Mutter von jetzt auf gleich: Heike Zörner aus Ruhla zog fünf Katzenwelpen mit der Hand auf

Mit Lektüre kann man nicht früh genug beginnen.
 
Heike Zörner, Tochter Justine und die fünf kleinen Racker.
Ruhla: ... |

Als die Katzenmutter eines Tages verschwunden ist, muss Gastronomin Heike Zörner aus Ruhla schnell handeln. Sonst sterben sechs kleine Katzenwelpen.  

Manchmal ertönen Schreie aus Familie Zörners Wohnung am Rande des Städtchens Ruhla, wie etwa "Hilfe!" oder "Aua!" Wer das hört, muss nicht um das Leben der Familienmitglieder bangen. Vielleicht ein wenig um die körperliche Versehrtheit, denn die Attacken von fünf Babykatern bleiben kaum kratzerfrei. Wenn sich die Rasselbande in Haut und Kleidung festkrallt, kann einem schon mal ein "Aua" entfahren, denn sie lässt sich nicht so leicht abschütteln. "Die Kleinen tun das nicht böswillig, sie wollen einfach nur beschäftigt werden", erklärt Heike Zörner, die einige schlaflose Nächte hinter sich hat.
Vollkommen verrückt - könnte man urteilen, doch Zörners kamen unfreiwillig zu ihren Fünflingen. Anfangs waren es sogar sechs - die einzige Katze im Wurf hat es nicht geschafft.
Ein Blick zurück. Die Familie lebt einträchtig mit Kater Toni in ihrem Haus neben dem Schwimmbad, als eines Tages ein schwarz-weißes Kätzchen auftaucht. "Wir sind tierlieb und brachten es nicht übers Herz, sie wegzuschicken. Sie sah arg mitgenommen aus und musste dringend aufgepäppelt werden", erzählt Heike Zörner. Die Gefleckte bleibt und heißt fortan „Flecki“. Weil sie so klein und schmächtig ist, kommt niemand auf die Idee, dass es sich um eine ausgewachsene und geschlechtsreife Katze handelt. Und so bleibt die vergnügliche Nacht mit einem dahergelaufenen rabenschwarzen Kater nicht folgenlos.

Erst war es ein Schock, dann eine Freude

"Erst war es ein Schock, doch dann freuten wir uns auf die Maikätzchen", erinnert sich die Gastronomin. Als es soweit ist, purzelt das erste Junge unkompliziert auf die Welt, doch dann stockt der Geburtsvorgang. Am Nachmittag holt Tierärztin Corinett Gössel die fünf Geschwister per Kaiserschnitt.Drei Wochen lang kümmert sich Flecki hervorragend um ihre Kinder. Kater Toni hat in dieser Zeit nichts zu lachen. Kommt er auch nur einen Schritt zu nah, setzt es Hiebe. Also trollt er sich, nicht ohne Groll auf die Eindringlinge, die ihm sein Revier streitig machen.

Pfingsten kehrt Flecki von einem Freigang nicht zurück. "Wir haben überall nach ihr gesucht", erzählt Zörner. "Dass eine Katzenmutter einfach wegbleibt, glaubten wir nicht. Da musste etwas passiert sein." Stundenlang fährt die Familie die Straßen ab, ruft, fragt die Leute. Immer in dem Wissen um sechs hilflose Kitten, die versorgt werden müssen. Tierärztin Gössel weiß Rat, sie kennt eine ehemalige Züchterin aus Eisenach. Als Manuela Jung von der Notsituation erfährt, packt sie eine Grundausstattung Milchflaschen ins Auto und fährt nach Ruhla. Handaufzucht sei keine einfache Sache, bremst sie die Erwartungen. Statistisch gesehen würden höchstens zwei oder drei Kätzchen ohne Mutter überleben.

Am Anfang war ich vollkommen überfordert

"In diesem Moment war ich vollkommen überfordert und überlegte, ob das alles einen Sinn hat." Doch sich der Kätzchen zu entledigen, kommt nicht infrage und so packt es die Familie an. Kauft Katzenklo, Körbchen, Aufzuchtmilch, Spielzeug und Rotlichtlampen, denn die Kleinen brauchen viel Wärme. Tagelang schwingt die Hoffnung mit, dass die Mutter wiederkehrt. Bis sie Tage später tot vor der Haustür liegt. Erdrosselt. Was das Tier durchmachen musste, will sich niemand vorstellen.
Heike Zörner wird klar, dass sie die Mutter jetzt dauerhaft ersetzen muss. Zwei- bis dreimal steht sie nachts auf, um die Katzenwelpen zu füttern, ihnen Geborgenheit zu geben, mit ihnen zu spielen. Ernährungstipps geben die Ärztin und Manuela Jung, die für Zörners jederzeit erreichbar sind, denn die Familie hat mit Aufzucht keine Erfahrung.

Alle fünf Racker haben eine Familie gefunden

Heute, ein paar Monate später, kann Heike Zörner stolz sein. Sie hat es geschafft: Die fünf putzmunteren Kerle sind über den Berg und fast stubenrein. Für alle fand die menschliche Katzenmutter Familien. „Wir haben die kleinen Kerle lieb gewonnen, aber wir können sie nicht behalten. Sie würden sich mit unserem Toni nicht vertragen“, erklärt Zörner. Fünfmal Abschied nehmen, das wird noch einmal schwer. „Wir wünschen uns, dass alle ein schönes Zuhause bekommen und wir ab und zu erfahren, wie es ihnen geht.“


Kleiner Ratgeber:
Wenn die Katzenmutter ihre Welpen oder Kitten nicht versorgen kann, muss der Besitzer die Nerven behalten und einen Notfallplan parat haben.
Erste Schritte: Heiz- oder in der Mikrowelle erwärmtes Kirschkern- oder Leinsamenkissen unter die Liegefläche der Kätzchen schieben, Raum regelmäßig lüften.
Equipment: Flaschen, Sauger (kleine, kurze lassen sich besser handhaben), nicht klumpendes Milchaustauschfutter, Aufzuchtmilch, Schneebesen, Desinfektionsspray, Handtücher, kleine Tücher, Stahltöpfchen, Fencheltee gegen Verstopfungen und Darmverschluss. Spätestens in der siebenten Woche können die Kätzchen selbstständig fressen. Bei der Anfütterung ein stark riechendes Futter verwenden.
Katzen aus Handaufzucht sind sehr empfindlich und sollten daher nicht zur Zucht eingesetzt werden.

www.loetzerich.de
www.katzenwissen-online.de
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4 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 11.08.2017 | 09:16  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 11.08.2017 | 10:06  
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Petra Seidel aus Weimar | 11.08.2017 | 10:15  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 12.08.2017 | 20:36  
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