Musiker Günther Fischer: Thüringen ist voll von ehemaligen Spielstädten

Der Musiker Günther Fischer. Foto: Agentur
Thüringen ist voll von ehemaligen Spielstädten

Roberto Burian im Gespräch mit dem Musiker Günther Fischer

Herr Fischer, Sie leben seit 15 Jahren in Irland, sind aber immer wieder auch in Deutschland. Wo halten Sie sich gerade auf?
Ich sitze auf gepackten Koffern in der Schweiz und bin auf dem Weg nach Deutschland, wo zwei Konzerte mit Armin Mueller-Stahl im Terminkalender stehen.

Konzerttourneen führten Sie mit ihrer Band bereits rund um den Globus. Am 20. April gastieren Sie in der Bad Blankenburger Stadthalle. Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thüringer Publikum?
Langjährige und Gute. Besonders sind mir die Studentenhochburgen Erfurt, Weimar, Jena, Eisenach, Meiningen oder Rudolstadt in Erinnerung. Thüringen ist voll von ehemaligen Spielstädten. Und ich bin auch heute noch gerne dort. Ich glaube sogar in den Siebziger Jahren schon mal in Bad Blankenburg gewesen zu sein.

Hört man sich in der Jazz-Szene um, fällt automatisch der Name Günther Fischer. Warum ausgerechnet dieses Genre, als Beat-oder Rockmusiker wäre es doch damals sicher einfacher gewesen?
Naja, ich habe Musik studiert und mit Klassik angefangen. Da wusste ich noch gar nicht, dass es irgendwas anderes gibt. Über einen Studienkollegen, der polnische Jazzplatten besaß, bin ich dann eher zufällig damit in Berührung gekommen. Ich dachte, was ist das denn für eine Musik? Ich habe mein Studium fortgesetzt, aber das Saxophonspiel lies mich nicht los. Deshalb ist später auch Unterricht in den Fächern Klarinette, Saxophon, Dirigieren, Komposition und Arrangement dazugekommen.

Über 40 Jahre Musikgeschichte sind mit ihren Namen verbunden. Sie haben für Künstler wie Veronika Fischer oder Uschi Brünning geschrieben, zahlreiche Filmmusiken komponiert. Projekte gab es unter anderen mit Armin Mueller-Stahl und man könnte locker Seiten füllen. Immer wieder fällt natürlich der Name Manfred Krug. Wie kam es zur Zusammenarbeit und zu welchen Künstlern von damals haben Sie heute noch Kontakt?
Ich spielte damals als Student in der Klaus-Lenz Band. Wir machten einmal im Jahr mit Manfred Krug eine Tournee. Irgendwann kamen wir ins Gespräch und ich habe ihm zwei Lieder vorgestellt: "Du gehst" und außerdem noch "Der Tag beginnt". Ich schlug ihm vor eine Single zusammen zu machen." Krug meinte, nachdem er meine Lieder gehört hatte: "Wir machen keine Single! Du schreibst noch 10 andere Titel und wir machen eine ganze Langspielplatte!" Es dauerte sehr lange bis Amiga zustimmte, denn eine LP mit nur einem Künstler war zur damaligen Zeit ein Novum. Kontakte habe ich zu Veronika Fischer, den Rockgruppen oder zu Armin Mueller Stahl. Mit Letzteren habe ich gerade eine CD gemacht und im März gehen wir wieder auf Tournee. Da ich auch in der Filmszene zu Hause bin treffe ich in Deutschland vorwiegend Leute aus dieser Branche.

Mit Reinhard Lakomy ist einer der früheren Weggefährten kürzlich verstorben. Welche Erinnerungen haben Sie an die gemeinsame Zusammenarbeit.
Als Jazzer gehörte Lakomy zu den Mitbegründern des "Günther Fischer Quartetts". Obwohl unsere musikalische Zusammenarbeit in die Studentenzeit fällt und schon über 40 Jahre zurückliegt hatten wir immer Kontakt. Sein Tod, mit gerade Mal 67 Jahren, hat mich erschüttert.

Für viele Künstler aus der DDR war es nach der Wende alles andere als einfach, weil man Nachholbedarf an den großen Stars aus dem Westen hatte. Wie war das bei Ihnen?
Ich bin nicht in das sprichwörtliche Loch gefallen, musste auch keine Kompromisse eingehen und konnte weiter das machen, was mir Spaß machte. Ich war beispielsweise was die Filmmusiken anging genauso gefragt wie vorher und konnte mich deshalb nicht beklagen.

Ihre Tochter Laura präsentiert in ihren Konzerten den Kultsong "Solo Sunny", der weit über die Grenzen der DDR hinaus erfolgreich war und den sie auch bei Ostrock in Klassik gesungen hat. Wird sie in Bad Blankenburg mit dabei sein und auf was dürfen sich die Fans darüber hinaus freuen?
Sie wird mit dabei sein. Laura hatte mit 13 in Irland bereits ihre eigene Band, in der sie gesungen und Klavier gespielt hat. Mein Sohn Robert war der Gitarrist. Drei Jahre später haben sie mit eigenen Titeln einen Ausscheid gewonnen. Laura hat für eine englische Serie den Titelsong komponiert und gesungen. Im Konzert spielen wir auch Titel von ihr, ausgewählte Stücke aus der Zusammenarbeit mit Manfred Krug und Uschi Brüning sowie Ohrwürmer aus den Filmmusiken. Es ist erstaunlich wie viele Leute, auch jüngere, diese Titel heute noch kennen und spielen. Dazu zählen neben dem Schauspieler und Sänger Jan Josef Liefers auch die Hamburger Rapper „Fettes Brot“.

Was war für Sie persönlich die größte musikalische Herausforderung und gibt es ein Stück an dem Ihr Herz ganz besonders hängt?
Den Höhepunkt gibt es eigentlich nicht. Natürlich war beispielsweise die Arbeit mit David Bowie, Marlene Dietrich, Robert Mitchum, Tony Curtis oder Sean Penn schon etwas Besonderes. Es gibt viele Sachen und jede Zeit hatte ihre besonderen Ereignisse. Ich möchte kein Projekt bevorzugen. Man versucht immer das Beste herauszuholen. Ob es gelungen ist müssen andere Leute beurteilen.

Welche Hobbys hat Günther Fischer neben der Musik, was hört er privat und welcher Beruf hätte ihn gereizt wenn er nicht Musiker geworden wäre?
Sie stellen ja Fragen (lacht). Meine Frau ist Ärztin und sagt manchmal ich hätte das Gespür für bestimmte Sachen und Zusammenhänge und wäre vielleicht auch ein guter Arzt geworden. Ich glaube aber nicht, dass ich das angestrebt hätte. Skifahren ist ein großes Hobby, wir machen Lang- und Abfahrtslauf. Privat höre ich Klassik und Jazz, bin aber offen für alle Musikrichtungen. Ich habe speziell in Irland da viele neue Erfahrungen gesammelt.

Was ist für die Zukunft geplant?
Ich möchte mit meiner Tochter ein paar neue Sachen ausprobieren. Dinge die Spaß machen, meine Tochter komponiert ja selbst und lässt sich da auch überhaupt nicht rein reden. Da ist sie viel zu stur. (lacht). Die Zusammenarbeit ist für mich als alten Hasen aber sehr inspirierend.

Vielen Dank für das Gespräch, wir sehen uns in der Stadthalle.
Gerne und viele Grüße an ihre Leser und alle Fans.
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