke aus dem Jahr 1956, gegossen in der Glockengießerei Apolda.
Uhlstädt-Kirchhasel: ... | Loch in Erde, Bronze rin, Glocke fertig, bim bim bim. - Dieser Kurzfassung von Schillers „Lied von der Glocke“ kann Pfarrer Johannes Dieter von der Evangelischen Kirche in Uhlstädt nur heftig widersprechen. „Glocken bimmeln nicht, sie läuten“, sagt er und hält es lieber mit dem dreißig Strophen langen Original des großen Dichters: „Fest gemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden. Frisch Gesellen, seid zur Hand...“

Glocken haben ihre eigene Philosophie, sagt Dieter. Im August durfte er zusehen, wie seine drei Neuen in der Vulkaneifel gegossen wurden. Mit Erfolg. Er weiß von Glockengüssen, die gründlich schief gingen und auf Kosten der Gießerei wiederholt werden mussten.

Fröstelnd steht der Pfarrer im Kirchgarten, der seit 24 Jahren zu seinem Arbeitsplatz gehört. Es ist kalt, alles mit Reif überzogen, die Sonne macht Pause. Er zeigt auf die große Glocke, die im Garten stehen bleiben wird, bis Rost und Korrosion ihre Arbeit getan haben. Dieter vergleicht das mit Knäckebrot, das langsam zerbröselt. Auf dem Glockenjoch erkennt man die Initialen MHU - was bedeutet, dass dieser Teil der Glocke in der Maxhütte Unterwellenborn entstand. Die kleineren Glocken stehen im Flößereimuseum - als ein Stück Heimatgeschichte. Es sind die Folgeglocken derer, die man 1943 abnahm und für Kriegszwecke einschmolz. „Glocken für Führer, Volk und Vaterland hieß es damals“, sagt der Pfarrer mit Unbehagen. Was 1956 folgte, bestand aus Eisenhartguss und hatte einem schrillen Klang. „Dennoch teilten die Glocken ein halbes Jahrhundert lang Freud und Leid der Gemeinde.“ Zurzeit läutet in der Kirche lediglich die Stundenglocke. Die Neuen hängen noch nicht im Glockenstuhl. „Wir mussten zunächst ein Schwingungsgutachten erstellen lassen, um sicherzustellen, dass der Stuhl nicht reißt. Es waren Zimmermanns- und bautechnische Arbeiten notwendig“, erklärt Pfarrer Dieter. Glocken sind nämlich auch ein naturwissenschaftliches Gesamtwerk aus Physik, Chemie, Mathematik, Geometrie und Statik. „Frequenz und Resonanz können das bis zu Dreißigfache des Eigengewichts der Glocke entfachen“, erläutert Dieter. „Hier werden etwa sechs Tonnen auf den Glockenstuhl einwirken.“

Für den Geistlichen erfüllen Glocken wichtige sakrale kirchengemeindliche Aufgaben und im Moment fehlen sie bei den Gottesdiensten als akustisches Medium sehr. Doch das Warten hat ein Ende. Pfarrer Dieter kann seine Uhlstädter gar nicht genug loben und preisen. 40 000 Euro haben sie gesammelt. Am 21. Dezember wird 14 Uhr die Glockenweihe feierlich begangen.

“Meine Uhlstädter wussten, dass der Pfarrer Geld braucht. Und zwar nicht für seine goldene Badewanne, sondern für das Gemeinwohl.“ Mit dem Geld forcierte Dieter den Guss der neuen Glocken. „Preiswerter wird es nicht. Warum also länger warten?“ Seinen Aktionismus vergleicht er mit dem eines Fußballstürmers: „Ich will nicht reagieren, sondern rechtzeitig agieren und das Spiel machen.“
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Renate Jung aus Erfurt | 07.12.2013 | 01:00  
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