Zum Tag der Katze

Lilly


Seit dem ersten Septembersonntag 2008 wohnt Lilly bei uns. Lilly ist ein kleines Katzenmädchen, die aus einem nicht gewollten und auch nicht ganz erlaubten Treffen einer edlen und vornehmen Maine Coon Kätzin und einem streunenden Hauskater, der schon so manche Schlacht um die Gunst einer Geliebten mit Löchern im Fell bezahlen musste, entstanden ist.

Wo fange ich nun an zu erzählen?

Lilly ist gerade mal zehn Wochen alt, als wir sie bekommen. Und sie weiß schon, dass man die Katzentoilette benutzen muss. Erst schnuppert sie, dann mautz sie und dann scharrt sie. Lilly ist schlau.

Die Kleine spielt nahezu autistisch mit allem, was sich bewegt oder was sich bewegen lässt. Am liebsten klettert sie an den Gardinen hoch, als seien sie ihr Kratzbaum oder sie zerbeißt unsere Schuhe. Neugierig erobert sie den Tisch und beschnuppert alles, was ihr fremd erscheint.

In der ersten Nacht dachten wir, dass sie ihre Mama und ihre drei Brüder vermisst und nach ihnen ruft. Nichts von dem. Kein Mux war zu hören. Am nächsten Morgen rannte sie freudig auf uns zu und wedelte mit dem Schwanz wie ein Hundchen. Schön, dass ihr endlich aufsteht und mit mir spielt! Wollte sie damit sagen. Futter ist nicht so wichtig, da reicht noch eine kleine Portion. Streicheleinheiten sind um so wichtiger.

Lilly hat ein grau getigertes weiches Fell mit ein paar vereinzelten braunen Flecken und sie hat braune Augen, die Ohren sind überdimensional groß und wenn sie durch die Stube rennt, plustert sie ihren Schwanz auf wie ein Eichhörnchen.

Es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Na ich bin da schon im Vorteil gewesen, denn als ich Lilly das erste mal gesehen habe, waren ihre Augen noch geschlossen, sie war damals gerade mal 9 Tage alt.
Nun hat sie sich recht schnell an uns gewöhnt und tut so, als ob es ihr bei uns gefällt, mit mir schmust sie behaglich schnurrend und mit Mario spielt sie ganz wild. Die Kratzspuren an seinen Händen sind der Beweis dafür.

An einem kühlen Herbstnachmittag, als die Temperatur auf ungemütliche 19 ° C im Wohnzimmer abgesunken war, feuerten wir unseren Kamin an. Lilly hatte scheinbar noch nie Feuer gesehen? Ständig versuchte sie mit Ihren kleinen Pfötchen nach den Flammen zu angeln. Zum Glück war eine Scheibe dazwischen. Doch Lilly merkte sehr bald, dass man die wärmende Strahlung des Kamins besser aus sicherem Abstand genießt und legte sich gemütlich auf den Vorleger vor dem Kamin. Sie schlief schnurrend ein.

Lilly liegt auf einem Stapel Zeitungen und leckt sich ihr rechtes Vorderpfötchen, sie jammert leicht dabei, denn das Pfötchen schmerzt und ist ganz dick. Immer wieder leckt die kleine Zunge darüber. Und der Schmerz will und will nicht nachlassen. Bei ihrem ersten Ausgang auf den Balkon hat sie sich zu einem Spiel mit einer Biene überreden lassen, doch die Biene war leider die Siegerin in diesem Spiel, sie hat Lilly in die Pfote gestochen. Das war eine sehr schmerzliche Erfahrung, von denen Lilly sicher noch sehr viele machen wird.

Heute Morgen zum Beispiel sprang das Kätzchen voller Übermut und mit etwas zu viel Schwung auf die Toilettenbrille – und plumps, da lag sie drin. Pudelnass musste ich sie erst mal reinigen und abtrocknen. Den Rest erledigte sie dann selbst. Aber falls sie ein paar Erbanlagen von ihrer Mutter hat, dann geht sie gern baden.
Genau wie ein paar Tage später, da landet sie in der Gießkanne. Lilly wird vom Wasser magisch angezogen.

Am letzten Septembersonntag aalen wir uns auf dem Balkon. Es ist ein herrlicher Altweibersommertag. Ich liege in meinem Liegestuhl und Lilly hört das Gezirpe der Grillen oder jagt einer Fliege nach. Zwischendurch lässt sie sie sich die wärmenden Sonnenstrahlen auf den Pelz scheinen. Doch plötzlich wird unsere Idylle durch eine kleine Blaumeise gestört, die sich aus sicher Entfernung mal im Fliederbusch und mal in der Lärche niederlässt. Die kleine Meise legt es darauf an, mit ihrem Gezwitscher die Lilly aus der Reserve zu locken und Lilly fällt darauf herein. Ganz aufgeregt rennt sie zum Küchenfenster und springt auf das Fensterbrett, dabei ist jedes einzelne Haar von ihrem Pelzchen aufgestellt und Lilly zittert am ganzen Körper vor Aufregung. Der Jagdtrieb geht mit ihr durch. Doch Lilly ist schlau, sie kann einschätzen, dass ein Sprung in den Fliederbusch nicht mit dem Erfolg enden würde. Sie beruhigt sich aber erst wieder, als die kleine Meise wegfliegt. Lilly ist ein Raubtier mit gut ausgeprägten Instinkten und das war der erste Versuch.

Lilly ist nun ein Vierteljahr alt und kann gegen alle möglichen schlimmen Katzenkrankheiten geimpft werden. Der Weg zum Tierarzt ist einfach, sie krabbelt freiwillig und total neugierig in ihre Transportbox und auch die Autofahrt empfindet sie nicht als unangenehm. Im Wartezimmer sind noch zwei Hunde vor uns dran, Der große von ihnen wird ganz unruhig, als wir mit Lilly den Raum betreten und der kleine macht sich fast ins Hemd. Lilly plustert ihr Fell auf, so dass sie gleich doppelt so groß erscheint, ansonsten verhält sie sich ruhig und behält mit aufmerksamer Mine den Überblick. Sie hat alles im Griff.
Als Lilly beim Tierarzt dran ist, bleibt sie auch ganz cool, macht kein Theater, maunzt nicht und zappelt auch nicht, als ob sie weiß, dass dieser kleine Piecks notwendig ist. Nur als der Tierarzt ihr das Wurmmittel auf ihr schönes Fell tropft, protestiert sie gewaltig. Wie kann jemand ihren weichen Pelz schmutzig machen? Da muss sie sich gleich intensiv putzen. Nun gibt es noch einen Impfausweis und der Weg nachhause kann beginnen. Jetzt hat Lilly einen Ausweis, sie ist amtlich registriert.

Eigentlich dachten wir, dass Lilly eine Wohnungskatze sein soll, wenigstens am Anfang. Doch das kleine Katzenmädchen nutzt jede Gelegenheit, um nach draußen zu kommen, eine geöffnete Tür nutzt sie sofort zur „Flucht“. Es ist ja so interessant draußen, Herbstlaub raschelt, Nachbars Hund bellt und Fahrzeuge fahren am Haus vorbei. Und Holzstapel eignen sich vorzüglich als Versteck. Es gibt aber auch Bäume, hohe Bäume, an denen man als Katzenkind nicht nur seine Krallen wetzen kann, sondern auf denen auch Vögel sitzen, Vögel sind interessant für Lilly, doch erst mal fängt sie eine große Grille, keine Chance für das Insekt. Genüsslich hält es Lilly in ihren Pfoten und frisst es auf. Doch dann wird Lilly mutig und versucht, den kleinen Vogel auf der Konifere am Teich zu fangen, immer höher und höher klettert sie dabei, ohne zu merken, wie weit sie sich eigentlich vom sicheren Boden unter den Füßen entfernt. Der Vogel ist längst weggeflogen, als Lilly ihre Lage erkennt. Sie schreit und schreit, doch keiner kann ihr helfen. Die Nachbarn werden schon auf die jammernde Katze aufmerksam. Mir fallen dramatische Rettungsaktionen mit der Feuerwehr ein, von denen im Fernsehen berichtet wurde. Guter Rat ist teuer. Wir versuchen, beruhigend auf Lilly einzureden, wir versuchen, sie zu locken, doch wenn sie ein Stück herunter gekommen ist, klettert sie wieder bis in die Spitze des Baumes, und jammert und jammert. Erst als sie keine Kraft mehr hat, lässt sie sich auf die Zweige ein Stück unter ihr fallen und kommt so Stück für Stück herunter. Total erschöpft schläft sie anschließend in der Stube auf ihrer kuscheligen Decke ein. Das war ein aufregender Tag, nicht nur für unsere kleine Lilly.

Die Liebe zum Wasser wird bei unserem kleinen Kätzchen immer ausgeprägter. Sobald jemand ins Bad geht, nur um sich zum Beispiel die Hände zu waschen, stürmt Lilly hinterher. Sie springt ins Waschbecken, um ein paar Wassertropfen zu erhaschen, die sie auflecken kann oder um mit dem Wasserstrahl zu spielen. Genau so groß ist ihr Interesse an der Badewanne, am Duschbecken und an mit Wasser gefüllten Blumenuntersetzern. Ob das weiche Fell dabei nass wird, interessiert Lilly nicht. Was die Toilette anbelangt, da hat sie uns schon erzogen, der Deckel wird nun immer geschlossen, denn das Klobecken halten wir als Katzenbadewanne für ungeeignet.

Eigentlich ist Lilly ja eine ganz normale Katze, doch für uns ist sie etwas ganz besonderes, sie freut sich, wenn sie uns sieht, kommt auf uns zu und wenn wir sie kraulen, schnurrt sie. Wenn unser Katzenmädchen ganz gute Laune hat, kommt sie auch einmal auf unseren Schoß gesprungen. Lilly freut sich, wenn sie etwas „Menschenfutter“ abbekommt und sie sieht immer so aus, als ob sie lächelt. Ihre gurrenden, lustigen Töne unterstreichen das noch.
Immer öfter ist sie jetzt draußen und kommt auch schon mal von ganz allein wieder ins Haus. Sie weiß, wo sie wohnt und sie kennt den Weg über den Balkon zum Küchenfenster. Darüber sind wir richtig glücklich. Und Lilly wahrscheinlich auch.

In diesem Jahr ist der erste Wintereinbruch bereits am 30. Oktober. Unser Kätzchen sieht den ersten Schnee und versucht natürlich, den weißen Flocken hinterher zu jagen. Fröhlich springt sie hoch in die Luft, um eine Schneeflocke zu haschen. Vergebens, denn sie kann sich nicht entscheiden, welche sie nun haben möchte… Es ist ein lustiges Spiel, welches natürlich ganz erschöpft und schnurrend auf dem Sofa endet.
Unser Kätzchen Lilly ist ein richtiges Naschkätzchen. Eines Morgens, als ich aufstand, sah der Küchenfußboden total verwüstet aus, Lilly hatte sich eine Tüte Katzenfutter aus dem Regal geholt und die Tüte zerbissen, irgendwie musste sie ja an die Fleischbröckchen mit Soße kommen. Der Rest war natürlich auf dem Fußboden verschmiert. Doch die Reinigung übernehme ich doch gern für unsere Freundin. Ein paar Tage später hat sie sich nachts das Tütchen mit den Käserollis aus dem Regal geholt und ebenfalls aufgeknabbert. Leider hat Lilly zu viele von den Leckerlis gefressen, denn es war ihr danach übelst schlecht. Sie musste sich übergeben und kann jetzt einfach nicht mehr an dieses „Katzenkonfekt“ heran. Woher sollte sie auch wissen, dass man als kleines Kätzchen höchstens vier bis sechs Stück am Tag bekommen darf.
Das Naschen lässt sie trotzdem nicht, nur das Interesse gilt jetzt mal einer Tüte Erdnüsse, die sie sich heimlich vom Tisch holt oder einer Nougatkugel, die sie aus dem Papier auspackt und anknabbert. Mal sehen, welche Interessen sie noch entwickelt.
Interessen hin und Interessen her, eines Tages kommt sie nicht nachhause, wir können rufen und pfietschen wie wir wollen, sie kommt einfach nicht. Mario fährt alle Straßen ab und sucht sie, er fragt alle Nachbarn und macht die ganze Gegend rebellisch. Alle suchen Lilly, vergebens. Am nächsten Tag wieder keine Lilly! Wir heulen schon und vermissen das kleine Tierchen so sehr. Ich stelle mir schon vor, dass ich das vorhandene Futter an ein Tierheim verschenke. Doch am 5. Tag sitzt sie plötzlich wieder im Küchenfenster. Total ausgehungert und voller Zecken und Flöhe. Aber sie ist wieder da. Wir freuen uns so sehr und diese Freude beruht auf Gegenseitigkeit. Lilly freut sich auch, sie schmust mit uns, als wollte sie fragen: Habt ihr mich denn noch lieb? Von nun an ging sie uns nicht mehr von der Pelle.
Nach ein paar Wochen bemerkten wir, dass ihr Bäuchlein immer dicker wurde, und das nicht nur vom guten Futter.
Lilly bekommt Babys, welche Freude! Nun wussten wir auch den Grund für das fünftägige Wegbleiben. Sie hatte ein oder mehrere Rendezvous. Da wollte sie uns natürlich nicht dabei haben.
Doch als es soweit ist, zeigt unser Kätzchen, dass die ganze Geburt nicht so einfach ist. Ganz unruhig rennt sie umher, klettert mal hinter die Bücher im Wohnzimmerschrank, mal unter den Kamin, mal auf meinen Schoß, zwischendurch in die bereitgestellte Kiste, sie jammert und hechelt, sie hat große Schmerzen. Nach vielen Stunden intensiver Betreuung ist das erste Baby da, sie leckt es und bleibt von nun an in ihrer Kiste, das zweite und dritte Baby kommt spontan, doch Lilly hat noch Probleme, immer noch jammert und hechelt sie, bis sich nach einem Tag und einer halben Nacht wieder ein Kopf im Geburtskanal zeit, doch der will stundenlang weder vor noch zurück.
Hier kann nur noch der Tierarzt helfen, denn uns lässt sie nicht ran, uns beißt sie, wenn wir versuchen, sie festzuhalten.
Mir ist ganz schlecht, als ihr der Tierarzt eine Narkosespritze gibt und das tote Baby heraus holt. Noch unter Narkose wird ein fünftes totes Katzenbaby abgestoßen.
Lilly erbricht sich und schläft fast 12 Stunden lang. Sie ist total erschöpft. Wir fürchten, dass sie ihre Kinder nicht annimmt, doch dann leckt sie die Kleinen wieder und schnurrt, wenn sie trinken. Es ist eine Freude, wenn wir in den Korb sehen, denn sie zeigt uns ganz stolz ihre Kinder und hält sie auch ein bisschen fest. Lilly entwickelt sich zu einer treusorgenden Katzenmutter, doch es ist für mich rätselhaft, woher dieses kleine Tierchen das alles weiß.
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