ACE: Straßenverkehr sicherer machen

Nach Einschätzung des ACE Auto Club Europa liegt einer der wesentlichen Gründe für den Rückgang der Verkehrsopferzahlen 2013 in der stetig optimierten Fahrzeugsicherheit. Die gesunkene Zahl der Verkehrstoten ist außerdem den lebensrettenden Eingriffen moderner Unfallmedizin zu verdanken, hebt der ACE hervor.
Der Club zeigte sich zugleich besorgt, dass heute insgesamt mehr Verkehrsunfälle passieren als noch vor 10 Jahren und dass auch die Unfälle mit Sachschaden zugenommen haben.
Erfreulich aus Sicht des ACE ist, dass es bei der Hochrisikogruppe junger Fahranfänger den deutlichsten Rückgang der Verkehrsopferzahlen gegeben hat. „Wir führen das unter anderem auf die Einführung einer neuen Verkehrspädagogik wie das begleitete Fahren ab 17 zurück. Diese Form der Verkehrserziehung musste ursprünglich auch gegen Widerstände in der Politik erst durchgekämpft werden.
Gegen Ablenkung im Straßenverkehr vorgehen
Das Unfallgeschehen insgesamt befindet sich weiter auf relativ hohem Niveau. Hier sehen wir bei allen Akteuren weiteren Handlungsbedarf, das gilt in besonderer Weise auf dem Gebiet folgenschwerer Autobahnunfälle, wo zu hohes Tempo und zu dichtes Auffahren offenbar eine Rolle spielen. Als weitere Unfallursache hinzu kommt die um sich greifende Ablenkung durch Infotainment-Angebote im Auto; diese Ablenkung ist zu unterbinden. Geräte, die nachweislich die Verkehrssicherheit beeinträchtigen sind während der Fahrt automatisch zu deaktivieren. Lassen sich die Hersteller im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung nicht darauf ein, muss der Gesetzgeber für entsprechende Funktionsbeschränkungen sorgen.
Wir verlangen eine Runderneuerung der nationalen Verkehrssicherheitspolitik
Sie muss weiter raus aus dem Zeigefinger-Gehabe und hin entwickelt werden zu einer Aufgabe mit gesamtgesellschaftlichem Anspruch. Ziel der EU-Verkehrssicherheitspolitik ist es, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 im Vergleich zu 2010 zu halbieren. „Keiner kommt um. Alle kommen an“ – dieser Vorsatz beschreibt die Vision Zero als Strategie zur aktiven Unfallverhütung. Während sich Brüssel und mehrere deutsche Bundesländer diesem Credo verpflichtet fühlen, mangelt es dem Koalitionsvertrag von Union und SPD an konkreten Selbstverpflichtungen.
Wir fordern von der Bundesregierung ein mit konkreten politischen Selbstverpflichtungen versehenes Verkehrssicherheitsprogramm
Das vor mehr als zwei Jahren beschlossene Papier hingegen enthält zwar richtige Ansätze, es verliert sich aber meist in unverbindlichen Deklarationen und Appellationen. In die notwendige breite Diskussion über wirksame Maßnahmen im Sinne von Vision-Zero sollten daher beispielsweise auch Forderungen nach einem Alkoholkonsumverbot vor und während der Fahrt mit einem Kfz einbezogen werden. Auch das Thema Medikamente und ihre Auswirkungen auf die Fahrtauglichkeit muss in Anbetracht der Folgen des demografischen Wandels verstärkt behandelt werden. Zudem sind bei der Umsetzung des Programms auch andere Ressorts einzubeziehen, etwa Arbeit, Soziales und Gesundheit.
Wir fordern die Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Bundes- und Landstraßen
Auf diesen Strecken passieren rund 60 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle in Deutschland. Zu den aus unserer Sicht erforderlichen Maßnahmen gehört eine selbstverpflichtende Bürgerbeteiligung auf dem Gebiet der Verkehrssicherheit. Die Ergebnisse behördlicher Unfallstreckenanalysen beispielsweise sind grundsätzlich öffentlich zugänglich zu machen. Die im Zuge der verstärkten Vernetzung von Autos und Umwelt (Car-to-Car- und Car-to-Infrastructure-Communication) gewonnenen Erkenntnisse sind für die Ausübung der öffentlichen Verkehrssicherungspflicht und für die Verbesserung der Unfallverhütung nutzbar zu machen. Unfallschwerpunkte sind zügig zu entschärfen; entsprechende Maßnahmen sind – gemessen an deren Wirksamkeit – zu priorisieren. Die neu in Kraft gesetzten Straßenbaurichtlinien sind auch bei Sanierung und Ausbau von Strecken strikt anzuwenden. Als wirksamer Beitrag für mehr Sicherheit und im Sinne eines günstigen Nutzen-Kosten-Verhältnisses ist unter anderem der dreistreifige Ausbau von Landstraßen mit wechselnden Überholspuren vorzusehen. Dadurch können Frontal-Crashs bei Überholmanövern verhindert werden.
Wir fordern den Ausbau moderner Verkehrsleittechnik
Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien in und außerhalb von Fahrzeugen ermöglichen es, Unfälle zu vermeiden und den Verkehr (energie-)effizient zu steuern. Es geht darum, diese Möglichkeiten verstärkt zu nutzen und auszubauen.
Wir fordern eine Senkung der Lkw-Unfallrisiken
Dabei spielt eine kraft gesetzlicher Vorgaben beschleunigte Einführung moderner, unfallverhütender Fahrerassistenzsysteme eine wichtige Rolle. Bedarfsgerechte Bereitstellung von für Schlafpausen geeignete Lkw-Stellplätzen auf Autobahnrastanlagen, ausreichendes Personal zur Kontrolle der Fahrzeuge sowie der Lenk- und Ruhezeiten, alles das zusammen sind Maßnahmen, die ihre Wirksamkeit erst dann voll entfalten, wenn sie intensiviert und verstetigt werden.
Wir fordern eine Qualitätsoffensive in der Mobilitätsausbildung
Die Erstausbildung zum klassischen Erwerb eines Führerscheins ist zwar immer noch der wichtigste Baustein zur Ausübung individueller motorisierter Mobilität. Neue Aufgabenfelder kommen aber hinzu: Begleitung von Senioren, Coaching von Fahranfängern in einer möglicherweise verlängerten vor- und/oder nachgelagerten Ausbildungsphase sowie die Berufskraftfahrer-Aus-, -Fort- und -Weiterbildung. Um diese Aufgaben zu erfüllen, werden neue Standards in der Ausbildung und neue Netzwerke und Kooperationen benötigt. Dazu gehört auch eine Erweiterung der Mobilitätsbildung in den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass gerade in Großstädten Menschen häufiger, als dies früher der Fall war, auf den Führerschein verzichten und damit durch die klassische Fahrschulausbildung nicht mehr erreicht werden.
Wir ermuntern die Fahrzeugindustrie dazu, Fahrerassistenzsysteme weiterzuentwickeln und ihre Forschung auf dem Gebiet autonomes Fahren zu forcieren. Mehr Sicherheit im Straßenverkehr setzt die Bereitschaft voraus, auch solche Innovationen anzustoßen, die in völliges Neuland führen u. a. auch in technischer und verkehrsrechtlicher Hinsicht. Entscheidend für den künftigen Erfolg des autonomen Fahrens ist, dafür heute schon gesellschaftliche Akzeptanz herzustellen.
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