Huhn Marianne erzählt: Er-Ei-gnisse am laufenden Band in Teichweiden

Huhn Marianne ist gerne im Freiland unterwegs.
 
Nachdenklich: Hoffentlich klappt es morgen mit dem freien Nest.
Uhlstädt-Kirchhasel: Geflügelhof | Montag Nacht, 3.30 Uhr: Es ist jeden früh dasselbe, mein Lieblingsnest in dem abgedunkelten Raum ist schon wieder belegt. Auf anstehen habe ich keine Lust, das Ei drückt. Also, schnell ein Freies gesucht. Geschafft, das Ei liegt im Nest. Gackernd teile ich dies allen meinen Stallbewohnern mit. Ob die es hören wollen oder nicht, ist mir egal. Die Tagesarbeit ist jetzt verrichtet. Ach, gestatten, dass ich vor lauter Aufregung vergaß mich vorzustellen: Ich bin das Huhn Marianne, Rasse Lohmann weiß, vom Geflügelhof Teichweiden.

Im Alter von 18 Wochen bin ich hier angereist und habe mit 15.999 gackernden Artgenossen den neuen Stall bezogen. Das war schon ganz schön aufregend. In den ersten vier Wochen gab es viel zu entdecken. Schlafen, Essen, Spazierengehen oder Scharren, es war eine wunderbare Zeit. Das ging leider nur so bis zum ersten Ei. Ich kann ihnen sagen, war das vielleicht ein Er-EI-gnis. Es war einfach da! Ganz weiß und klein, würde sagen Größe S. Mit eineinhalb Jahren kann ich dies natürlich viel besser, bis zur Größe L habe ich mich schon hochgearbeitet. Ich schaffe davon sieben Stück in jeder Woche!

Ich bin ein recht friedfertiges Huhn, habe meinen eigenen Clan, mit dem ich mich gut verstehe. Gemeinsam gehen wir im Freiland gerne auf Tour. Am liebsten im Herbst, denn starke Sonne mögen wir gar nicht. Manchmal sucht die Zickenfraktion mit uns Streit. Denen haben wir es neulich aber gezeigt, wer den höheren Rang hat. Jetzt dürfen wir wieder zur Nachtruhe ganz oben auf den 2,50 Meter hohen Stangen sitzen. Denn da ist es am Schönsten, sagt uns der natürliche Instinkt.

Unsere Verpflegung ist super. Das Futter enthält viel Mais, Getreide und nicht gentechnisch verändertes Soja. So ein Regenwurm zwischendurch im Freiland ist allerdings auch nicht zu verachten. Auch von dem guten Wasser muss ich viel trinken. Das alles ist wichtig für meine tägliche Eiproduktion. Denn in meinem Leben schaffe ich es, mehr Eiweiß zu produzieren als eine Kuh in der Milch – natürlich bezogen auf die Körpergröße!

Nach so einem schönen Fressen kommt das Putzen. Ein ausgiebiges Bad im Sand oder in der Einstreu ist schon etwas ganz Feines. Danach werden alle Federn wieder zurechtgezupft. Damit lassen sich Stunden zubringen. Schließlich muss ich doch das schönste Huhn sein. Nur für den Fall der Fälle, das doch einmal ein Hahn vorbei kommt…

Zwei ungebetene Gäste schauen öfter vorbei und sorgen dabei für große Aufregung: Der Habicht und der Fuchs. Da heißt es immer ganz schnell abducken oder in Stall rennen. Einen erwischt es leider immer, ich hatte bisher großes Glück.

Neulich bin ich aus dem umzäunten Gelände einmal ausgebüxt. Da habe ich gesehen, dass unsere Eier von Legenest ganz vorsichtig auf ein Eiband fallen. Von da aus geht es auf einen Sammeltisch und dann in die Eiersortiermaschine, die automatisch alle Eier verpackt. Das war spannend. Als allerdings mein Ausflug bemerkt wurde, schaffte mich ein netter Mann sofort wieder zurück in den Stall.

Um 17 Uhr bin ich immer müde. Da geht es dann ab den Stall - ganz langsam fallen die Augen zu und ich träume wieder von meinem freien Lieblingsnest. Vielleicht klappt es ja morgen!

Hintergrund:

- Auf dem Geflügelhof in Teichweiden, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, leben in drei Ställen jeweils 16.000 Hühner.
- Im Jahr können so 17 Millionen Eier produziert werden.
- Neun Personen sind hier mit allem rund um das Ei beschäftigt.
- Legefrisch verlassen täglich die Eier den kleinen Betrieb und werden an Kunden in Thüringen und Bayern ausgeliefert.
- Annerose Blöttner, studierte Landwirtin, ist seit vielen Jahren die Geschäftsführerin und setzt sich sehr für nachhaltige Lebensmittelproduktion ein.
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