Mehr als ein Teekränzchen: Corinna Wokensky ist die gute Seele der Teestube Bad Blankenburg

Corinna Wokensky: "Mir ist es ein Bedürfnis, anderen zu helfen."
 
Brigitta sorgt mit dafür, das im Diakonieladen alles seine Ordnung hat.
Jeden Morgen um 9 Uhr öffnet Corinna Wokensky die Tür der Teesstube in der Unteren Markstraße, schiebt Kleiderständer nach draußen und setzt das Kaffeewasser frisch auf. Die hellgrünen Tischdecken werden hier und da noch einmal akkurat zurechtgezupft und die Blumen in den Vasen mit frischem Wasser versorgt. Der Kaffeeduft verbreitet sich schnell in dem einladend gestalteten Raum. Auf Gäste muss die junge Frau nicht lange warten. Sieglinde und Felix sind oft die Ersten, freuen sich schon auf ihren Kaffee oder Cappuccino, den sie hier für einen geringen Obolus erhalten. „Unsere Teestube ist täglich eine feste Anlaufstelle für etwa 15 Menschen, manchmal erscheinen auch 20 und mehr. Sie alle suchen vor allem Gesellschaft, möchten ins Gespräch kommen oder eine Kleinigkeit essen“, erzählt Corinna Wokensky. „Oft sind es Menschen, die auf die eine oder andere Weise in Not geraten oder schwer erkrankt sind. Wir versuchen nach unseren Möglichkeiten zu helfen oder Hilfe zu vermitteln.“

Spontan fällt ihr da die Geschichte einer Frau ein, die kurzzeitig im Gefängnis war: „Sie kam am Morgen vollkommen aufgelöst, mit Tränen in den Augen zu uns. Während ihrer Haftzeit wurde die Wohnung aufgelöst, sie stand vor dem Nichts. Ich habe sie zur Ruhe gebracht, ihr zugehört und Ratschläge gegeben. Sie kam dreimal - ich habe sie über den Tag ein stückweit aufgefangen und begleitet und konnte sie mit gutem Gewissen gegen Abend wieder alleine gehen lassen. Das war ein sehr emotionales Erlebnis für mich.“


Nicht immer sind die Probleme, die die Menschen mit hierher bringen, so gewaltig. Oft gibt es Ärger mit dem Jobcenter, den Kindern oder es herrscht Geldknappheit. Egal, was es ist, immer ist Zuhören angesagt - aber nur für den, der reden möchte. Jeder entscheidet selbst. Corinna Wokensky kann sich sehr oft in die Situationen hineinfühlen. Sie selbst lebt auch von Hartz4, verdient sich durch den Bundesfreiwilligendienst in der Teestube etwas dazu. Bedingt durch eine Erkrankung suchte sie bisher vergebens nach einer neuen Anstellung. Sie sagt, Geld zu haben sei ihr nicht so wichtig. Die Tätigkeit muss Freude machen. Und das tut sie- ihr ist es ein Bedürfnis, anderen zu helfen.


Am Donnerstag, zum Markttag, kommen ältere Damen auch gerne einmal für ein Kaffeekränzchen in die Teestube und genehmigen sich ein Würstchen oder Schnitzel mit Kartoffelsalat. Dieser findet immer großen Anklang, wird er doch in der kleinen Miniküche selbst angefertigt. Nach einem Rezept von Brigitta, die hier ehrenamtlich arbeitet. „Viele kommen extra wegen des Kartoffelsalates“, sagt Corinna Wokensky. „Jeder ist eingeladen ihn zu probieren.“ Die Teestube steht allen offen, auch Kinder können mitgebracht werden. Und dabei ist es ganz gleich, ob man auf den nächsten Bus wartet, in Ruhe etwas trinken oder essen möchte oder nur ein nettes Gespräch sucht- man wird alles vorfinden.


Durchquert man die Teestube, gelangt man in den Diakonieladen. Beide sind untrennbar miteinander verbunden, arbeiten sozusagen Hand in Hand. Die abgegebenen Bekleidungsstücke werden hier für ganz wenige Euro weitergegeben. Alles ist gut sortiert nach Männer-, Frauen- und Kinderbekleidung. „Jeder kann stöbern und schauen, ob er etwas Passendes findet, unabhängig von Vermögen oder Einkommen. Eine ganz kleine Auswahl hängt am Kleiderständer vor der Tür. Wir nehmen jederzeit gern gute Bekleidung entgegen, momentan vor allem Wintersachen.“


Hintergrund:
- Diakonieladen „Geben und Nehmen“ und Teestube, Untere Marktstraße 16, Bad Blankenburg
- Öffnungszeiten: Montag & Mittwoch: 9 bis 17 Uhr; Dienstag 9 bis 13 Uhr, Donnerstag 9 bis 15 Uhr, Freitag 9 bis 14 Uhr
- Es ist ein Projekt vom Verein „Kontakt mit Menschen e.V.“ in Zusammenarbeit mit der Diakoniestiftung Weimar-Bad Lobenstein.
- Sechs ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sind sehr aktiv und engagieren sich für die Sache, weitere eheramtliche Mitarbeiter sind herzlich willkommen.
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