Disko-Geschichte: Die Reißmann-Story

Rudi Reißmann heute in seiner Heimatstadt Saalfeld. Foto: Andreas Abendroth

Rudi Reißmann: Man sagt, er sei der älteste DJ Deutschlands

Von Andreas Abendroth

In dem Jahr, in welchem ich geboren wurde – 1965 – beginnt die Bühnengeschichte des Saalfelders Rudi Reißmann. „Mein erster Auftritt war am 11. September 1965. Im Jugendklubhaus Saalfeld, als Techniker der Gruppe „the meridians“, berichtet das Disko-Urgestein. Damals war noch nicht zu ahnen, dass sich eine 50jährige Discogeschichte anschließen sollte. Der gelernte Elektromonteur studierte später Elektronik, arbeitete als Ingenieur bei Zeiss. Sein technisches Wissen sollte später den Diskobesuchern zu Gute kommen.

1972 hat er dann seine „Amateur-Pappe“ – die umgangssprachliche Bezeichnung für die staatliche Erlaubnis zum Schallplattenunterhalter – abgelegt. „Die erste Hürde für offizielle Disko-Veranstaltungen“, betont Reißmann.
Danach war Erfindungsreichtum angesagt. „Mit einfachen Mitteln versuchten wir, das große Weltgeschehen nachzuahmen“, wird berichtet. Die betraf im Besonderen die Technik. „Von den Arbeitskollegen bekam man Schaltpläne aus westlichen Funktechnikzeitschriften. Dann baute man sich selber Tonbandgeräte und Verstärker. Erst in Mono, dann in Stereo. Bis zum Schluss der DDR war letztendlich die Kassette trumpf. Außerdem versuchte man an Westgeld zu kommen. Im Intershop gab es in den 80er Recorder, welche die Lücken zwischen den Titel erkannten“, so Reißmann

Ein anderes Thema waren die staatlichen Vorgaben für die Musik. Laut Gesetzt musste ein Verhältnis von 60 Prozent Osttitel und 40 Prozent Westtitel eingehalten werden. Auch hier war Rudi Reißmann wieder clever: „Die Ostmusik war richtig gut. Nur nicht zum Tanz geeignet. Also spielte ich diese in den Pausen.“

Rudi Reißmann ist zu einer Legende in der Disko-Szene geworden. Bis 2005 war er noch als DJ aktiv. An den Veranstaltungsorten galt der Spruch: „Ist der Rudi hier – sind die Straßen leer.“ Bei über 1400 Disko-Partys ließ er die Menschen tanzen und abrocken. Heute sind sein profundes Wissen über Musiktitel und die dazugehörigen Informationen zu den Interpreten sehr gefragt. Deshalb kann man ihn auch noch bei Oldie-Partys als Gastdiscjockey erleben.
Außerdem hat er ein riesiges Archiv über die damaligen Veranstaltungen. Viele Randnotizen verraten Details, lassen Erinnerungen wachwerden.
Der heute 75-Jährige gilt als der älteste DJ Deutschlands. „In den letzten Jahren gab es in meinem Leben einige Tiefpunkte, Rückschläge. Dabei spielte auch der Alkoholkonsum eine große Rolle. Jetzt habe ich wieder alles im Griff. Und so kann ich mich mit ganzem Herzen auf mein 50. Bühnenjubiläum am 12. September in Crösten freuen“, so das Disko-Urgestein abschließend.
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