Im Gespräch: Ein Mann – eine besondere Stimme – Jochen Kowalski

Der Countertenor Jochen Kowalski. Foto: Dummer (Foto: Dummer)
Rudolstadt: Theater | Ein Mann – eine besondere Stimme

Im Gespräch mit Countertenor Jochen Kowalski

Von Andreas Abendroth

„Meine Stimmlage ist ein männlicher Alt. Es ist meine natürliche Stimme, mit der ich singe. Wer will, kann meine Stimme auch als Countertenor bezeichnen. Beides ist absolut richtig“, so die stimmliche Selbsteinschätzung des Sängers Jochen Kowalski.
Kowalski ist einer der außergewöhnlichsten und zugleich erfolgreichsten Altisten in der derzeitigen Musikszene.
Er stand auf den Bühnen der größten Opernhäuser im deutschen Raum, sang an der Wiener Volks- und Staatsoper. Gastspiele führten ihn rund um den Globus. Und nun kommt er nach Rudolstadt. Im Vorfeld der Konzertlesung sprach AA-Redakteur Andreas Abendroth mit dem Kammersänger.

Herr Kowalski. Warum werden männliche Sänger mit einer besonderen Stimmlage immer noch bestimmten Schubladen zugeordnet, gibt es um sie so viele Missverständnisse und Mysterien?


Schubladendenken ist überhaupt nicht meine Sache. Missverständnisse sind - leider sehr oft -im Leben unvermeidbar. Aber von" Mysterien" und diesem ganzen Quatsch, rund um Männer mit einer hohen Stimmlage, halte ich rein gar nichts. Singen ist Disziplin und harte Arbeit. Und dies gilt übrigens für alle Stimmfächer.

Ihnen ist es zu verdanken, dass Countertenöre salonfähig sind. Welche Unterschiede gibt es zu Ihrem Auftritt bei den Händel-Festspielen 1982 in Halle und heute?

"Salonfähig" ist ein ganz und gar unpassendes Wort in diesem Zusammenhang!! Ich war nun einmal einer der ersten Countertenöre und habe dieses Fach – vielleicht - etwas populär gemacht. (nachdenklich) Das ist Schicksal… weiter nichts.
Der Unterschied zwischen 1982 und heute ist der, dass Countertenöre im Jahre 2012 fast zur Normalität und Selbstverständlichkeit in der Musikbranche geworden sind. Mehr wollte ich nicht.

Sie haben vor Ihrem Gesangsstudium als Requisiteur an der Staatsoper Berlin gearbeitet. Ist es wichtig, dass man beide Seiten des Bühnenalltags hautnah erlebt?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei Einem läuft der Lebensweg so und beim Nächsten eben anders. Da gibt es keinen Fahrplan und kein Rezept. Für mich persönlich war dieser Weg richtig.

Normalerweise wird Kammersänger Jochen Kowalski auf allen Bühnen mit den großen Alt-Partien des Barock international gefeiert. Welche musikalischen Seiten gibt es darüber hinaus?

Meine allergrößten Erfolge von Tokyo bis New York hatte ich überhaupt nicht ein einer Barockoper. Das sagt doch alles. Mich interessieren nur gute Stücke und gute Musik.


In einem Interview haben sie gesagt, Ihre größte Wunschrolle wäre die alte Gräfin in „Pique Dame“. Geht dies nun mit den gleichnamigen Konzertlesungen ein wenig in Erfüllung?

Tschaikowskys Oper "Pikowaja Dama" ist ja eine freie Bearbeitung der Puschkin Novelle.
Ich genieße bei unseren Konzerten in erster Linie die grandiose Sprache von Puschkin.

Danke, dass Sie sich zwischen den Proben Zeit für dieses Gespräch genommen haben.


INFORMATIONEN:

Musikalisch-literarischer Abend zur "Pique Dame"
Schauspieler Daniel Morgenroth liest aus Alexander Puschkins gleichnamiger Meisternovelle und Altist Jochen Kowalski singt russische Romanzen.
17. November, 19.30 Uhr, im Großen Haus des Theater Rudolstadt
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