Auf stillen Pfaden und versteckt in Wiesen und Wäldern spürt Lothar Finke heimische Orchideen auf

Die Grünliche Waldhyazinthe ist in unseren Wäldern nicht so oft anzutreffen. Per GPS vermisst Lothar Finke genau den Standort der Pflanze, um ihn im kommenden Jahr wiederzufinden.
 
Das Purpur-Knabenkraut ist eine sehr auffällige Orchidee, das noch relativ häüfig vorkommt.
Remda-Teichel: GLB |

Lothar Finke ist ein begeisterter Orchideenschützer, leitet die Regionalsektion Rudolstadt des Arbeitskreises Heimische Orchideen. Die seltenen Pflanzen sind ihm so ans Herz gewachsen, dass er tzrotz seiner 75 Jahre sich fast täglich aktiv für deren Schutz engagiert.

„Es ist Hochsaison. Da muss ich raus. Bis Ende Juli ist die Blütezeit der heimischen Orchideen“, erklärt Lothar Finke, der sich aktiv für den Schutz der seltenen Pflanzen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt engagiert. Als begeisterter Naturschützer ist er fast täglich in Wald und Wiesen unterwegs - sucht und findet die heimischen Orchideen an vielen Stellen mit Muschelkalkboden des Landkreises, wie von Rudolstadt bis Teichel, Remda, Keilhau oder Bad Blankenburg.

Mit dabei hat Lothar Finke immer seine kleine Arbeitstasche mit der notwendigen Ausrüstung. Moderne Technik muss schon sein: „Per GPS-Gerät bestimme ich auf einige Meter genau die Standorte der Pflanzen, die teils in abgelegenen Gebieten wachsen. Gelegentlich fotografiere ich Pflanzen mit meiner Digitalkamera. Wichtige Daten dazu notiere ich in meinem Notizbuch.“ Der Rudolstädter ist schon viele Jahrzehnte ein bekennender Orchideenfreund und leitet vor Ort die Regionalsektion Rudolstadt des Arbeitskreises Heimische Orchideen. Trotz seiner 75 Jahre ist für ihn ein ruhiges Rentnerdasein von Mai bis Juli absolut unvorstellbar. „Solange es noch geht, werde ich meine Arbeit für den Schutz der heimischen Orchideen fortführen.“

Seit 1997 ist Lothar Finke im Monitoring – aufspüren und zählen der Pflanzen – jedes Jahr aufs Neue unterwegs. Die Arbeit hält den Naturschützer fit und macht ihm Spaß. Zumal dafür auch schon einmal Hänge erklommen und querfeldein gelaufen werden muss. Genau dafür hat der Senior seine Wanderstöcke immer parat.

Alle erhaltenen Daten über Art und Umfang der Vorkommen sind sehr wichtig und werden der Thüringer Kartierungszentrale in Rothenstein-Ölknitz gemeldet. Auch die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie nutzt diese Daten.

Einer der Lieblingsorte von Lothar Finke ist der Geschützte Landschaftsbestandteil (GLB) „An der Wache“ in Milbitz. Die Mitglieder des Arbeitskreises und Forstarbeiter pflegen seit vielen Jahren das fünf Hektar große Gebiet. Es wird entbuscht und gelegentlich gemäht. Dadurch erscheint auch der Rasen besonders grün. „Wir müssen ständig darauf achten, dass die Orchideen nicht von anderen Pflanzen verdrängt werden und dass sie ausreichend Licht bekommen. Durch unsere Pflege konnte der Bestand von Frauenschuh, Vogelnestwurz, Fliegenragwurz oder Puprur-Knabenkraut stetig erhöht werden.“ Gab es anfangs nur 40 Pflanzen Frauenschuh so sind es heute 300. Auch viele andere seltene Pflanzen profitieren von den Maßnahmen. Ein Erfolg, den Lothar Finke und seine Mitstreiter stolz macht. Doch die Politik zeigt an diesem Erfolg momentan leider wenig Interesse. „Wie sonst lässt es sich erklären, dass die Mittel zur Pflege und zum Schutz von Biotopen und Schutzgebieten in diesem Jahr im Landkreis um über 50 Prozent gekürzt wurden? Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Zumal das Durchschnittalter in der Regionalsektion bei 75 Jahren liegt und es sich leider kein Nachwuchs finden lässt. Als Ehrenamtliche können wir im Bereich Pflege nicht mehr viel tun. Und so müssen für das wenige Geld Firmen beauftragt werden, die nur einen ganz geringen Teil der erforderlichen Arbeiten durchführen können.“

Heimische Orchideen sind eben keine Pflanzen, die sich einfach von Menschenhand vermehren lassen, sondern hierbei muss der Natur freier Lauf gelassen werden. Genau darin liegt für den Orchideenschützer die Faszination – ebenso wie in deren Schönheit. „Ich denke, an unseren heimischen Orchideen sollten sich auch noch unsere Nachkommen erfreuen können. Dafür setze ich mich gemeinsam mit vielen Mitstreitern, auch vom Forst und der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt ein.“

Hintergrund:
- älteste Hinweise auf die Orchidee kommen aus dem alten China um 2000 vor Christus
- sie werden als die schönsten Blumen bezeichnet, als „Königin“ der Pflanzen
- etwa 35 000 Orchideen-Arten gibt es auf der Welt
- fast jedes Jahr werden neue Arten entdeckt
- die meisten gibt es in den Tropen
- in Thüringen wachsen mehr als 50 Arten heimische Orchideen
- im Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen engagieren sich 230 Vereinsmitglieder für deren Schutz
- Pflanzen stehen unter Naturschutz und dürfen nicht abgepfückt, ausgerissen oder ausgegraben werden
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1 Kommentar
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Renate Jung aus Erfurt | 09.06.2015 | 09:37  
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