Vom Bimpelpeter und Bratsdamel: Gunter Linke pflegt den Umgang mit der echten „Rudelschdädter Mundart“

Gunter Linke verfügt über eine kleine Sammlung an Büchern in "Rudelschdädter Mundart“. Foto: Heyer
Die Rudolstädter Mundart ist ein eigenständiger Dialekt, der bis ins eingehende 20. Jahrhundert hier an der Tagesordnung war und den die gesamte Stadt und Umgebung sprach. Erst durch den immer stärker werdenden preußischen Einfluss aufs komplette Leben änderte sich das langsam. Es war verpönt, Mundart zu sprechen oder gar zu schreiben. Wenn man sich dem Preußischen nicht beugte und ein geflissentliches hochdeutsch zu reden, rutschte man augenblicklich ins "Präkeriat". Also versuchte man sich das preußische Hochdeutsch zu erlernen und die Rudolstädter Mundart zurückzustellen. Dies wiederum beförderte den jetzt noch gewöhnlichen Slang, der sich wie ein verwaschenes Sächsisch anhört.„Unsere Sprache ist ein Teil unserer Regionalität. Leider können immer weniger mit der echten Rudolstädter Mundart noch etwas anfangen. Ich setze mich dafür ein, dass sie nicht in Vergessenheit gerät “, sagt Gunter Linke. Als der „Altstädter“ plaudert er gerne über seine Stadt und ihre Geschichten, in Hochdeutsch oder wenn gewünscht, auch in Mundart. Zu seinem Sprachschatz gehören dann schon einmal solche Worte wie der Bimpelpeter oder der Bratsdamel. Ersterer ist der typische Rudolstädter, der immer etwas zu meckern hat – vor allem über das Wetter. Und beim Bratsdamel ist bereits alles zu spät, dies ist ein Schimpfwort und heißt auf Hochdeutsch „dumm wie Brett“.

Gunter Linke hat sein breites Wissen über die Mundart von seinem Großvater Kurt Linke erlangt. Als Innungsmeister des Schuhmacherhandwerkes stand dieser noch in fürstlichen Diensten, beherrschte für seine Geschäfte Hochdeutsch. Ansonsten blieb er aber seiner Rudolstädter Mundart treu. So kam Gunter Linke schon früh in Berührung mit dieser Sprache. Aus dem bekannten Mundart-Buch „Bilder und Klänge aus Rudolstadt“ las der Großvater gerne vor. Dieses Buch ist von Anton Sommer (1816-1888), er gilt als der Urvater der Rudolstädter Mundart. In den Geschichten und Gedichten geht es vor allem um die Erlebnisse und Begebenheiten der Leute jener Zeit, wie „Änne arme Fra“ oder „Su änne röcht’ge Doktorschnase.“ Dieses kleine Büchlein aus dem Jahr 1917 ist für Gunter Linke heute noch ein kleiner Schatz, aus dem er bei seinen Mundartlesungen gerne vorliest. Eine Seite dieses Buches widmet sich der richtigen Aussprache. Da ist dann schon einmal zu lesen: Aus A wird ein dunkles O, aus Ü ein I, ein U wird zum O und aus SP wird SCHB. Ein ich wird als ech gesprochen, mit ist met und ein ist änn. „In diese Sprache kann man sich gut reinhören“, erklärt Gunter Linke.

Waldemar Klinghammer, Großneffe von Anton Sommer, hat die Tradition fortgesetzt und ebenfalls vier Bücher in Mundart veröffentlicht. „Ich mag ihn sehr, da seine Sprache deftiger ist und die Geschichten zeitlich näher am Heute liegen“. Auch Gunter Linke betätigt sich selbst als Autor, schreibt Mundart-Geschichten über seine Stadt oder hat alte Gedichte aufgearbeitet. Als aktiver Bürgerreporter auf unserem Mitmachportal www.meinanzeiger.de hat er schon einiges darüber berichtet.

Immer Gesucht: Bücher und Hefte in Rudolstädter Mundart.
Kontakt: deraltstaedter@gmx.de
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