Plauderstunde mit dem Chefdirigenten der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt Oliver Weder

AA-Redakteur Andreas Abendroth im Gespräch mit dem Rudolstädter Chefdirigenten Oliver Weder (li). Die Plauerstunde drehte sich um die Perspektiven, Visionen und um ein besonderes Silvesterkonzert in diesem Jahr.
Rudolstadt: Theater | Visionen fürs Orchester und die Kulturlandschaft
Plauderstunde mit dem Chefdirigenten der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt Oliver Weder

Von Andreas Abendroth

Herr Weder. Studium an der Musikhochschule Frankfurt am Main, Dirigentenausbildung mit Stipendium am Sankt Petersburger Konservatorium,
ein erstes Engagement a la Kapellmeister am Opern- und Ballettheater Perm, danach eine Anstellung als Assistent des Chefdirigenten Valery Gergiev am Mariinsky-Theater in St. Petersburg. Zwei der renommiertesten Häuser Russlands, mit Weltruf, in zwei Städten mit Einwohnerzahlen im Millionenbereich.
Seit 1997 als Chefdirigent und Musikalischer Oberleiter im überschaubaren
Rudolstadt. Vermisst man da nicht die Größe?


Ich glaube, das ist ein ganz normaler Vorgang, dass man als junger Mann in den Musikmetropolen lernen muss und dann seinen eigenen Platz finden muss. Natürlich backen wir hier etwas kleinere Brötchen, aber die sind nicht minder schmackhaft, unser Publikum liebt uns, und die Brahmssymphonie ist in Rudolstadt genau so schwer zu spielen wie in Berlin oder Petersburg.

Wie konnten Sie diese Erfahrungen auf eine provinziale Kulturlandschaft und ein hauptsächlich regional agierendes Orchester anwenden?

Es gibt gar keinen Unterschied: Wir leisten die gleiche Arbeit, nur eben alles etwas kleiner. Hier ebenso konkurrenzfähige Ergebnisse zu erzielen ist leider ungleich schwerer, aber die Hingabe und die Begeisterung, die wir für unsere Arbeit brauchen ist hier wie dort die Voraussetzung für künstlerische Erfolge und die Wirkung beim Publikum.

Die Theater- und Orchesterlandschaft ist ein hohes Gut, kostet Geld. Durch ihr Mit-Engagement wurden die Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt vorerst gerettet. Muss es in der heutigen Gesellschaft erst soweit kommen, dass die Menschen aufhorchen, wenn die Musik nicht mehr spielt?

Seit ich hier bin, fühle ich mich der langen Geschichte und Tradition dieses Orchesters, aber auch dem Anspruch unserer Bürger auf ein reiches Kulturangebot zutiefst verpflichtet. Und ich glaube, das wissen sowohl die Musiker als auch diejenigen, die wir mit unserer Musik erreichen wollen, zu schätzen. Die Saalfelder und Rudolstädter waren immer Musik- und Theater-begeistert. Das ist nicht überall so, aber es macht uns Hoffnung auf eine lange Zukunft unserer Ensembles.

Sie sind in Ihrem Beruf auch ein gern gesehener Gast bei anderen Orchestern. Sehen Sie gerne einmal über den „Tellerrand“?

Gastdirigate bei anderen Orchestern und Theatern gehören einfach dazu. Von da komme ich fast immer mit neuen Ideen zu meinem Orchester zurück, sodass auch meine langjährige hiesige Arbeit hoffentlich immer wieder neu belebt wird.

Das diesjährige Silvesterkonzert findet nicht an den angestammten Orten in Rudolstadt oder Saalfeld, sondern erstmalig in der Stadthalle in Bad Blankenburg statt. Hat dies mit dem Städtedreieck zu tun oder verbirgt sich dahinter mehr?

Ich ärgere mich schon seit Jahren, dass wir an Silvester mit ungeheurem Personal- und Kostenaufwand nur sehr wenige Menschen erreichen, weil das Theater einfach zu klein für den Besucherandrang ist. Und unsere Saalfelder Musikfreunde haben an Silvester nie ein Angebot von uns bekommen, sondern „mussten“ am Neujahrstag unser Konzert besuchen. Ich glaube, wir schlagen mit dem Umzug in die Stadthalle Bad Blankenburg mehrere Fliegen mit einer Klappe: Alle Bürger des Städtedreiecks können nun den beliebten Abendtermin wahrnehmen, wir haben einen festlichen, repräsentativen Konzertsaal. Wir holen die Leute mit Shuttlebussen und einem Glas Sekt ab und bringen Sie wieder nach Hause. Na und schließlich wird doch immer vom Städtedreieck geredet – wir machen da mal Nägel mit Köpfen und lassen die Leute gemeinsam feiern! Wenn es rund läuft – und danach sieht es im Moment schon aus – dann werden wir in Zukunft vielleicht auch wieder einen Nachmittagstermin oder ein zusätzliches Neujahrskonzert anbieten.
Damit unser kleines Experiment auch auf Anhieb Begeisterung auslöst, habe ich jedenfalls die besten Künstler engagiert, die ich kriegen konnte und ein sehr festliches und populäres Programm zusammengestellt. Dieses Jahr führt die Reise nach Russland, genauer gesagt ins nächtliche Moskau.

Mehr Informationen zu den Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt und zum Theater Rudolstadt: hier klicken
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Marcus Daßler aus Zeulenroda-Triebes | 08.12.2011 | 10:29  
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