ACE beobachtet immer mehr „Falschpacker“ - Ergebnisse der bundesweiten Aktion 2012

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Große Lasten in kleinen Autos
Experten des ACE Auto Club Europa zeigen sich über die Sorglosigkeit beim Beladen von Pkw erschrocken

Nahezu jeder zweite Autofahrer vernachlässigt beim Beladen seines Wagens die Sicherheit und transportiert selbst größere Baumarktartikel, ohne sie festzuzurren: Provisorisch eingeklemmte Holzlatten ragen aus der geöffneten Heckklappe heraus, lose auf den Kopfstützen abgelegte Regalbretter sind auf das Genick der Beifahrerin gerichtet, eine lange Alu-Leiter wächst aus dem Schiebedach und droht zu kippen. „Die Falschpacker sind eindeutig auf dem Vormarsch“, so lautet das Fazit des ACE Auto Club Europa nach Auswertung einer bundesweiten Verkehrssicherheitsaktion.
Ehrenamtliche ACE-Inspektoren hatten im vergangenen Sommer insgesamt
14.818 Fahrzeuge auf Parkplätzen von Baumärkten und Einrichtungshäusern auf Ladungssicherheit überprüft. Bei 6.670 Fahrzeugen (45,1 Prozent) ist die Ladung nicht ausreichend gesichert gewesen, berichtete der ACE am Mittwoch in Stuttgart.
„Wir sehen Handlungsbedarf“, so der ACE, dessen Appell, mehr auf Ladungs-sicherheit zu achten, sich besonders an die Adresse von Autofahrern, Fahrschulen und Verkehrspolitikern richtet. Viele Leute ahnten zwar, welch schlimme Folgen ein zwischen Sitz und Kopfstütze eingeklemmtes Holzbrett bei einer Notbremsung hervorrufen kann. „Doch die Wahrnehmung von Selbst-verantwortung ist häufig noch unterentwickelt ebenso wie die praktische Umsetzung des eigenen Wissens“, heißt es in den Schlussfolgerungen des ACE.
„Wir sind Männer, wir denken logisch“
Wer sein Auto vorschriftswidrig belädt, riskiert nach Angaben des Clubs ein Bußgeld zwischen 35 und 150 Euro sowie drei Punkte im Flensburger Zentralregister. Davon zeigen sich aber manche „Ladungsamateure“ laut ACE völlig unbeeindruckt. Auf einem Baumarktparkplatz in Detmold beispielsweise warnten Experten des Clubs einen Autofahrer davor, mit den offenbar ungesicherten Paketen unbesorgt loszufahren – „Das geht nicht gut“ – und kassierten für diesen fürsorglichen Rat gleich eine Retourkutsche: „Mischt Euch hier nicht ein“. Nach 20 Minuten kehrte besagter Autofahrer laut ACE reumütig zurück.
Erst nach fünf Kilometer Fahrt hatte der gute Mann den bereits auf dem Parkplatz eingetretenen Verlust mehrerer Pakete bemerkt. Die purzelten schon beim Start aus der unverschlossenen Heckklappe. Freundliche Mitarbeiter des Clubs hatten die Pakete zwischenzeitlich zur Abholung aufeinander gestapelt.
Doch selbst bei Lob für tadellos verstaute Ladung reagierten besonders Männer mitunter hoch sensibel auf die Verkehrssicherheitsaktion des Clubs. Zwei Holzteile und Gestänge verstauende Mannsbilder in Nürnberg bekamen von einer Club-Inspektorin anerkennende Worte für deren umsichtige Packerei zu hören. Darauf folgte die Replik: „Wir sind ja auch Männer, wir können logisch denken.“
In Bochum hingegen orderte ein Autofahrer nach dilettantischer Ladeaktion per Handy sogar einen dritten Wagen von Freunden, um Frau und Kind nicht auf dem Parkplatz zurücklassen zu müssen. Ein anderer Hobbywerker berichtete auf dem Baumarkt in Schwerte, sein Kombi reiche leider nicht für die voluminöse Ladung. Das Material werde für den Bau eines Unterstandes für seinen Fahrzeuganhänger benötigt. Auf die Idee, den schon vorhandenen Hänger für den Materialtransport gleich mitzubringen, kam der Mann mit Anhängerkupplung am Kombi aber nicht.
Ladungssicherheit gehört auf den Lehrplan für Fahrschüler
Der ACE verlangt, Anforderungen an die Ladungssicherheit künftig in die Lehrpläne der Fahrschulen aufzunehmen. „Das gehört in den Unterricht, Fahrschüler sollten von ihren Fahrlehrern auch praktische Unterweisungen bekommen“, schlagen die ACE-Fachleute vor. Sie regen außerdem an, Vorschriften für Ladungssicherheit zu konkretisieren. „Warndreieck und Verbandskasten sind gesetzlich vorgeschrieben, warum nicht auch Trennnetze, Verzurr-Ösen und stabile Kofferraumabdeckung?“
Ungesicherte Ladung im Auto kann etwa bei einer Vollbremsung laut ACE zum lebensgefährlichen Geschoss werden, was an den ungeheuren Fliehkräften (Masse x Beschleunigung) liegt. Demnach nimmt ein 300 Gramm wiegendes Handy bei einem Aufprall aus Tempo 50 Kilometer pro Stunde (km/h) ein Gewicht von 15 Kilogramm an, ein ungesicherter 40 Kilogramm schwerer Möbelpackung beispielsweise würde sogar mit einem Gewicht von zwei Tonnen durch den Fahrgastraum geschleudert.
Auch im Kreis Saalfeld-Rudolstadt wurden bei den durchgeführten Aktionen
dieses Fehlverhalten beobachtet.
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