330 Stundenkilometer - Pfeilschnell durch den Thüringer Wald

Der 13.000 PS-starke ICE-Messzug rast mit 330 Stundenkilometern über die 107 Kilometer lange Trasse von Thüringen nach Franken. Die Tests dienen der Zulassung der ICE-Strecke bis Tempo 300. Entlang der Bahnstrecke warnen Schilder vor der akuten Lebensgefahr durch Strom und Sogwirkung. Foto: Andreas Abendroth
 
Verkehrsprojekt Deutsche Einheit VDE 8; VDE 8.1, Der 13.000 PS-starke ICE-Messzug rast mit 330 Stundenkilometern über die 107 Kilometer lange Trasse von Thüringen nach Franken. Die Tests dienen der Zulassung der ICE-Strecke bis Tempo 300. Entlang der Bahnstrecke warnen Schilder vor der akuten Lebensgefahr durch Strom und Sogwirkung. Foto: Andreas Abendroth

Wanderer und Neugierige sollten Abstand zur Bahnstecke halten


Vorgestellt: Der neue Reportagestil: Text + Fotos + Film

Von Andreas Abendroth

Ich stehe am Überholbahnhof an der ICE-Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt in der thüringischen Gemeinde Wolfsberg. Hier soll der ICE-S der DB Systemtechnik vorbei kommen. Kaum habe ich meine Kamera startklar gemacht, höre ich ein kurzes, zischendes Geräusch. Ehe ich reagieren kann, ist der ICE bereits an mir vorbei. Ich spüre noch einen Windhauch, sehe nur noch die Rücklichter und denke mir: „Das waren also 330 Stundenkilometer!“

Noch in dieser Woche ist ein speziell ausgestatteter Messzug auf der ICE-Strecke zwischen Erfurt und Coburg unterwegs. Der mit Computer- und Sensortechnik vollgepackte Zug soll die 107 Kilometer lange Neubaustrecke auf „Herz und Nieren“ prüfen.

Nach Angaben von Frank Kniestedt von der Deutschen Bahn AG werden das Gleisbett und das Oberleitungsnetz exakt vermessen. Denn später, wenn regulär eine Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern gefahren werden, darf nicht schief gehen. Beispielsweise müssen die Stromabnehmer permanent und exakt an den Oberleitungen anliegen, um eine ununterbrochene Stromversorgung zu gewährleisten. Noch während der Fahrt werden die Echtzeit Daten, beispielsweise vom Schwingungsverhalten der Oberleitungen, ausgewertet. Sollte ein Mangel festgestellt werden, wird dieser umgehend behoben und dann weiter getestet.



Bei den derzeitigen Versuchen sprechen die Fachleute von „Hochtastfahrten“. Es wird mit einer geringen Geschwindigkeit begonnen, diese kontinuierlich gesteigert. Derzeit rast der Zug mit 330 Stundenkilometern die 107 Kilometer lange ICE-Neubaustrecke. Dabei liegt die Geschwindigkeit zehn Prozent über der später zugelassenen Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern.

Ein ganz anderer Aspekt ist die Sicherheit rund um die ICE-Strecke. Bereits im August informierten Bahn und Bundespolizei über die Gefahren im Bereich der Gleise. „Alle Leitungsteile sind als spannungsführend zu betrachten. Bei Berührung besteht Lebensgefahr. An den Oberleitungen liegt eine Spannung von 15.000 Volt an“, so Kniestedt.

Ein zweiter, nicht zu unterschätzender Aspekt ist die Sogwirkung. Wanderer, Hundehalter, Jogger denken nur daran, dass der offizielle Bahnbetrieb erst Ende 2017 aufgenommen werden soll. Trotzdem gilt, sich von den Bahnanlagen fern zu halten. „Die Züge sind heute Dank der modernen Technik sehr leise. Bei den hohen Geschwindigkeiten muss mit einem Bremsweg von rund 3.300 Metern gerechnet werden. Außerdem wird ein enormer Sog erzeugt. Bei Geschwindigkeiten über Tempo 280 ist ein Mindestabstand zum Zug von 3,30 Metern lebenssichernd“, wird betont.

Ich stehe immer noch am Überholbahnhof. In einer Stunde kommt der ICE-Testzug aus Richtung Coburg wieder zurück. Dann habe ich eine neue Foto- Chance.

Informationen rund um den Streckenabschnitt:

- Die ICE-Neubaustrecke von Erfurt nach Ebensfeld gehört zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8.1
- Die Testfahrten finden derzeit auf der 107 Kilometer lange Strecke statt
- Die Trasse durch den Thüringer Wald gilt als der anspruchsvollste Streckenabschnitt
- 41 Kilometer der Neubaustrecke verlaufen durch 22 Tunnel-Bauwerke
- 12 Kilometer über 29 Brücken
- Die planmäßige Aufnahme des elektrischen Zugbetriebs ist zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 vorgesehen.
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Joachim Kerst aus Erfurt | 19.11.2016 | 20:36  
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